Klug und einfühlsam schildert „Die Farbe der Milch“ die Wirren zwischen dem Ende der Kindheit und dem Beginn der Jugend. Die zwölfjährige Selma befindet sich in diesem Niemandsland und weiß nicht so recht, wohin die Reise gehen soll... Einen Familienfilm nennt die norwegische Autorin und Regisseurin Torun Lian ihr vielfach ausgezeichnetes Werk. Das ist eine zutreffende Bezeichnung, da man es hier nicht mit einer lauten Teenie-Komödie zu tun hat. Zum Älterwerden, das lehrt dieser intelligente Film und das lernt die kleine Selma, sind eben auch Erwachsene nötig.

Die stimmungsreiche, mal amüsante, mal leicht melancholische, nie aber verniedlichende Adaption eines Kinderbuchs, die sich offensiv und unverblümt dem kindlichen Umgang mit Gefühlen und essenziellen Themen wie Liebe, Sexualität und Tod widmet. - Sehenswert ab 10.
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Der zweite Spielfilm von Regisseurin und Drehbuchautorin Torun Lina kreist um Freuden und Leiden der Pubertät und erste Liebe. In wunderschön fotografierten norwegischen Sommerlandschaften spielt sich eine vor allem von Julia Krohn hinreißend gespielte Jugendgeschichte ab, die auch Erwachsene berührt.
Blickpunkt:Film

Kinderfilm;
Norwegen 2004 - 90 Min.; ab 0;
Regie: Torun Lian;
Darsteller:
Julia Krohn, Bernhard Naglestad, Andrine Saeter, Reidar Sørensen, Ane Dahl Torp, Kim Sørensen, Gustaf Skarsgård, Tobias Bøksle.


www.die-farbe-der-milch.de (incl. dt. Trailer)

www.imdb.com

In diesem norwegisch-schwedischen Familienfilm geht es um eine eingeschränkte, aber wichtige Welt. Im Mittelpunkt steht die kleine Selma. Sie ist zwölf Jahre alt, also in einem Alter, in dem das Bewusstsein schärfer wird, in dem die Pubertät beginnt, in dem Körper und Seele ihr Gleichgewicht finden müssen, in dem man langsam anfängt zu begreifen, dass es die Liebe zwischen Mann und Frau gibt.

Die Erwachsenen geben Selma allerdings kein besonders gutes Beispiel von dem, was man Liebe nennt. Deshalb schottet sie sich davon ab. Sie will lieber Wissenschaftlerin, besser noch: Nobelpreisträgerin werden. Sie philosophiert über Chromosomen, über den Urknall, über Extraterrestrisches, über Geburt und Tod, über die „Farbe der Milch“, die innen schwarz ist, weil kein Licht hineindringt.

Immer mehr wehrt sie sich gegen jede Körperlichkeit, hält sich für die Liebe für nicht geschaffen, findet, dass sie die Hölle sei, will sich in dieser Beziehung strikt „unter Kontrolle“ halten, behauptet, dass sie noch nie verliebt gewesen sei, zerkracht sich darüber sogar mit ihren „normaleren“ Freundinnen.

Es gibt natürlich auch einen Jungen, den Andy. Der möchte mit Selma zusammen sein, sie „lieben“. Aber er beißt auf Granit. Viele Male. Es gibt keine andere Möglichkeit, als seine Bemühungen aufzugeben.

Bis Selma soweit ist. Langsam dämmert es ihr. Sie ist verwirrt, weint, begreift. Sie wird Andy lieben. Denn, sagt sie, die Liebe ist „die größte Naturkatastrophe, aber auch die beste und wichtigste“.

Ein kleiner Film, der jedoch die pubertäre Welt der Selma treffend, mit Gefühl, sorgfältig und viel Wirklichkeitsnähe einfängt. Suche, Unsicherheit, Spiel, Glück, alles ist da. Sie redet zwar einerseits viel zu altklug daher, diese Selma, aber sie spielt andererseits ihre Rolle auf bezaubernde Weise. Die übrigen Figuren – außer Andy natürlich – sind mehr oder weniger Staffage. Aufnahmen gibt es einige schöne, und auch sonst ist alles gut abgewickelt.

Der Film ist wegen seiner psychologischen Feinfühligkeit diesem jungen Mädchen gegenüber als Kinder- und Familienfilm durchaus auch für Filmkunsttheater und Programmkinos geeignet. Und die Darstellerin der Selma ist wirklich ein Volltreffer.