Sascha Koebner (Filmdienst) hat's gefallen: "Full Metal Village ist ein erfrischender, über weite Strecken sehr witziger Dokumentarfilm, der innerhalb des letzten Jahres reihenweise Preise einheimste, unter anderem den 28. Max Ophüls Preis – als erster Dokumentarfilm überhaupt. Die vergnüglichen Exkurse in die Landwirtschaft, der große Charme, den Sung-Hyung Cho im Umgang mit ihren Interviewpartnern beweist, und die Vielzahl an spannenden Personen ergänzen sich zu einem leicht konsumierbaren Film, dessen Festivalerfolg sich vielleicht mit der Harmlosigkeit des Themas begründen lässt; zu neuen Weltanschauungen wird der Zuschauer nicht gelangen."

Heike Kühn (Frankfurter Rundschau) hat einen "so komischen wie abgründigen Film" gesehen, der "den Gestus des immer ein wenig erstaunt durch die Welt gehenden Wahrnehmungsgenies Buster Keaton" aufnehme.

So macht Kino Spaß!
ZDF Heute-Journal

Eine rundum gelungene, urkomische, toll beobachtete Studie über zwei Welten, die nicht im Geringsten zusammenpassen - und gerade deshalb füreinander gemacht zu sein scheinen.
Cinema

...hat das Zeug zur Dokumentation des Jahres.
Blickpunkt:Film

Ausgezeichnet mit:

Max-Ophüls-Preis 2007 als Bester Film
Hessischer Filmpreis 2006
Schleswig-Holstein Filmpreis 2006

Einmal im Jahr wird das kleine Dorf Wacken zum Mekka der internationalen Metal-Gemeinde. Sung-Hyung Cho, gebürtige Koreanerin aus Hessen, hat mit dem unvoreingenommenen Blick eines Fremden das seltsame Zusammentreffen von Dorfbevölkerung und Heavy-Metal-Horden mit der Kamera eingefangen. Dabei ist der Fokus auf die Dorfbewohner gerichtet, denen sie mit ihrer ruhigen, respektvollen Annäherung wunderbare Momente entlockt. Entwaffnend komisch und verblüffend treffend in der Zustandsbeschreibung ländlichen Lebens, gelingen ihr unterhaltsame Einblicke auf deutsche Landen. Ihre charmante Dokumentation sorgte so schon auf zahlreichen Festivals von Berlin bis Saarbrücken für gutgelaunte Säle. Da macht nicht nur Landwirtschaft Spaß, sondern auch das Kinogucken!
Dokumentation
Deutschland 2007 - 90 Min.; ab 0;
Regie: Sung-Hyung Cho;
Darsteller: (Mitwirkende) Uwe Trede, Lore Trede, Klaus H. Plähn, Norbert Venohr, Birte Venohr.

Homepage (incl. Trailer)

www.wacken.com

www.imdb.com

Manche Dinge werden erst dann richtig komisch, wenn man sie ernst nimmt. Sung-Hyung Cho, Filmemacherin aus der Nähe von Frankfurt, sieht ihren Heimatfilm über die kleine Gemeinde Wacken in Schleswig-Holstein in erster Linie als seriöse Studie. Ein Bild aus der Zeitung hatte sie auf das Dorf aufmerksam gemacht. Auf der Aufnahme waren vier junge Männer mit nackten, tätowierten Oberkörpern und voller Metal-Montur zu sehen, die im kleinen Dorfladen von einer braven Kassiererin bedient werden. Das Bild stammt vom jährlichen Open-Air-Festival in Wacken. Dann wird die 1800 Seelen-Gemeinde zum weltweiten Mekka aller Metal-Fans. Mehr als 40.000 Gäste pilgern jedes Jahr nach Wacken und verwandeln die beschauliche Bauernidylle in ein riesiges Heerlager des Heavy Metals.

Doch die Koreanerin richtet ihren Focus nicht auf die Musik-Touristen, sondern bleibt mit ihrer Kamera lieber bei den Bauersleuten. Statt sich vorgefertigte Meinungen bestätigen zu lassen, blickt die gebürtige Koreanerin dabei ohne Scheuklappen auf die Dorfbewohner und überlässt ihnen das Reden. Das Rezept klappt vorzüglich, denn die angeblich kühlen und verschlossenen Norddeutschen werden vor der Kamera richtig redselig.

Da plaudert der geschäftstüchtige Bauer Trede treuherzig seine Geschäfts- und Lebensphilosophie aus („Der Ehemann braucht ab 65 jüngere Freundinnen“), während sich Bauer Plähn vom Nachbarhof betont gelassen gibt und lieber der Katze beim Milchräubern zuschaut. Bauer Trede verdient gut an dem jährlichen Ansturm im August. Er hat seine abgeernteten Felder ans Festival vermietet und ist gleichzeitig für die Organisation des örtlichen Ordnungsdienstes verantwortlich. Andere, wie der arbeitslose Maurer Norbert Venohr, schauen das etwas melancholischer auf die Massen. Venohr hatte das Festival vor 17 Jahren mitgegründet und war ausgestiegen, bevor die Sache richtig lukrativ wurde. Die sechszehnjährige Kathrin wiederum fiebert mit ihrer Freundin schon Wochen vorher dem Festival entgegen. Dann können sich die Mädchen endlich mal gehen lassen, ohne von den wachsamen Dorfbewohnern gemaßregelt zu werden. Ihre streng religiöse Oma Irma sucht wie der Dorfpfarrer während der tollen Tage lieber das Weite.

Ansonsten zeigt sich die Bevölkerung aber in der Stunde der Wahrheit überraschend souverän und aufgeschlossen. Mit Klappstühlen sitzt man im Vorgarten und schaut dem illustren Treiben zu. Da zeigt schon mal der Opa den ankommenden Festivalbesucher geübt mit den Fingern den Metal-Gruß und statt der Dorffahne weht überall der Wimpel mit dm legendären Wacken-Schädel. „Wacken Rules!“, und ganz Wacken ist mächtig stolz auf sein berühmtes Festival.

Während aber das eigentliche Musikgeschehen und die Macher am Rande oder ganz außen vor bleiben, gewinnt der Film der Konfrontation zwischen landwirtschaftlichen Dorfleben und lärmenden Heavy- Metal-Fans reizvolle Momentaufnahmen ab. Nicht nur was, sondern wie die Filmemacherin in ruhigen, pointierten Bildern die Geschehnisse zeigt, reizt immer wieder zu Lachen. Dass die örtliche Blaskapelle gestandene Metal-Fans zu Polonaisen und Schunkeln animiert, gehört da schon zum ganz normalen Wacken-Wahnsinn.