Komödie;
D 2004 - 96 Min.; ab 12;
Regie: Anno Saul;
Buch: Fatih Akin, Ruth Thoma, Jan Berger, Anno Saul
Darsteller:
Hasan Ali Mete, Nora Tschirner, Güven Kirac, Cem Akin, Denis Moschitto.

www.kebabconnection.de
Filmfestivals sind was für Menschen die gerne schlau daher reden. Diese Woche feiert das “Filmfestival Deutschland/Türkei” in Nürnberg sein zehntes Jubiläum und meine intellektuelle Hirnhälfte (die gerne klugscheißt) befiehlt hinzugehen. Was kommt? Die “Kebab Connection” - eine Komödie. Grunz. Ich hasse Komödien, die sind nie lustig und man lernt nichts dabei!
Eigentlich nur um mich vom Verdacht der Kultur- und Türkenignoranz freizukaufen, lehne ich am Samstag abend im Kinosessel. Ein bisschen neugierig bin ich doch. Denn das Drehbuch zur “Kebab Connection”, hat Fatih Akin schon vor sieben Jahren geschrieben, nur die deutschen Filmförderer wollten es lange Zeit nicht gut finden.
Döner macht schöner, bestätigt sich gleich zu Beginn des Films: Die wunderhübsche Titzi (Nora Tschirner) spielt die Hauptrolle in einem Kung-Fu-Werbespot für die Dönerbude “King of Kebab” in der Hamburger Schanze. Der Regisseur des Spots ist ihr türkischer Freund Ibo (Denis Moschitto), der eigentlich den ersten deutschen Kung-Fu-Film “Die Todesfaust des gelben Rächers” drehen will, aber leider keine Ahnung vom Filmgeschäft hat. Ibos Ehrgeiz mindert das keineswegs und so wird zumindest sein Werbespot ein voller Erfolg. Der “King of Kebab” brummt, während der Grieche gegenüber seinen Frust im Ouzo ersäuft. Ibo träumt schon von Oscars und Hollywood, als Titzi ihm eröffnet, dass sie schwanger ist. Daraufhin, von seinem aufgebrachten Vater enterbt und verstoßen, steht Ibo auf der Straße und kann sich nicht entscheiden zwischen Kinderkacke und Bruce Lee.
Die “Kebab Connection” tut so gut wie ein Döner nach der Fastenzeit. Eine Culture-Clash-Geschichte gewürzt mit Kung-Fu, Slapstick, feinem Humor, Familiendrama und etwas Romantik: Hochamüsant, nachdenklich und zwischendurch völlig bekloppt. Nach zehn Minuten “Kebab Connection” sind intellektuelle Pflichten und Komödienverachtung vergessen. Johlend liege ich im Kinosessel und verschütte mein Bier.
Dass Komödien nicht bilden, nehme ich auch zurück. Lernt man doch einige hübsche Floskeln wie: “Schorläschek”, zu deutsch: Du Sohn eines Esels. Oder auch: “Ey, deine Suppe fickt mir echt den Gaumen ab”, zu deutsch: Deine Suppe ist sehr lecker. Als schließlich sogar Babys durch die Luft fliegen jauchzt und brüllt das Publikum - mal auf türkisch, mal auf deutsch. Nach dem Film wetzen die Besitzer der umliegenden Dönerbuden ihre Messer, denn spätestens jetzt weiß jeder, dass Döner Spaß bringt.
Indessen schleiche ich geläutert zu Fatih Akin, um meine Kinokarte signieren zu lassen und ein wenig schlau daher zureden. Raus kommt, dass Akin damals selbst gerne den ersten deutschen Kung-Fu-Film drehen wollte. Getraut hat er sich nicht. Ergebnis war deshalb die Geschichte zur “Kebab Connection” und immerhin ein sehr cooler Ansatz.
Hanna Grabbe (Zündfunk)