Basierend auf dem Bestseller von Khaled Hosseini inszeniert Marc Forster einen erstaunlichen Film. Mit großer Zurückhaltung und Einfühlungsvermögen erzählt er die Geschichte von zwei Freunden, die im Kabul der späten 70er Jahre aufwachsen. Ihre Lebenswege werden durch Krieg, Diskriminierung, vor allem aber Angst vor der eigenen Courage in Richtungen gelenkt, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. So wurde „Drachenläufer“ ein großer, bewegender Film über Schuld und Sühne, Vertrauen und Entfremdung, Mut und Zivilcourage. Ein Film über die Schatten der Vergangenheit, die Schrecken der Gegenwart und die Hoffnung der Zukunft. Ein überragender Film, der idealtypisch anhand einer persönlichen Geschichte große Politik erzählt.
(The Kite Runner);
Prädikat: besonders wertvoll;
Drama;
USA 2007 - 128 Min.; ab 12;
Regie: Marc Forster;
Darsteller:
Khalid Abdalla (Amir), Homayon Ershadi (Baba),
Shaun Toub (Rahim Khan), Saïd Taghmaoui (Farid),
Atossa Leoni (Soraya).

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Die Bücher von Khaled Hosseini haben einer Weltgemeinde von Lesern Afghanistan nähergebracht, indem sie der Tragödie des Landes menschliche Gesichter und Schicksale gaben - und genau diese Wirkung hat auch diese kongeniale Adaption seines internationalen Bestsellers.

Der Regisseur Mark Foster konzentriert sich hier ganz auf die Stärke der Geschichte, die sich episch über Jahrzehnte und Kontinente ausbreitet, und dabei unterläuft ihm kein falscher Ton. Geschickt betont er mit den fliegenden Drachen, die später von den Taliban verboten werden, die zentrale Metapher der Erzählung, und so gelingen ihm ein paar schwerelos wirkende Flugsequenzen, die zugleich sinnlich wirken und den Freiheitsdrang der Menschen symbolisieren.

Auch sonst hat der Regisseur viele starke Bilder gefunden, die den Film nie wie eine Literaturverfilmung wirken lassen, und schon in den ersten Minuten bringt er den Zuschauern die beiden kindlichen Protagonisten so nahe, dass der Film durch sie eine große emotionelle Kraft erlangt, deren Wucht die große Schwungkraft möglich macht, mit der hier von verschiedenen Zeiten, Schicksalen und Stimmungen erzählt wird.

Bei Sequenzen wie der Vergewaltigung von Hassan oder der Steinigung im Fußballstadion schafft Foster das Kunststück, den Horror spürbar zu machen, ohne dabei je eine voyeuristische Position einzunehmen. Und es gelingt ihm auch, solche komplizierten Gefühle wie jene von Amir, der seine Scham darüber, dass er Hassan bei der Vergewaltigung nicht beigestanden hat, in Aggression gegen diesen verwandelt, intensiv spürbar zu machen. Als Buße dafür bekommt dann dessen Rückkehr nach Afghanistan eine große emotionelle Kraft. Das Persönliche ist hier so organisch mit dem Politischen verknüpft, dass Amir und Hassan zwar zum einen als komplexe, glaubwürdige und liebenswerte Charaktere auf der Leinwand lebendig werden, sie aber gleichzeitig auch für das Leid von ganz Afghanistan einstehen.

Ausstattung, Kamera und die Leistungen der weithin unbekannten Darsteller sind auf höchstem Niveau - offenbar wurden alle an diesem Film Beteiligten durch die Wahrhaftigkeit der Geschichte inspiriert.