Was bleibt einem Menschen, wenn ihm jede sinnstiftende Aufgabe genommen wird? Um diese Frage kreist Bernd Böhlichs heiter-melancholische Tragikomödie Du bist nicht allein. Mit einem erstklassigen Ensemble (u.a. Axel Prahl und Katharina Thalbach) erzählt er im Osten Berlins von der Sehnsucht nach einem Neuanfang, nach Nähe und einem bescheidenden Glück. Dabei balanciert er seine Geschichte gekonnt zwischen unbeschwerter Situationskomik und ruhigeren Intermezzi aus. Vor allem der Verzicht auf simple Agitationsparolen erweist sich als große Qualität dieser sehr genauen Zustandsbeschreibung eines wichtigen Ausschnitts deutscher Gegenwart.
Drama;
D 2007 - 90 Min.; ab 6;
Regie: Bernd Böhlich;
Darsteller:
Axel Prahl, Katharina Thalbach, Katerina Medvedeva, Karoline Eichhorn, Herbert Knaup, Jürgen Holtz, Mathieu Carrière, Dominique Horwitz, Victor Choulman.

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Berlin, Plattenbau, 8. Stockwerk. Hier wohnen die Molls. Franz Moll ist Malermeister, aber arbeitslos. Frau Moll war Fleischverkäuferin und hat jetzt bei einem Wachdienst einen neuen Arbeitsplatz ergattert.

Nebenan zieht Jewgenia ein, eine attraktive Russin. Franz Moll hilft dabei, doch nicht nur das: Er verliebt sich in Jewgenia, schenkt ihr eine Waschmaschine – und einen Gummibaum. Seine Gefühle bleiben leider unerwidert, obwohl es bei Jewgenias Houseworming-Party einen – fast – intimen Tanzabend gab. Allerdings ist nun das Verhältnis zu seiner fürsorglichen Frau beschädigt. Franz wird wohl anderswo einen neuen Anfang machen müssen.

Molls Frau ist enttäuscht und traurig. Ihren Job nimmt sie sehr ernst. Aber einen treuen Ehemann hat sie vorerst nicht mehr.

Die in der Nähe wohnende Sylvia Wellinek hat sich von ihrem Mann Kurt trennen müssen, weil er zu sehr dem Alkohol zusprach. Sie ist Schauspielerin, kann aber im Augenblick nur synchronisieren: Froschstimmen und Pornolaute. Kurt Wellinek schien sogar eine Zeitlang Franz Molls Konkurrent um die Gunst von Jewgenia zu sein. Aber nur einen kurzen Moment. Mit Sylvia und Kurt könnte es, anders als bei den Molls, noch einmal etwas werden.

Eine Berliner Stadtviertelgeschichte, wunderbar dem Leben abgeschaut. Sie ist alltäglich, menschlich normal und verständlich, komisch, aber auch melancholisch. Den Namen Bernd Böhlich, der sowohl das Drehbuch schrieb als auch Regie führte, wird man sich merken können. Sein Film ist ein guter Markstein in der derzeit qualitativ aufstrebenden Tendenz des deutschen Films. Es ist ein wenig der Andreas-Dresen-Stil, was hier keineswegs abwertend, sondern eher als Kompliment gemeint ist. Einen Festival-Preis hat der Streifen bereits gewonnen.

Kein Wunder, denn Katharina Thalbach ist als Frau Moll dabei. Sie spielt wie immer herzerweichend. Axel Prahl (Franz Moll) ist ihr ebenbürtiger Partner. Nicht zu vergessen die ebenfalls gut agierenden Katarina Medvedeva als Jewgenia, Herbert Knaup als Kurt Wellinek und Karoline Eichhorn als Sylvia Wellinek.

Eine mit vielen Gefühls- und Lebensfacetten versehene, auffallend gut inszenierte Alltagsgeschichte.