Ein kleines Wunderwerk aus beherzter Schauspielkunst, feinem Styling und frechen Sprüchen.
Der Spiegel

Eine kleine Sensation. Die charmante Girl-Power-Attacke ist der Oscar-Gewinner der Herzen.
Cinema

Auch wenn das Leben natürlich nie perfekt ist: Diese traurige kleine Komödie ist es. Von den Nebendarstellern über den liebevoll gezeichneten Vorspann bis hin zur Musik.
Brigitte

Die 16-jährige Juno wird beim ersten Sex mit Freund Paulie schwanger. Die coole Sprüche klopfende Highschool-Schülerin aus der Provinz entschließt sich schließlich, nicht abzutreiben und das Kind adoptieren zu lassen. Im Laufe der Schwangerschaft lernt sie auch die Adoptiveltern kennen und freundet sich mit dem Ehemann an, der zusehends in eine Sinnkrise verfällt, weil er seiner Freiheit und Jugend nachtrauert. Juno muss eine Entscheidung treffen. Jason Reitman legt nach „Thank You for Smoking” eine smart beschwingte Girl-Power-Antwort auf „Beim ersten Mal” hin. Als Titelheldin glänzt „Hard Candy” Ellen Page, die für ihre Rolle bereits ausgezeichnet wurde. Vom Vorspann bis zum entspannten Finale, von der Farce bis zur klugen Komödie mit trockenem Humor ein Indie-Juwel, mit dem sich Drehbuchautorin Diablo Cody als Talent für die Zukunft empfiehlt.
USA 2007 - 96 Min.; ab 12;
Prädikat: besonders wertvol;
Regie: Jason Reitman;
Darsteller:
Ellen Page (Juno MacGuff),
Michael Cera (Paulie Bleeker),
Jennifer Garner (Vanessa Lorring),
Olivia Thirlby (Leah),
Jason Bateman, Allison Janney, Daniel Clark (Steve Rendazo),
Valerie Tian (Pershanti).

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Hin und wieder schafft es ein Film in die Kinos, der einen überrascht mit seiner Klugheit, seinen Einsichten in die menschliche Natur, und seiner Wahrhaftigkeit. “Juno” ist so ein Film. Im Grunde eine Teenager-Komödie, ein Independent-Film mit schräger, charmanter Musik und ausgefallenen Charakteren, im Grunde also eine Mischung, die altbekannt sein sollte. Doch Juno ist anders und bereits in den USA die Kinosensation des vergangenen Jahres. Ein kleiner Film, der die 100-Millionen-Dollar-Schallgrenze durchbrochen hat, mit einem kleinen, feinen Soundtrack, der es auf Platz 1 der Billboard-Charts geschafft hat. Ein Überraschungserfolg also, der zwei Namen in Hollywood zu Recht an die Spitze katapultiert hat.
Zum einen die Drehbuchautorin: Diablo Cody, eine ehemalige Stripperin, die sich im Internet als Bloggerin einen Namen gemacht hat und mit “Juno” ihr erstes Drehbuch vorlegte. Ihre Dialoge, die sie Juno und den anderen Charakteren in den Mund legt, sind für die Ewigkeit. Ein Erstling, der verdientermaßen mit dem Drehbuch-Oscar geadelt wurde. Zum anderen die Hauptdarstellerin, Ellen Page, Jahrgang 1977, die für die Rolle der Juno zumindest eine Oscar-Nominierung erhielt.
Juno MacGuff ist 16 und hat ein Problem. Sie hatte Sex mit ihrem besten Freund, dem schüchternen Paulie (Michael Cera) - und nun ist sie schwanger. Sie entscheidet sich, das Kind auszutragen, nur wohin damit? Behalten will sie es nicht, sie fühlt sich noch nicht reif genug. Also macht sie sich auf die Suche nach geeigneten Adoptiveltern, und wird bei den Kleinanzeigen im Groschenblatt “Penny Saver” fündig. Juno muss das Schlamassel aber erst ihren Eltern beichten, und allein diese Szene zeigt, von welcher Qualität der Film ist.
Keine Spur ist hier zu finden von den Teeniefilm-Klischees, in die Hollywood sonst so gerne fällt. Junos Vater Mac (J.K. Simmons) und ihre Stiefmutter Bren (Allison Janney) sind Vollbluteltern: Realistisch, witzig. Eltern, die mit Gespür und Verständnis für die Situation umgehen. Mac begleitet Juno zum Treffen mit den künftigen Adoptiveltern, Vanessa und Mark Loring (Jennifer Garner und Jason Bateman).
Sie leben in einem der schicken, gesichtslosen Vororte, in einem Haus, in dem Vanessa völlig die Regie übernommen hat. Der Wunsch nach einem Kind zehrt sie fast auf, während ihr Mann Mark immer kindlicher wird und nicht von seinem alten Traum einer eigenen Rockband loskommt. Juno schlittert mit ihrer großen Klappe und skurrilen Beobachtungsgabe in eine außergewöhnliche Schwangerschaft. Humor, Zorn, Liebe, Hass, verstörende ebenso wie romantische Momente – Diablo Codys Drehbuch stöbert tief in der Gefühlslage der US-Durchschnittsbürger. Ihre Figuren wachsen einem ans Herz, ganz nebenbei, ganz unterschwellig. Eine große Leistung, ein großer Film.