|
![]() |
|
||||||||||||||||||||||
|
Brian de Palmas Verfilmung des berühmten Romans von James Ellroy hat mit der Last der Erwartungen und dem unweigerlichen Vergleich mit Curtis Hansons über jeden Zweifel erhabenen L.A. Confidential zu kämpfen. Dass de Palma dieses Duell nicht für sich entscheiden kann, heißt nicht, dass sein Film eine Enttäuschung ist im Gegenteil: Indem er den Geist und die Stimmung der Vorlage konserviert, schafft er ein äußerst packendes Kinoerlebnis.
|
||||||||||||||||||||||||
|
Thriller;
Deutschland/USA 2006 - 121 Min.; ab 16; Regie: Brian De Palma; Darsteller: Josh Hartnett (Bucky Bleichert), Scarlett Johansson (Kay Lake), Aaron Eckhart (Lee Blanchard), Hilary Swank (Madeleine Linscott), Mia Kirshner (Elizabeth Short), Mike Starr (Russ Millard), Fiona Shaw (Ramona Linscott), Patrick Fischler (Ellis Loew), James Otis (Dolph Bleichert), Rose McGowan (Sheryl Saddon). www.blackdahlia-derfilm.de www.imdb.com Trailer (english) |
||||||||||||||||||||||||
|
Am 15. Januar 1947 fanden Passanten auf einem leerstehenden Grundstück die grausam zugerichtete Leiche des Starlets Elizabeth Short: Sie war in zwei Hälften zertrennt, ihre Beine waren mehrfach gebrochen, ihr Mund war zu einem grotesken Lachen bis zu den Ohren aufgeschnitten. Für James Ellroy war der nie aufgeklärte Mordfall der "Schwarzen Dahlie" Ausgangspunkt für einen furiosen fiktiven Krimi, mit dem er 1987 sein viel gerühmtes L.A.-Quartett ("L.A. Confidential" war Teil drei der Reihe) eröffnete: ein lustvoll in die Zeit eintauchendes, wilde Haken schlagendes Kaleidoskop über die verruchten und dekadenten Schattenseiten der Stadt der Engel, festgemacht an der Geschichte zweier Cops, beste Freunde und Rivalen, die, jeder für sich, eine regelrecht pathologische Obsession für Elizabeth Short entwickeln und einen hohen Preis dafür bezahlen müssen. Ein Roman wie eine offene Wunde, episch angelegt und kompromisslos im Stakkato eines Mickey Spillane erzählt. Mehr als zehn Jahre wurde um die Verfilmung gekämpft. Dass sie schließlich mit Brian De Palma als Regisseur realisiert wurde, ist ein Glücksfall. Viele der angerissenen Themen, allen voran Besessenheit, Voyeurismus und sexuelle Abartigkeit, tauchen immer wieder im Werk von Hitchcocks gelehrigsten Schüler auf. Sein Gefühl für die Ära hatte bereits "The Untouchables" zu einem Meisterwerk gemacht. Kein Wunder also, dass De Palma, unterstützt von seinem Kameramann Vilmos Zsigmond, mit dem er seit "Fegefeuer der Eitelkeiten" nicht mehr gearbeitet hat, auf der Höhe seiner Kunst agiert: Einzelne Plansequenzen sind an Suspense und technischer Virtuosität kaum zu überbieten: Vor allem eine Kranfahrt, die einem Flüchtenden bei einer Schießerei aus einem Haus folgt und wie zufällig einen beiläufigen ersten Blick auf die Leiche der schwarzen Dahlie auf dem dahinter liegenden Grundstück gestattet, um wieder zur Schießerei zurückzukehren, gehört zum Besten, was De Palma jemals gemacht hat. Überhaupt kann er sich bei seinem fast komplett in Bulgarien gedrehten Film auf Topleistungen der künstlerischen Abteilungen verlassen: Wie in "Chinatown" schimmern die Dekors in einem beinahe unechten Glanz, als würde man die Verdorbenheit der gezeigten Welt allein an der Textur erkennen. In diesem fast artifiziellen Ambiente bewegen sich die beiden von Josh Hartnett und Aaron Eckhart gespielten Cops Bleichert und Blanchard, die sich bei einem Boxkampf anfreunden und schließlich zwischen der blonden Madonna Scarlett Johansson und der dunklen Hure Hilary Swank oszillieren und in einem Flammenball aus Korruption, Betrug und Dekadenz unterzugehen drohen. Das ist sattes, großes Kino mit der Pracht einer Oper - auch wenn das Drehbuch nicht immer mithalten kann mit der Wucht der Inszenierung und damit sich die Emotion der Geschichte nicht immer mit der gewünschten Effizienz entfaltet. Sämtliche Beteiligte können dennoch stolz sein: Ihre "schwarze Dahlie" erblüht mit morbidem Glamour. |
||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||