Mit 300 loyalen Kämpfern zieht Leonidas, König von Sparta, in den Krieg. Er will sich dem Hunderttausende umfassenden Heer von Perserkönig Xerxes stellen, das in Griechenland eingefallen ist, um den Peloponnes zu unterjochen. Leonidas weiß, dass es sich um ein Himmelfahrtskommando handelt, dennoch hofft er darauf, Xerxes in der Enge der Thermopylen ein Schnippchen schneiden zu können. Erste Auseinandersetzungen kann Sparta für sich entscheiden, doch Verrat und Neid lassen die 300 bald ins Hintertreffen geraten.

Nach "Sin City" erfährt ein weiterer Kultcomic von Frank Miller die Deluxe-Behandlung von Hollywood. Auch Zack Snyders zweite Regiearbeit (nach "Dawn of the Dead") ist exakt der Vorlage nachempfunden: Weitgehend im Computer entstanden, ist die nihilistische Schlachtplatte mit Gerard Butler als Leonidas höchst stilisiert, lässt aber in Sachen unmittelbarer Kampferfahrung (für den Film wurde von den Actionchoreographen eine völlig neue Martial-Arts-Form entwickelt) keine Wünsche offen.

Action/Abenteuer
USA 2007 - 116 Min.; ab 16;
Regie: Zack Snyder;
Darsteller:
Gerard Butler (Leonidas),
Lena Headey (Gorgo),
Dominic West (Theron),
David Wenham (Dilios),
Vincent Regan (Captain),
Michael Fassbender (Stelios),
Tom Wisdom (Astinos),
Andrew Pleavin (Daxos),
Andrew Tiernan (Ephialtes),
Rodrigo Santoro (Xerxes),
Giovani Antonio Cimmino (Pleistarchos).

www.300-derfilm.de (incl. dt. Trailer)

www.imdb.com

Trailer (english)

Grau-schwarz der Himmel, aggressiv aufgestellt die muskulösen Krieger, blitzend die Augen in den Schlitzen der Helme, mächtig die Schilde, auf denen sich das Licht der Götter bricht, ahnungslos der Feind, bevor sich die Kampfmaschine Spartas in Bewegung setzt, um mit dem Blut der Perser Geschichte zu schreiben. Martialisch und nihilistisch, von druckreifer Lakonie durchsetzt ist der Ton in Zach Snyders wuchtigem Actionfresko, das Frank Millers Comic einen Schrein errichtet. Geradlinig erzählt ist der Plot, der aus der Aussichtslosigkeit Hoffnung generiert. Für Realismus interessiert sich "300" nicht, nur für den Mythos, der die Jahrtausende überlebte. Im Hintergrund stehen die Perserkriege, die Versuche des Großreichs, die griechischen Stadtstaaten zu unterwerfen. Im Vordergrund platziert ist die berühmte Schlacht am Engpass der Thermopylen, in der sich ein von 300 Spartanern angeführtes Kleinheer einer riesigen Übermacht von Orientalen in den Weg stellte. Ein Prolog zeigt, wie der junge Leonidas, der spätere König Spartas und Kopf der 300, mit List einen monströsen Wolf erlegt. Ein Epilog deutet an, welche Bedeutung das Blutopfer für das Selbstbewusstsein der antiken Demokratie und die folgenden Siege gegen den Erzfeind hatte. Dazwischen gibt es Skizzen vom harten Leben in der Kriegskultur Sparta, dem sich Kinder, Frauen und Männer unterwerfen müssen. Und von Leonidas Beziehung zu seiner Königin (Lena Headey), die später in Spartas Versammlung um Verstärkung für ihren Mann kämpft, den sie denkwürdig gefasst in seine Bestimmung entließ: "Komm zurück, mit oder auf deinem Schild."

Den Schwerpunkt des Films, der Millers Universum aus Sex, Gewalt, Zynismus und Ehrenkodex in ausdrucksstarke Bilder übersetzt, bilden die Kampfszenen. Halbnackte Spartaner mit glänzenden Körpern schlagen als euphorisierter Männerbund blutige Schneisen ins Heer des Gottkönigs Xerxes, der degenerierte Riesen, seine Leibgarde, eine gesichtslose Masse aus Söldnern, sowie Elefanten und Nashörner in die Schlacht wirft. Leichen türmen sich auf, durchbohrte Körper drapieren entlaubte Bäume, die Phalanx ermüdet das persische Heer, der Formationskeil spaltet es, während Leonidas und seine Männer der Choreografie des Bluts folgen. Alles wirkt stilisiert und erhöht, lebt in seiner eigenen Welt, in der Bewegungen so verfremdet sind wie die Bilder. Wie "Sin City" vor Blue- und Greenscreens gedreht, ist "300" mit voller Absicht artifiziell, ohne dass die Figuren darunter leiden. Pathos und Posing haben hier einmal zu Recht eine Heimat in dieser bisher verblüffendsten und quellentreuesten Comicadaption, die Snyder und seinem Autorität vermittelnden Star Gerard Butler viele Türen öffen dürfte.

"300" ist nichts für zarte Gemüter und kritische Realisten, ist kein Stimmungsmacher für aktuelle US-Kriege, sondern ein antikes Heldengedicht, ist nie Arthur Penn, aber oft John Ford, ist Herodot, übersetzt von Leni Riefenstahl. Und folgt nur einem Ziel, mit dem der Erzähler die Geschichte beschließt: "Erinnert Euch unser." Ein Film fürs Langzeitgedächtnis.