Jessica Hausner eigenwillige Form des Mystery-Films zwischen Hitchcocks Suspense-Thrillern und Stanley Kubricks "Shining", die die Erwartungen des Zuschauers immer wieder spielerisch unterläuft.
Eine implodierende 15-jährige hat die Regisseurin Jessica Hausner in der Filmwelt bekannt gemacht. Ihr Pubertätsdrama „Lovely Rita“ wurde 2001 in der Cannes-Reihe „Un certain regard“ vorgestellt. Drei Jahre später präsentierte sie „Hotel“ in Cannes, der mit Verspätung die deutschen Kinos erreicht. Jessica Hausner gehört wie Barbara Albert zu coop99, jener österreichischen Produktionsfirma, die mit Filmen Aufsehen erregen, die sozialen Realismus mit poetischer Prägnanz verknüpfen. Mit „Hotel“ allerdings führt uns Jessica Hausner auf eine andere Spur. Diesmal verbindet sie österreichischen Realismus mit klassischen Thrillerelementen und dreht allen eine Nase, die glauben zu wissen, was sie erwartet.
"Hotel" wurde auf der Diagonale 2005 als Bester Film ausgezeichnet
Thriller;
Österreich / Deutschland 2004 - 83 Min.; ab 12;
Regie: Jessica Hausner;
Darsteller: Franziska Weisz, Birgit Minichmayr, Marlene Streeruwitz, Rosa Waissnix, Christopher Schärf, Peter Strauß, Regina Fritsch, Alfred Worel.

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Zugegeben, kein netter Film, der zweite Spielfilm der jungen österreichischen Regisseurin Jessica Hausner. Wie schon ihr erster Film, LOVELY RITA, der 2001 auf dem Münchner Filmfest zu sehen war*, nimmt auch er mit lakonischem Zynismus das österreichische Gefühl in den Fokus. Scheinheiligkeit, Kälte, Unverbindlichkeit, Kontrolle - und das Ganze in dem schönen Heimatland der Berge.
Irene (Franziska Weisz, die in HUNDSTAGE von Ulrich Seidl ein verdorbenes Jungmädchen spielen durfte) kommt als neue Rezeptionistin in das Hotel "Waldhaus". Sie lernt ihre Arbeitskollegen kennen, schreitet die Gänge in dem Hotel ab, erkundet den Keller mit Kühlkammer und verbotenen Türen. Immer in erreichbarer Nähe, auch in dem kleinen Zimmer, in dem sie wohnt: ein Alarmknopf, der bedrohlich rot leuchtet.
Der könnte für sie zur Rettung in letzter Not werden, denn schließlich muss sie allein die Nachtschicht schieben, in dem Hotel. Und immerhin ist ihre Vorgängerin auf unerklärte Weise verschwunden, mit einem Typen durchgebrannt, wie im Hotel getratscht wird. Da gibt es aber auch noch die "Waldfrau", die, wie die Sage erzählt, in dem Wald ihr Unwesen treibt und sich regelmäßig Jungfrauen holt.
Mit Tunnelblick taucht Irene nachts in die langen, labyrinthischen, einsamen Korridore ab. - Keiner weiß, wohin ihre Wege sie führen. Verschwindet einfach in der tiefen Dunkelheit der langen Gänge. Taucht freilich in der nächsten Szene wieder auf, aber zeigt sich von Szene zu Szene zunehmend verstört. Ein eigenartiges Brummen liegt über den Räumen des Hotels - wie Vorboten des Alarms, der erschrillen könnte, oder wie abgründige Stimmen, die diffus das Haus okkupieren, ähnlich den Raumgeräuschen in David Lynchs TWIN PEAKS. Im Hotel überlagern sich die Existenzen der An- und Abwesenden, die Anonymität der kalten Räume ist gesättigt von dem privaten Leben, das in ihnen stattgefunden hat. Und das Spuren hinterlassen hat, die zeichenhaft Rätsel setzen, Rätsel von dem, was passiert ist, aber auch das Rätsel der eigenen Existenz.
Jessica Hausner beherrscht alle Kunstgriffe des Mysterythrillers. Dabei geht es ihr nicht um Lösung oder Auflösung. Ihr Film strahlt die Aura des Geheimnisvollen und Unergründbaren aus - ohne Licht in das Dunkel des Geheimnisses leiten zu wollen. Ein düstere Ziselierung der österreichischen Gesellschaft und des Mißtrauens, das wir selbst in uns tragen, und das uns, wenn es dann so kommen mag, am Leben hindert.
Oder, wie Jessica Hausner selbst über ihren Film sagt: "HOTEL dreht sich einerseits um das heftige Verlangen, alles zu verstehen, was uns zum Erforschen der dunklen Seite unserer Existenz inspiriert. Andererseits handelt der Film vom Tod, den niemand wirklich kennt und der unabwendbar, mysteriös und dennoch ganz normal ist."