GONE BABY GONE
Dieser Ben Affleck. Sträflich unterschätzt. Man kennt ihn als Action-Strahlemann und Ex von J.Lo. Dass seine Karriere mit einem Drehbuch-Oscar für „Good Will Hunting“ begann, gerät oft in Vergessenheit. 2006 dann der Darstellerpreis in Venedig für „Die Hollywood-Verschwörung“, und jetzt die größte Überraschung: Mit seinem Regiedebüt steht Affleck in einer Reihe mit Instanzen wie Clint Eastwood.
Die vierjährige Amanda verschwindet spurlos aus ihrem Zimmer. Ihre Familie engagiert die Privatdetektive Patrick Kenzie und Angie Gennaro: Sie sprechen die Sprache der Straße, kennen die lokale Unterwelt. Das Paar findet bald heraus, dass Amandas süchtige Mutter Drogengeld „hinterzogen“ hat. Hat ihr Dealer das Kind entführt?
Ben Affleck inszenierte die verstörende Suche ohne Effekthascherei – bis hin zum schockierenden Finale, das die Ermittler und auch den Zuschauer in ein schier unlösbares moralisches Dilemma stürzt. Ein unbequemer Film – den der Verleih fast zurückgezogen hätte, da die brisante Story an den Fall „Maddie“ erinnert: Die kleine Madeline McCann wird seit Mai vermisst. Doch bei aller Bitterkeit ist Affleck eines der schönsten Schlussbilder aller Zeiten gelungen. Eine reife Leistung.
Drama/Thriller;
Prädikat: wertvoll;
USA 2007 - 114 Min.; ab 16;
Regie: Ban Affleck;
Darsteller:
Casey Affleck, Morgan Freeman, Ed Harris, Michelle Monaghan, Amy Madigan, John Ashton, Edi Gathegi, Amy Ryan.

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Durch die dunklen Straßen der Großstadt wandert der Privatdetektiv als ein edler Ritter der modernen Zeiten. Das Genre scheint in letzter Zeit ein wenig aus der Mode gekommen zu sein, doch mit Gone Baby Gone knüpft der Regisseur Ben Affleck an die große Tradition der Detektivgeschichten an.

Das Boston der heruntergekommenen Stadtviertel fängt die Kamera mit einer fast dokumentarisch wirkenden Authentizität ein, und in dieser düsteren, unheilvollen Atmosphäre führt der Film das junge Detektivpaar Patrick und Angie ein, das von einer verzweifelten Frau aus der Nachbarschaft engagiert wird, um nach deren entführter Enkelin zu suchen. Die Mutter des Kindes ist eine heruntergekommene Fixerin und bald wird klar, dass das Kind wegen eines ihrer Drogendeals entführt wurde.

Eine Zeitlang folgt der Film klassisch den Konventionen des Genres, indem er zeigt, wie das Detektivpaar Spuren verfolgt, alte Bekannte in der kleinkriminellen Szenen befragt und sich in einer Krisensituation bewährt. Doch dann verwischen die Grenzen zwischen Gut und Böse immer mehr. Es gibt eine ganze Reihe von überraschenden und dramaturgisch geschickt gesetzten Wendungen, und Patrick wird schließlich mit einem moralischen Dilemma konfrontiert, bei dem es keine saubere Entscheidung geben kann.
Die Guten brechen das Gesetz mit den besten Absichten, und wenn Patrick sich entscheidet, die Lösung des Falls öffentlich zu machen, kann dies viel Unheil anrichten. Casey Affleck gelingt es in der Rolle des Patrick, diesen ihn quälenden Zwiespalt sehr eindrucksvoll auszudrücken. Eine gute Wahl bei der Besetzung ist außerdem Morgan Freeman, der im heutigen Kino eine ähnlich moralische Instanz ist wie einst Spencer Tracy. Um so schockierender ist hier nun das Bild von ihm in Handschellen.

Ben Affleck zeigt in seiner ersten Regiearbeit eine erstaunliche Reife. Seine Inszenierung dient immer der Geschichte und ist daher auf den ersten Blick unspektakulär. Doch es gelingt ihm, durchgehend eine düster beklemmende Stimmung zu schaffen. Und sein Film ist durchgehend spannend, obwohl er mit einem Minimum an Action und Gewaltszenen auskommt.