Mit großartigem Dekor, ausdrucksstarken Darstellern und ausgefeiltester Tricktechnik hat er hier insofern etwas beinahe Unmögliches geschaffen, sofern sich der Zuschauer auf diese Bilder auch einlässt. Denn diese außerordentliche künstlerische Komposition, passend untermalt durch die klassische Musik des „Kronos Quartetts“, wird wohl nur dann den Betrachter positiv erreichen können, wenn er sich durch dessen Bilder samt gradliniger esoterischer Botschaft nicht überfordert fühlt. Was wiederum ein hohes Maß an Offenheit und grundsätzlicher Bereitschaft des Einlassens und Zeithabens beim Zuschauen voraussetzt.

Prädikat: Besonders wertvoll

FBW-Gutachten: The Fountain ist ganz großes Kino!

Science Fiction;
USA 2006 - 97 Min.; ab 16;
Regie: Darren Aronofsky;
Darsteller:
Hugh Jackman, Rachel Weisz, Alexander Bisping, Ellen Burstyn, Sean Gullette, Sean Patrick Thomas, Donna Murphy, Mark Margoli.


www.thefountain.de (incl. dt. Trailer)

www.imdb.com

Trailer (english)

Eine Fantasy-Romanze in gewaltigen Bildern. Drei virtuos verwobene Handlungsebenen. Hugh Jackman als drei verschiedene Inkarnationen eines Helden im Wettlauf gegen die Zeit.
16. Jahrhundert: In Spanien wütet die Inquisition. Königin Isabel schickt ihren treu ergebenen Ritter Tomas auf eine lebensgefährliche Expedition: „Finde den Garten Eden, und ich werde deine Eva sein.“ Im Dschungel Südamerikas stößt Tomas auf ein Maya-Heiligtum, das den Baum des Lebens birgt ...

2006 forscht der Wissenschaftler Tom wie besessen nach einem Heilmittel für seine todkranke Frau Izzi.

Sie schenkt ihm ein Buch mit dem Titel „The Fountain“, dessen letztes Kapitel noch geschrieben werden muss ...

26. Jahrhundert: Ein sonderbarer Astronaut treibt in seiner Raumkapsel durchs All. Er muss den goldenen Stern erreichen, um mit dessen Energie den verdorrten Baum des Lebens zu speisen. Bilder aus einer fernen Vergangenheit steigen vor ihm auf. Und immer wieder fordert eine Frauenstimme: „Beende es!“

Der Kopf hinter diesem mystischen Trip durch Zeit und Raum heißt Darren Aronofsky. 2000 legte der New Yorker mit „Requiem for a Dream“ den ultimativen (Anti-)Drogenfilm vor – ein visualisierter Albtraum. Prompt wurde er als Visionär gefeiert, viele verglichen ihn mit Stanley Kubrick. Dennoch sollte es sechs Jahre dauern, bis das Regie-Wunder seinen nächsten Film realisieren konnte.

Warner bot ihm an, „Batman: Year One“ von Kultzeichner Frank Miller zu verfilmen. Das Vorhaben scheiterte, weil Aronofsky nicht davon abzubringen war, Miller in die Umsetzung einzubinden. (Robert Rodriguez hatte 2005 mit Millers „Sin City“ mehr Glück.) Auch Aronofskys Herzblut-Projekt „The Fountain“ schien zum Scheitern verurteilt. Erst sprang Star Brad Pitt ab, dann Cate Blanchett. Die Finanzierung bröckelte. Aber die Idee ließ Aronofsky nicht los. Also besann er sich auf sein Talent zur Mäßigung: „Ich bin ein Independent-Regisseur. Wenn ich eines weiß, dann, wie man ökonomisch arbeitet.“ Er schrieb eine Unplugged-Version seines Drehbuchs, das Budget wurde von 70 auf 30 Millionen Dollar verschlankt.

Das Ergebnis ist atemberaubend: ein surrealer Genre-Grenzgänger, ein Wunderwerk in Sonnengold und gleißendem Weiß, als würde der Himmel seine Pforten öffnen. Die spektakuläre Optik verdankt Aronofsky seiner Abneigung gegen Computereffekte. Er wollte „etwas Organisches“. So entstanden die Sternennebel, durch die Jackmans Raumschiff treibt, aus Fotos chemischer Substanzen.

Man kann sich an Aronofskys Bildern berauschen. Seine größte Leistung ist jedoch, dass er Schauwerte mit Inhalt füllt. Ein „metaphysischer post-‚Matrix‘-Sci-Fi-Film“ schwebte ihm vor. Aber keine Bange: „The Fountain“ ist nicht verkopft. Dazu ist er zu sinnlich – und romantisch durch und durch. Ist die Seele unsterblich? Kann eine Liebe ewig währen? „The Fountain“ gibt darauf eine wundervolle Antwort.