In seiner fünften Kinoarbeit setzt Trash-Connaisseur Quentin Tarantino auf den grindigen Charme des Seventies-Schundfilms. - Herausragend.
tip berlin
Nach Schundfiktionen, Hongkong-Martial-Arts und Blaxploitation jagt Quentin Tarantino jetzt den räudigen 70er-Jahre-Trash durch seine postmoderne Recyclingmaschine. Im Car-Crash-Thriller „Death Proof“, der in den USA zunächst als Teil des „Grindhouse“-Doppelprogramms mit Robert Rodriguez’ Zombiehorror „Planet Terror“ lief, verfolgt Kurt Russell mit seinem Stuntauto und tödlichen Absichten eine Reihe junger, sexy Frauen. Das Resultat ist dabei ein ziemlich guter, schlechter Film ohne viel Inhalt, aber mit Girlpower, blutigen Verfolgungsjagden, sehr langen Lässigdialogen und dieser 70er-Jahre-Coolness, wie sie so wohl nur Tarantino inszenieren kann.
Action/Grindhouse
(Grindhouse - Death Proof)
USA 2007;
113 Min.; ab 18;
Regie: Quentin Tarantino;
Darsteller:
Kurt Russell, Sydney Tamiia Poitier, Vanessa Ferlito, Jordan Ladd, Rosario Dawson, Tracie Thoms, Zoë Bell, Mary Elizabeth Winstead.

www.deathproof.senator.de (incl. dt. Trailer)

www.grindhousemovie.net

www.imdb.com

Der hyperaktive Filmbesessene Quentin Tarantino hat sich wohl schon durch alle Untiefen der B- bis Z-Film-Geschichte gewühlt und daraus bislang auch seine eigenen Filme in postmoderner Zitierfreudigkeit zusammengebaut: von seinem blutigen Gangsterkammerspieldebüt „Reservoir Dogs“ bis zum Martial-Arts-Spaghetti-Western-Racheopus „Kill Bill“. Mit seinem aktuellen Projekt „Death Proof“ ist er jetzt beim sogenannten „Grindhouse“ angekommen, dem räudigen, völlig hirnlosen, aber spaßigen 70er-Jahre-Trash, der in den USA damals in wohl noch räudigeren Kinos gezeigt wurde. Auch wenn „Death Proof“ im Hier und Jetzt spielt, hat ihn Tarantino visuell auf Siebzigerjahre gestylt und so getrimmt, dass man glaubt, eine alte Filmkopie zu sehen: Es gibt Kratzer, Risse, ja einmal springt er von den ausgewaschenen Farben auf schwarzweiß und irgendwann auch wieder zurück.
Der Car-Crash-Thriller fährt dabei all das auf, was man vom Genre erwartet: Schnelle Autos, Verfolgungsjagden, einen Bösewicht, etwas explizite Gewalt und viele heiße, langhaarige Frauen (u.a. Rosario Dawson). Wie zu erwarten, sind die bei Tarantino aber ziemlich tough, können zulangen, quatschen zwischendurch ziemlich lange, aber auch sehr lässig über alles mögliche und tragen enge T-Shirts, auf denen auch mal „Badass Cinema“ steht. Der gesichtsnarbige Serienkiller Kurt „Stuntman Mike“ Russell hat es allerdings auf diese Mädchengangs abgesehen. Auf dem Highway will er sie mit seinem Stuntwagen, der bei Unfällen nur auf der Fahrerseite todessicher ist, ins Jenseits crashen.

In den USA lief Tarantinos Auto-Thriller bereits in einem „Grindhouse“-Doublefeature zusammen mit Robert Rodriguez’ Zombiehorror „Planet Terror“. Weil das aber floppte, kommen beide Filme jetzt noch mal einzeln und eigenständig ins Kino, wofür Tarantino „Death Proof“ um fast 20 Minuten verlängert hat. Unter anderem opferte er dafür einen guten Gag, indem er auch einen aufreizenden Lap-Dance mit reingeschnitten hat, der in der amerikanischen Version bisher nur als „missing reel“, also als vermisste Filmrolle, existierte.

Auch wenn „Death Proof“ dadurch in seinem unaufhörlichen Dialogfluss seiner lässigen Chit-Chat-Szenen noch etwas geschwätziger wurde, ist der Abstecher ins Schundkino tatsächlich eine lustige Angelegenheit – nicht nur, wenn zum Finale die Knackarschphalanx der „Girls“ zum Vermöbeln auf den armselig wimmernden Russell zuwackelt. Fußfetischismus und durchschlagende Girlpower sind schließlich nirgendwo so 70ies-cool wie bei Tarantino. Das alles ist natürlich völlig inhaltsleer – muss es aber eigentlich auch sein. Für einen schlechten Film ist „Death Proof“ dann auch tatsächlich recht gut geworden.