In bester Monsterfilmtradition baut der koreanische Regisseur Bong Joon-ho seinen Film auf, der wie die klassischen B-Pictures aus dem 50er Jahren unter der Genre-Oberfläche gesellschaftskritische Töne anschlägt. In diesem Fall ist das eine überaus kritische Darstellung der bürokratischen Strukturen Koreas, vor allem aber der massiven amerikanischen Militärpräsenz im Land, die von der koreanischen Bevölkerung zunehmend kritisch betrachtet wird. Ein technisch brillanter, vielschichtiger Genre-Film.
Action/Horror
(Gwoe Mul)
Südkorea 2006 - 119 Min.; ab 16;
Regie: Joon-ho Bong;
Darsteller:
Kang-ho Song, Hae-il Park, Du-na Bae, Hie-bong Byeon, Ah-sung Goh, Dong-ho Lee, Je-moon Yoon, Pil-sung Yim, David Joseph Anselmo, Paul Lazar.

www.thehostmovie.co.uk

www.imdb.com

Trailer (english)

Sechs Jahre nachdem das US-Militär Formaldeyhd in Seouls Hauptfluss kippen ließ, beobachtet der tumbe Ladenbesitzer Gang-du Park, wie ein riesiges, lurchartiges Ungetüm auf die Uferpromenade zuschwimmt. Als das Monstrum über die Schaulustigen herfällt, versucht Gang-du seine Tochter Hyun-seo zu retten – ohne Erfolg. Mit dem Mädchen im Schlepptau zieht der Mutant von dannen. Vom Militär unter Quarantäne gestellt, beweint Gang-du mit seinem Vater und seinen Geschwistern den schweren Verlust. Bis sie über Handy ein Lebenszeichen von Hyun-seo erhalten und beschließen, die Bestie auf eigene Faust aufzuspüren.
Was „The Host“ aus der Monsterfilm-Dutzendware heraushebt, ist die erfrischende Selbstverständlichkeit, mit der Regisseur Joon-ho Bong seinen Riesenlurch am helllichten Tag auf Menschenjagd gehen lässt. Die amerikanische Effektschmiede The Orphanage („Superman Returns“) hat dafür eine verblüffend reale CGI-Kreatur gezaubert, die speziell in der Massenpanik-Sequenz spektakulär in Szene gesetzt wird.

Doch die eigentlich Stärke des Films und wohl auch der Hauptgrund dafür, dass in Südkorea jeder Vierte „The Host“ im Kino gesehen hat, ist der polit-satirische Unterton. Die Parks müssen ihre Rettungsaktion in die eigene Hand nehmen, weil sie vom Staat im Stich gelassen werden und sogar zahlreiche Repressalien erdulden müssen. So entpuppt sich das Horrorspektakel als skurriles Familiendrama, an dessen Ende die Parks, bewaffnet mit Eisenstange und Molotow-Cocktails, einem übermächtigen Gegner Paroli bieten. Ganz ähnlich sind noch in den späten 80er Jahren Studenten gegen Südkoreas Militärregierung zu Felde gezogen.