Fantasy/Komödie/Action;
(Charlie and the Chocolate Factory)
GB/USA 2005 - 106 Min.; ab 6;
Regie: Tim Burton;
Buchvorlage: Roald Dahl;
Darsteller:
Johnny Depp (Willy Wonka),
Freddie Highmore (Charlie Bucket),
David Kelly (Grandpa Joe),
Helena Bonham Carter (Mrs. Bucket),
Noah Taylor (Mr. Bucket),
James Fox (Mr. Salt),
Missi Pyle (Mrs. Beauregard),
Christopher Lee (Dr. Wonka),
Annasophia Robb (Violet Beauregarde).

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Die Wahrheit über Charlie ist, dass sie bei Depp im Unterschied zu Demme nur mit Vergnügen zu tun hat. Der Top-Akteur überzeugt auch in seinem vierten Film für Tim Burton mit einer originellen Rolleninterpretation, ist einer der Schlüsselreize in einem fantasievollen, liebevoll visualisierten Märchen, das sich frech, aber nie Grimm-ig als Qualitätsunterhaltung für mehrere Generationen präsentiert.
34 Jahre nachdem Willy Wonkas Süßigkeitenparadies für Mel Stuarts Musical in den Bavaria Studios erstmals seine Pforten öffnete, erhält es nun mit künstlerischem Großkaliber vor und hinter der Kamera die verdiente Luxus-Behandlung. Trotz des opulenten Budgets präsentiert sich die Roald Dahl-Verfilmung nicht als seelenlose Unterhaltungsmaschine, sondern als intelligentes moralisches Märchen mit Herz und Witz. Der Humor umfasst als Ergänzung der Vorlage amüsante cineastische Vignetten mit Verweisen auf "Psycho", "Das Appartement" "2001 - Odyssee im Weltraum", Esther-Williams und Busby Berkeley-Musicals und ist immer Dahl-kompatibel. Typisch Burton-esk ist, dass die von Drehbuchautor John August hinzugefügte Figur von Wonkas Vater, ein berühmter Zahnarzt, ausgerechnet von Christopher Lee verkörpert wird, den man schon filmografisch mit Quälen verbindet. Vergleichbar subversiv sind die Parallelen zu einem weltberühmten Kinderfreund mit eigenem Wunderland - von Wonkas maskenhaftem Gesicht bis zum Handschuh-Fetisch. Depp legt die Figur als kindlich-kindische, von Erwachsenen verratene Seele mit subtil-sadistischen, unberechenbaren Zügen an.
Im Outfit ein Besetzungsrelikt aus "Velvet Goldmine" (mit Elton John-Affinität) ist Wonka ein exzentrischer Einsiedler, der nach Totalrückzug aus der Öffentlichkeit fünf Kindern mit erwachsener Begleitung die Chance gibt, seine Fabrik zu besichtigen. Vier Kids sind kleine egozentrische Monster. Charlie aber, der aus einer verarmten, aber glücklichen Familie kommt, repräsentiert unverdorben und uneigennützig ein Ideal, das auch die Distanz Wonkas überwinden kann. Während Rückblicke Wonkas Kindheit und Ruhm als Schokoladenfabrikant erklären, ist die Tour durch sein magisches Reich das Herzstück des Films. Hier fließt Schokolade in Wasserfällen, ist die ganze Flora und auch ihr Besitzer essbar - aber das wäre Kannibalismus, sagt Wonka. Hier werden Kühe gepeitscht, um Schlagsahne zu produzieren, knacken dressierte Eichhörnchen Nüsse im Akkord - einer der Höhepunkte des Films.
Vier Kinder werden für ihren Charakter bestraft und verschwinden, bis nur noch Charlie und sein Großvater, gespielt von David Kelly -bekannt aus ‘Lang lebe Ned Devine’, Wonka begleiten. Bei jeder dieser Entsorgungsmaßnahmen haben Wonkas winzige Helfer, die Umpa Lumpas, absurd-komische musikalische Auftritte. Alle haben sie das Gesicht vom kleinwüchsigen Schauspielveteranen Deep Roy, der hier die Rolle seines Lebens gefunden hat.
In diesen Sequenzen, wie auch im gesamten Film, sind traditionelle (Puppen, Modelle, Perpektive) mit digitalen Effekten harmonisch verschmolzen. Bis zum Ende überrascht der Film mit visuellen Einfällen. Wonkas Auszug in die Welt entpuppt sich als Gang durch ein Flaggenmuseum, der schwarze Monolith aus "2001" als große Tafel Schokolade, die per Teleporter den Weg zu den Affen fand. Mit Werteverfall, Kinderpädagogik, Generationendialog und Industrialisierung werden eine Vielzahl von Themen angesprochen, dabei sind Unberührbarkeit und Künstlichkeit erkennbare Leitmotive. Verstörend artifiziell wirkt nicht nur Wonkas Welt und Gesicht, sondern etwa auch der deutsche Junge Augustus - als wäre er im Computer gezeugt worden. Auch wenn solche Aspekte meist nur erwachsenen Zuschauern zugänglich sein werden, ist "Charlie und die Schokoladenfabrik" vor allem ein märchenhaftes Angebot für die Kinder. Sie werden diesen Film lieben, sofern sie nicht zu jung (unter sechs) oder den Kids im Film zu ähnlich sind.