Alt-Stone Keith Richards, der nun endlich als Vater von Captain Jack Sparrow in Erscheinung tritt, musste – so wurde kolportiert – volltrunken vom Set getragen werden, nachdem er seine Szenen abgedreht hatte. Ansonsten hat die strikte Informationssperre der Produktion bisher funktioniert: Der dritte Teil der Milliarden-Dollar-Reihe geht angeblich ungeahnte Wege. Sowohl die visuelle Ausrichtung als auch der Plot während der dritten Reise der “Black Pearl” werden von asiatischen Einflüssen geprägt sein. So treffen Johnny Depp und seine Gefährten am Ende der Welt auf den Freibeuter-Konkurrenten Chow Yun-Fat.
(Pirates of the Caribbean: At Worlds End)
Action/Abenteuer
USA 2007 - 170 Min.; ab 12;
Regie: Gore Verbinski;
Darsteller:
Johnny Depp (Jack Sparrow),
Orlando Bloom (Will Turner),
Keira Knightley (Elizabeth Swann),
Geoffrey Rush (Barbarossa),
Kevin McNally (Joshamee Gibbs),
Jack Davenport (Commodore James Norrington),
Naomie Harris (Tia Dalma),
Lee Arenberg (Pintel),
Bill Nighy (Davy Jones),
Tom Hollander (Lord Cutler Becker)
Keith Richards (Teague Sparrow)

Homepage (incl. dt. Trailer)

www.imdb.com

Captain Jack Sparrow segelt wieder unter schwarzer Flagge und hat eine Menge Freunde mitgebracht im bildgewaltigen und gut gelaunten, dezent überlangen dritten Teil der Blockbuster-Serie von Gore Verbinsky.
Der Pirat ist tot, es lebe der Pirat. Jack Sparrow, dargestellt wie immer vom ansonsten das Blockbustertreiben eher meidenden Johnny Depp, ist zwar am Ende von Teil 2 ganz offiziell zur Hölle gefahren, doch von solchen logistischen Kleinigkeiten lässt sich in Hollywood heute keiner mehr das Sequel vermiesen. Also ziehen sie los, die, die noch leben, und die, die auch schon mal tot waren, die, die Jack lieben, und die, die noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen haben. Um ihn zu holen, wo immer er steckt. Und noch etwas ist passiert im fantastischen Reich der Piraten: Ein Treffen der großen Kapitäne wurde einberufen. Den Grund hierfür erfährt man in einer Film-Eröffnung, die so ähnlich brutal wohl schon länger kein geradewegs an Kinder, Romantiker und Mädchen adressierter Film mehr gewagt hat. Ein paar hundert Piraten werden da hingerichtet, Reihe an Reihe, nacheinander, von den Feinden aus der Britischen Ostindienkompanie. Schluchzende Frauen und kleine Kinder sind darunter, für letztere hält man Fässer bereit, damit der Strick sie auch erreicht. Nun droht der Untergang aller Piraten, abzuwenden vermag ihn nur eine gemeinsame, epochale Kraftanstrengung. Und was wäre die ohne Jack Sparrow.

Die Suchexpedition wird angeführt von alten Bekannten: Orlando Bloom ist wieder im Dienst als vom Schwertschmied zum Freibeuter gereifter William Turner. Und Elizabeth Swann (Keira Knightley) weiß noch immer nicht, auf wen sie mehr steht, Jack oder William. Dafür weiß die ganz selbstbewusste Flintenlady, wie sie sich die ganz unvermeidlichen groben Freier mit der Taschenkanone vom für Barockverhältnisse wohl unterernährten Leib hält. Beide müssen höllisch aufpassen, dass ihnen Geoffrey Rush nicht die Show stiehlt, denn auch der schillernde Bösewicht aus Teil 1 ist wieder mit von der Partie, diesmal nur eben als Teil einer Rettungsmission. Die Reise führt einmal um den Erdball vom Dies- ins Jenseits und zurück. Alle greifbaren Seefahrermythen werden durch den Trivialwolf gedreht, vom Malstrom über die Seeschlange und den Fliegenden Holländer bis zum Wasserfall am Ende der Welt, und viele neue noch dazu erfunden. Zeit für solche Exkursionen haben sie jede Menge, schließlich tut es seit "Herr Der Ringe" und "Harry Potter" nach dem Oscar-Melodram und dem Bollywood-Singspiel auch das Sommer-Popcorn-Movie nicht mehr unter drei Stunden Lauflänge. Zum Glück gibt es statt Musical-Nummern Johnny Depp.

Der lässt sich zunächst nicht blicken, fast eine Stunde lang, doch dann erscheint er gleich in dutzendfacher Ausführung. Denn natürlich hält die Hölle für einen wie Jack Sparrow etwas besonderes bereit. Psychedelische Szenen in der Tradition von Jodorowsky oder Gilliam sind die Folge, in denen Depp aufgeht wie ein Hefekuchen, und die länger im Gedächtnis haften als die aufwendig gepixelte Seeschlacht oder das Gemetzel in Chow Yun-Fats Chinesenghetto - State-of-the-Art Effektzauber mit Menschen, die dagegen ankommen. Was wäre sonst noch zu erwähnen: Farbenfroher Kurzauftritt für Keith Richards, der wie sein eigener Toon aussieht und wenig mehr tut als zu all dem exaltierten Treiben um ihn herum schief zu grinsen. Reicht doch. Das Bombastmärchen liefert Popcornkino im besten Sinne, eine gelungene Realitätsflucht, die den Geist nicht beleidigt, für jeden etwas zu bieten hat und der sich nicht weniger Kinogänger hingeben sollten als dem exorbitant erfolgreichen Vorgänger.