Endlich ist Marianne Faithfull einmal in einer Hauptrolle zu sehen – und in was für einer: Im bejubelten Berlinale-Wettbewerbsbeitrag „Irina Palm“ nimmt die multitalentierte Musikerin mit der rauchigen Stimme einen Job im Rotlichtmilieu von London-Soho an und wird dort zur „wichsenden Witwe“, weil sie dringend Geld für die Operation ihres Enkels braucht. Stellenweise mit absurdem Humor verarbeitet Regisseur Sam Gabarski („Der Tango der Rashevskis“) diese Geschichte zu einem tragikomischen Märchen, in dem die grandiose Faithfull ihr Glück und einen Neuanfang im denkbar unromantischsten aller Milieus findet.
Eine ebenso amüsante wie anrührende, in der Hauptrolle virtuos gespielte Tragikomödie, die sich trotz inszenatorischer Glätte stets ihre Ecken und Kanten bewahrt. Ebenso nachdenklich wie satirisch lustvoll spielt der Film mit den bigotten Moralvorstellungen des britischen Bürgertums. - Sehenswert ab 16.
film-dienst

Großartig und hochkomisch.
ARD Kulturmagazin ttt

Eine sympathische Komödie mit vielen extrem lustigen Momenten und einer anbetungswürdigen Marianne Faithfull. Entzückend.
KulturSPIEGEL

Komödie/Drama
Belgien / Deutschland / Luxemburg / Großbritannien / Frankreich 2006
103 Min.; ab 12;
Regie: Sam Garbarski;
Darsteller:
Marianne Faithfull, Miki Manojlovic, Kevin Bishop, Siobhán Hewlett, Dorka Gryllus, Jenny Agutter, Corey Burke.

www.irinapalm-derfilm.de (incl. dt. Trailer)

www.irinapalm-themovie.com

www.imdb.com

Ist dieser Film vielleicht zu perfekt? Auf der Suche nach Erklärungen dafür, weshalb Sam Garbarskis wundervolle Komödie „Irina Palm“ bei der offiziellen Preisvergabe der „Berlinale“ 2007 leer ausging, könnte man jedenfalls auf diesen Gedanken kommen. Der Film sei zu glatt, zu leicht, hieß es in Berlin; für die politische „Berlinale“ wohl zu seicht. Möglicherweise also fiel einer der besten Beiträge eines insgesamt eher mauen Wettbewerbs deshalb durchs Jury-Raster. Eigentlich aber fehlt es „Irina Palm“ an gar nichts, nicht einmal an Ecken und Kanten. Der Film bietet großartige Kinounterhaltung: frisch, frivol und märchenhaft hoffnungsfroh. Worum geht es in dieser zugleich rotzfrechen und doch liebenswerten Tragikomödie? Um eine „wichsende Witwe“! Im Mittelpunkt des Films steht Maggie, eine britisch-biedere Mitfünfzigerin, die sich in einem Rotlichtclub verdingt, um ihrem sterbenskranken Enkel eine teure ärztliche Behandlung in Australien zu finanzieren. Das Nebeneinander von steifen Teekränzchen und Bridge-Nachmittagen im Londoner Vorort-Mittelstand einerseits und dem schmierigen Sexclub „Sexy World“ in Soho auf der anderen Seite beschreibt die enorme und äußerst ertragreiche humoristische Fallhöhe. Das Drehbuch reizt diese Gegensätze bis zum Anschlag aus, ohne zu überziehen. Dank Marianne Faithfulls großartiger Darbietung gelingt es Maggie, wie selbstverständlich zwischen den beiden widersprüchlichen Lebenswelten zu changieren.
In einer herrlichen, schreiend-komischen Szene, einem Frontalangriff auf jede Doppelmoral, legt Maggie gegenüber ihren scheinheiligen Bridge-Gefährtinnen die Karten auf den Tisch. Bei ihrem neuen Job könne es sich ja bloß um irgendetwas Langweiliges handeln, stichelt die Gastgeberin zunächst noch. Worauf Maggie kurz und knapp erklärt: „Ich wichse Männer.“ Um etwas später zurückzufragen: „Ist das langweilig genug?“ Die drei Frauen geben sich jetzt entsetzt, möchten es dann aber doch ganz genau wissen und hören mit mädchenhafter Neugier und offenen Mündern zu, während Maggie ihnen alles erläutert. „Ich bin Irina Palm“, prahlt sie stolz, „ich bin die Beste“, und fragt dann gleich wieder im Hausfrauenplauderton: „Darf ich einen Keks haben?“ Der Film ist gespickt mit solchen Pointen. Schlag auf Schlag folgen die Gags aufeinander, und doch reduziert sich der perfekt getimte Plot nicht auf ein oberflächliches Kalauerfeuerwerk. Durch die schwere Krankheit des Enkels und den Streit mit dem Sohn, der schließlich auch vom Job seiner Mutter erfährt, erhält die Geschichte ebenso zusätzliche Konturen wie durch die zögerliche, liebevoll entfaltete Romanze zwischen Maggie und ihrem Boss. Vor allem die köstlich-kritische Auseinandersetzung mit den Moralvorstellungen des britischen Bürgertums verleiht dem Film den nötigen Tiefgang. Am Ende ergibt das ein kleines Genre-Meisterwerk in Gestalt einer runden, leichthändig inszenierten Tragikomödie. Ein Film zum Weinen vor Glück und Rührung und zum Tränenlachen. Einfach perfekt.