Für Abbitte schnappte sich Stolz und Vorurteil-Regisseur Joe Wright abermals Englands derzeit wohl gefragteste Aktrice Keira Knightley. Die schöne Britin, die mit Kick it Like Beckham ihren Durchbruch feierte und mit den Filmen der Fluch der Karibik-Reihe weltberühmt wurde, darf erneut in einer epischen Liebesgeschichte ihr Können unter Beweis stellen. Abbitte, der in diesem Jahr die Filmfestspiele von Venedig eröffnete, ist einer der gelungensten Vertreter des Gefühlskinos seit langem.
(Atonement)
GB 2007 - 123 Min.; ab 12;
Regie: Joe Wright;
Darsteller:
Keira Knightley, James McAvoy, Romola Garai, Vanessa Redgrave, Patrick Kennedy, Benedict Cumberbatch .

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Abbitte ist die Verfilmung des gleichnamigen, mit Auszeichnungen überhäuften Romans von Ian McEwan und spielt im England der 1930er Jahre. Knightley schlüpft darin in die Rolle der in wohlbehüteten Verhältnissen aufgewachsenen Cecilia Tallis. Zusammen mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester Briony (Saoirse Ronan/Romola Garai), einer passionierten Schriftstellerin, lebt sie in einer prachtvollen Villa auf dem Land. Davon, dass in weiten Teilen Europas der Faschismus auf dem Vormarsch ist, bekommt sie nichts mit. Die Liebe und nicht Politik beschäftigt Cecilia.

So hegt sie heimliche Gefühle für Robbie (James McAvoy), den Sohn des Hausverwalters, mit dem sie schon bald eine leidenschaftliche Affäre beginnt. Briony, die unfreiwillig Zeuge dieser erotischen Liaison wird, entwickelt eine Abneigung gegen Robbie, den sie als Bedrohung für sich und ihre Schwester wahrnimmt. Einer griechischen Tragödie nicht unähnlich führt eine Verkettung unglücklicher Umstände schließlich dazu, dass Robbie wegen einer angeblichen Vergewaltigung zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wird. Vor allem Brionys Zeugenaussage belastet ihn schwer. Obwohl sie den Täter nicht richtig erkennen konnte, ist sie davon überzeugt, dass Robbie ihre Cousine vergewaltigte.

Abbitte – und das ist nichts Verwerfliches – liefert genau das, was man sich von ihm erwarten durfte: Schauspielerische Glanzleistungen und eine große, tragische Liebesgeschichte vor der Kulisse des Weltkriegsgeschehens. Mit seiner zeitlich verschachtelten Struktur, seinem Vor- und Zurückspringen in der Chronologie der Ereignisse, wartet auch die Erzählstruktur immer wieder mit interessanten Brüchen und Lücken auf, die entweder nachträglich gefüllt oder zu Gänze frei gelassen werden. Obwohl Keira Knightley als das Aushängeschild des Films vermarktet wird, ist es doch die Rolle ihrer Schwester Briony, um die McEwans Roman kreist. Wrights Entscheidung, Briony im Alter von 13 bzw. 18 Jahren von zwei unterschiedlichen Schauspielerinnen darstellen zu lassen, irritiert zunächst, ist aber mit dem Entwicklungssprung während der Pubertät logisch zu begründen. Als Zuschauer bekommen wir die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt, was von Wright geschickt über den Einsatz subjektiver Kameraeinstellungen und eines markanten Musikthemas mit Schreibmaschinenklängen betont wird.

Atmosphärisch und strukturell teilt sich der Film in zwei Segmente auf. Das erste spielt im heißen Sommer das Jahres 1935 auf dem luxuriösen Landsitz der Familie Tallis und umfasst die Ereignisse bis zu Robbies Festnahme. Über diesen schwebt das Gefühl einer diffusen, nicht näher greifbaren Bedrohung, was den Plot anfangs in die Nähe eines Psycho-Thrillers mit unverkennbar erotischen Untertönen rückt. Nachdem Robbie in den Krieg gezogen ist und Briony aus Schuldbewusstsein über ihre falschen Anschuldigungen als Krankenschwester arbeitet, fokussiert sich die Erzählung in erster Linie auf Brionys inneren Zweispalt und ihren Versuch, mit dem, was sie zu verantworten hat, zu Recht zu kommen. Beide Hälften funktionieren erstaunlich gut auch als jeweils eigenständiges Erzählfragment, wobei erst in deren Addition Abbitte seine ganze psychologische Raffinesse und emotionale Wucht entfaltet. Genau so fühlt sich großes Gefühlskino an.