Die unglaubliche Geschichte des
Überlebenskampfes von Aron Ralston ging im April 2003 um die Welt.
Sie erweist sich als perfekter Stoff für Oscar-Preisträger Danny
Boyle, der seinen ersten Film seit "Slumdog Millionär" mit
derselben Explosion aus Bewegung, Farben und Bildern ausstattet -
auch wenn sein von James Franco atemberaubend gut gespielter Held
das Gros des Films nicht in der Lage ist sich zu bewegen. Obwohl
Boyle dem Zuschauer gerade im letzten Drittel des Films nichts erspart,
ist "127 Hours" doch vor allem die ekstatische Geschichte
eines Triumphes, für die der Regisseur entsprechend berauschende
Bilder findet. |
USA
/ Großbritannien 2010
- 89Min.; ab 12;
Regie: Danny Boyle;
Darsteller: James Franco, Amber Tamblyn, Kate Mara, Clémence Poésy,
Kate Burton, Lizzy Caplan, Treat Williams, John Lawrence, Darin Southam,
Norman Lehnert, Jeffrey Wood.
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Danny Boyles erster Film seit seinem Oscar-Triumph "Slumdog
Millionär" erzählt in einer erneuten Explosion aus Bewegung,
Farben und Bildern von einer erschütternden Grenzerfahrung.
Im April
2003 war der Extremsportler Aron Ralston losgezogen, um im Alleingang
den Blue John Canyon in Utah zu bezwingen. Beim Klettern rutschte
er auf einem losen Fels aus und stürzte in eine Spalte, wo sein rechter
Unterarm von dem Fels eingequetscht wurde. 127 Stunden steckte er
fest.
Der Stoff ist wie geschaffen für Danny Boyle, wie "The
Beach", "28 Days Later" oder "Sunshine" erzählt
er eine Geschichte, in der der Held in einer extremen Situation gezwungen
ist, sein tiefstes Inneres zu konfrontieren - es geht um den einen
Moment der absoluten Klarheit, in dem Nebensächliches ausgeblendet
und sich der wahre Charakter offenbart.
Schon vor Beginn der Dreharbeiten
hatte Boyle angekündigt, die Geschichte als "Actionfilm, in
dem sich der Held nicht bewegen kann" umzusetzen. Er hat sein
Versprechen gehalten: Obwohl es sich weitgehend zwangsweise um eine
One-Man-Show von James Franco in der Rolle Ralstons handelt, ist "127
Hours" nicht weniger eine regelrechte Explosion an Bildern und
Farben, wie es bereits "Slumdog Millionär" gewesen war.
Was letztendlich auf eine impressionistische Studie der Tortur Ralstons
hinausläuft, realisiert Boyle als rastlosen Wettlauf mit der Zeit,
in dem die Digitalkameras seiner Mitstreiter Anthony Dod Mantle und
Enrique Chediak keine Sekunde ruhig halten.
In einem rasenden Intro
wird Ralston bei seinen Vorbereitungen für den Ausflug gezeigt, wie
er seine Sachen packt, zunächst mit dem Jeep und schließlich dem
Mountainbike in die Einsamkeit der Canyons von Utah fährt. Schnell
ist Ralston als positiver Irrer charakterisiert, voller Energie,
immer in Bewegung, immer hyperaktiv - was letztlich der Grund ist,
warum er sein Martyrium überleben kann. Er trifft zwei attraktive
Hikerinnen, gespielt von Kate Mara und Amber Tamblyn, zeigt ihnen
den unkonventionellen Weg in einen See in einer Höhle. Und zieht
dann alleine weiter, wo ihm sein folgenschweres Missgeschick passiert.
Das Energielevel der rasanten Anfangsszenen, die oft so viele visuelle
Informationen bereithalten, dass der Film sich förmlich in mehrfache
Splitscreens aufteilt, hält Boyle nun auch in den Szenen in der Felsspalte,
die die Hauptfigur zusätzlich selbst mit Hilfe einer Videokamera
dokumentiert und kommentiert. Minuziös zeichnet der Film Ralstons
Rettungsversuche auf, beschreibt seinen Kampf mit Hunger, Durst und
Kälte, seine zunehmende Desorientierung, die sich in Visionen und
Erinnerungen ausdrückt.
James
Franco ist überragend in einer Rolle, in der er über weite Strecken
nur sein Gesicht einsetzen kann. Sein Spiel ist einnehmend und frei
von den Manierismen, die sich bei ihm gerne einschleichen. Er kann
sich auch auf einen Regisseur verlassen, der auf der Höhe seines
Könnens arbeitet und definiert, wie aufregend, mitreißend und intelligent
modernes Mainstreamkino sein kann. |