Thriller;
USA 2005 - 96 Min.; ab 18;
Regie: David Cronenberg;
Darsteller:
Viggo Mortensen (Tom Stall/ Joey Cusack),
Maria Bello (Edie Stall),
Ed Harris (Carl Fogarty),
William Hurt (Richie Cusack),
Ashton Holmes (Jack Stall),
Peter MacNeill (Sheriff Sam Carney).

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Trailer
Auge um Auge: Ein schnörkelloser Rachethriller mit biblischer Konsequenz und der Schärfe eines existenzialistischen Western beschert David Cronenberg den zugänglichsten und besten Film seit den 80er Jahren.
Der moderne Mensch als Work in Progress, gefangen in einer Zwischenphase der Neuorientierung, im Ringen um die eigene Identität auf dem Weg zur nächsten Evolutionsstufe. David Cronenbergs altbekanntes Motiv, das ihn vom Underground-Horrorfilmer zum progressivsten Regisseur des Erzählkinos werden ließ, findet sich auch in "A History of Violence" wieder. Anders als seine letzten Arbeiten, sei es "Crash", "Existenz" oder "Spider", ist die Adaption eines obskuren Comicromans von John Wagner und Vince Locke an schnörkelloser Geradlinigkeit kaum zu bieten. Nur 90 Minuten dauert diese Ballade von der ersten bis zur letzten drastischen Explosion der Gewalt, und nicht eine Sekunde ist verschenkt. Obwohl (oder gerade weil) es sich für Cronenberg offenkundig um eine Auftragsarbeit handelt, gelingt es ihm, auf mehreren Ebenen alles einzuflechten, was man sich von einem Film erwarten kann. So ist die Geschichte des zahmen Kleinstadtfamilienvaters Tom, gespielt von "Herr der Ringe"-Held Viggo Mortensen in seiner zweifellos besten Leistung (und brillant unterstützt von Mario Bello als Ehefrau und Ed Harris als Schatten aus der Vergangenheit) in dessen Leben die Gewalt Einzug hält und Familie, Sicherheit, Existenz und schließlich die eigene Identität bedroht, gleichzeitig sehniger B-Thriller, biblisches Rachedrama, Variante der existenziellen Western, wie sie Anthony Mann in den 50er Jahren drehte, eine Kontemplation über Ursache und Wirkung von Gewalt, komplexes Psychogramm der Seele eines Mannes, der nicht das ist, was er selbst zu sein hofft und nicht zuletzt auch eine absolut nicht augenzwinkernde Komödie über tragische Ereignisse. Beinahe aufdringlich hyperreal sind die Bilder, die Cronenberg bei seinem Streifzug durch jene idyllischen Kleinstadtwelt, wie man sie von David Lynch kennt, wo hinter der Apfelkuchen-Fassade Begierden und Obsessionen lauern. So wird hier auch das Leben von Tom Stall auf den Kopf gestellt, als finstere Gestalten in seinem Städtchen auftauchen und insistieren, Tom sei in der Vergangenheit in einem anderen Leben ein höchst brutaler Gangster gewesen, der jetzt seine offenen Rechnungen zu begleichen habe. Es spielt keine große Rolle, ob die Behauptungen stimmen oder nicht, sondern welche Auswirkungen sie auf die Figuren haben. Was "A History of Violence"so aufregend und beunruhigend macht, ist Cronenbergs Erkenntnis, dass die in kurzen Szenen grotesk überzeichnete Gewalt eine befreiende Wirkung auf seinen Helden hat - wie letztlich auch auf den Zuschauer. In diesem Sinne ist der Film ein "Funny Games", der sein Publikum nicht verachtet: Er ist ein Thriller, der die Wirkung von cineastischer Gewalt versteht und die Bedürfnisse des Publikums einerseits wissend bedient, aber gleichzeitig intelligent konterkariert.