Drama;
Norwegen/D/USA 2005 - 93 Min.; ab 12;
Regie: Bent Hamer;
Darsteller:
Matt Dillon, Lili Taylor, Marisa Tomei, Fisher Stevens, Adriene Shelly, Didier Flamand, Karen Young.

www.factotum-film.de

www.iconmovies.co.uk/factotum

www.imdb.com

Trailer (deutsch)

Trailer (english)
Kneipen, Sex und Arbeitsämter: Matt Dillon säuft und hurt sich als verkanntes Schriftsteller-Genie durchs Leben. Gelungene Adaption eines Romans von Charles Bukowski.
Henry Chinaski als das Alter Ego des Schriftstellers Charles Bukowski ist jemand, der es bei keinem Job lange aushält und bei Weibern sowieso nicht. Mal lässt er als Eisauslieferer die Fracht schnell schmelzen, mal kümmert er sich als kurzfristig angeheuerter Tagelöhner nicht um das Rauchverbot. Manchmal schmeisst er die Brocken hin, weil zuviel Arbeit der Potenz und dem ausschweifenden Sexleben schadet.
Chinaski träumt von einem Leben als Schriftsteller und steckt es weg, dass die Verlage seine Kurzgeschichten nicht veröffentlichen. Und wenn er zufällig durch Wetten zu Geld kommt, bringt er es gerne mit schönen und trinkfesten Frauen am Tresen durch, eine der Barbekanntschaften zieht sogar bei ihm ein - allerdings nur bis zum großen Krach, dann folgt die nächste Eroberung.
Nach Barbet Schroeders Bukowski-Porträt "Barfly" aus dem Jahre 1987 wagt sich Bent Hamer, der schon mit "Kitchen Stories" eine Kostprobe lakonischen Humors gab, an eine andere Perspektive. Nicht nur die Hauptfigur steht auf der Kippe, auch ein Teil der US-Gesellschaft. Der Norweger begleitet seinen Helden ohne Fortune bei allen Tiefschlägen. Ein Typ, der lieber säuft, hurt und wettet, statt als Bürohengst einer ehrlichen Arbeit nachzugehen - mittags das erste Bier, abends ein Whiskey nach dem anderen, morgens das große Kotzen.
Hamer gibt Gelegenheit, in Bukowskis Reich einzutauchen, die schummrigen Kneipen, Pferderennen, sexuelle Obsession, Arbeitsämter und ständige Arbeitssuche. Denn der "poète maudit" musste seine Exzesse auch finanzieren, was bei aller Sympathie oft vergessen wurde. Der Film, ein Drama über menschliches und künstlerisches Scheitern, basiert auf Bukowskis gleichnamigem Roman und entführt in eine Welt voller Desillusion. Momente des Glücks und der Aufmunterung findet das verkannte Genie nur beim Schreiben, da geht es nicht um Ehre, Ruhm oder Geld, sondern um literarische Selbstverwirklichung. Eine heute romantisch verklärte Sicht aus einer anderen Zeit. Wahrhaftig wirkt die Charakterstudie nicht zuletzt wegen der überzeugenden Darstellung von Matt Dillon und seiner bissigen und fast literarischen Kommentare aus dem Off. Melancholie, Lebenshunger, Schweigsamkeit. Ein Trip auf dem Rasiermesser.