13 Semester hat Moritz, genannt Momo, an der Uni in Darmstadt Wirtschaftsmathematik und das Leben studiert. Dabei ist der junge Student um Erfahrungen reicher und Illusionen ärmer geworden...
Dies ist keine dumpfe Uni-Klamotte und auch kein altbackener Pennälerschwank. Der Blick auf das Uni-Leben in der Provinz gerät ebenso amüsant wie authentisch. Wie in „Nach fünf in Urwald“ und „Schule“ lacht und leidet man in diesem rundherum gelungenen Kinodebüt von Frieder Wittlich mit seinen tragikomischen Helden.



Prädikat: wertvoll; D 2009 - 102 Min.; ab 12;
Regie: Frieder Wittich;
Darsteller: Max Riemelt, Alexander Fehling, Robert Gwisdek, Claudia Eisinger, Amit Shah, Maria Vogt, Daniel Zillmann, Ole Spörkel, Cyril Sjöströ.

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Darauf hat Momo (Max Riemelt) schon lange gewartet. Mit dem Studienplatz an der TU in Darmstadt hat der junge Mann endlich das Ticket in der Tasche, das ihn aus der häuslichen Enge der heimischen Gastwirtschaft in Brandenburg befreit. Gemeinsam mit seinem Kumpel Dirk schmeißt sich Momo ins akademische Getümmel. Doch während das Mathegenie Dirk mit Volldampf durchstartet, harkt es bei Momo mächtig im Getriebe. Schon die Wohnungssuche erweist sich als echter Alptraum, und dann braucht er eine ganze Weile, um sich an seinen neuen WG-Partner Bernd zu gewöhnen. Der zeigt dem braven Bubi aus Brandenburg zuerst einmal, dass es neben Hörsaal und Mensaessen auch in Darmstadt ein Hauch von „La Dolce Vita“ gibt.

Bald schon hängt Momo zwischen allen Stühlen: zum Streber ist er nicht geboren, aber ein echter Partylöwe und Frauenheld wird aus ihm wohl auch nie werden. Zumal er sein Herz schon kurz nach der Ankunft in Darmstadt an die schöne und kluge Kommilitonin Kerstin verloren hat. Dumm nur, dass Momo sich nicht so richtig traut, der Dame seines Herzens selbiges auszuschütten.

Auf kleine Etappensiege und ernüchternden Rückschlägen folgt ein Auslandssemester in Australien. Mit dem Trip nach Down Under kann man zumindest später beim Professor genug Eindruck schinden, um trotz seltener Anwesendheit im Seminar doch noch zum Diplom zugelassen zu werden. Selbst mit Kerstin kommt Momo nach einer romantischen Nacht auf der Polizeiwache endlich zusammen. Alles scheint gut zu werden, bis ihm ausgerechnet auf der Zielgeraden mächtig die Puste ausgeht. Momo muss erkennen, dass er die Wirtschaftsmathematik nicht mal eben mit links beherrscht und eine Beziehung ihm nicht die Verantwortung für sein eigenes Leben abnimmt. Nach 13 Semester Studentenleben scheint sein Weg ins Erwachsenenleben im Stau zu enden. Oder hat Momo in den sechseinhalb Jahren doch das Rüstzeug erhalten, um sich aus der Sackgasse heraus zu manövrieren?

Mit frischen Filmkräften hat die Produktionsfirma Claussen + Wöbke schon öfters gute Erfahrungen gemacht. Im Falle des Kinodebütanten Frieder Wittlich und seines jungen Drehbuchautoren Oliver Ziegenbalg verhält es sich nicht anders. Die beiden sind selber gerade erst dem Unileben entwachsen und wissen somit genau, wovon sie in ihrem Film reden. Zu der Fülle an gut beobachteten Details und präzisen Milieuzeichnungen gesellt sich ein Erzählstil, der erdig und ehrlich bleibt, aber auch immer wieder mit frischen Inszenierungsideen überrascht. Dabei ist dem Film anzusehen, dass die beiden Macher an ihren Filmfiguren hängen. Man lacht mit Momo und nicht über ihn und nimmt Anteil an seinen Missgeschicken. Aber nicht nur der von Max Riemelt gespielte Held ist mit all seinen Widersprüchen treffend gezeichnet, auch die anderen mit unverbrauchten Gesichtern besetzten Figuren sprühen in ihrer facettenreichen Farbigkeit nur so vor Leben. Der Humor ist so nie aufgesetzt, sondern entwickelt sich wie selbstverständlich aus den Charakteren und den Situationen, in die sie geraten. Dem Regisseur Frieder Wittlich gelingt hier mit Hilfe seines kongenialen Drehbuchautors Olivier Ziegenbalg beim Kinodebüt gleich die Reifeprüfung.