Drama;
Österreich / Deutschland / Großbritannien / Frankreich 2006 -
97 Min.; ab 16;
Regie: Raoúl Ruiz;
Darsteller:
John Malkovich (Gustav Klimt),
Veronica Ferres (Emilie Flöge),
Saffron Burrows (Lea de Castro),
Stephen Dillane (Sekretär),
Paul Hilton (Octave Herzog),
Sandra Ceccarelli (Serena Lederer),
Karl Fischer (August Lederer),
Irina Wanka (Berta Zuckerkandl),
Antje Charlotte Sieglin (Vally),
Nikolai Kinski (Egon Schiele).

www.klimtderfilm.at

www.imdb.com

Trailer (deutsch)
Ein Maler wird umzingelt, kreisend fährt die Kamera um ihn herum. Von einer "kreisenden Erzählstruktur" spricht auch Regisseur Raoul Ruiz. Nicht linear habe er vom Leben und von der Zeit Gustav Klimts erzählen wollen. Sein Film sei "vielmehr eine Fantasie, oder wenn man so will, Fantasmagorie – ähnlich einem seiner Bilder, in dem sich Material und imaginäre Figuren vereinen und um einen Mittelpunkt kreisen: um den Maler Klimt", sagt Ruiz. Ravels "La Valse" habe er außerdem im Ohr gehabt.

"Klimt" hat also viel mit innerer Erregung und mit äußerer Bewegung zu tun. Mit ineinander fließenden Bildern, die als "gebaute" Seelenlandschaften dastehen und sich als ganz unbeständig erweisen, sich unter den Augen des Betrachters auflösen. Die Erzähl-Fäden dieser Geschichte werden zu Flusen entmaterialisiert, sobald man endlich ein kleines Stück konkreten Stoff in der Hand zu haben meint.

"Klimt" ist kein Film für Leute, die geradlinig denken. Man braucht nicht viel zu wissen von dem Wiener Maler des Fin-de-Siècle. Nach dem Wirbel um die Rückgabe der fünf Bilder aus dem Belvedere - was für ein Promotion-Glücksfall! - dürfte die Vorinformation ausreichend sein. Der Rest ist sowieso eine Umsetzung eines Lebensgefühls und nicht biographische Botschaft. Es geht um das "hype" Wien um 1900, um eine Ära, in der das Thema Geschlechtlichkeit nicht nur von Freud thematisiert, sondern auch exzessiv ausgelebt wurde. Zum Beispiel von Klimt, dem "Maler der Frauen". Beim Malen blieb's bekanntlich oft nicht...

Einige Figuren hat man rasch identifiziert: "Midi" ist der Kosename für Emilie Flöge, die Klimt immer ganz nahe stand, der Dauer-Lebensmensch in vielleicht sogar bloß platonischer Beziehung. Veronika Ferres ist diese distanzierte Schönheit auf Tuchfühlung. Wie Chimären tauchen die anderen Frauen-Bilder auf, die ominöse Tänzerin (Saffron Burrows), Mizzi Zimmermann (Aglaia Szyszkowitz), zu deren unehelichen Kindern sich Schiele bekannte, die Mäzenin Serena Lederer (Sandra Ceccarelli), die vertraute Kunstkritikerin Berta Zuckerkandl (Irina Wanka). Eine starke Szene hat Annemarie Düringer als Mutter Klimts. Zwischen diesen Frauentypen, die wie die filmische Wiederauferstehung von Klimts Bilderwelt wirken, taumelt der Maler also herum auf der - natürlich erfolglosen - Suche nach dem weiblichen Idol schlechthin...

Einprägsame Männerfiguren um den Charismatiker John Malkovich in der Haupotrolle: Stephen Dillane als der geheimnisvoll-gegenwärtige "Sekretär" und vor allem Nikolai Kinski als Schiele, der wie aus einem von dessen Selbstporträts entsprungen wirkt.

Am besten lässt man sich ein auf den Erzählrhythmus, lässt sich hineinziehen in die Magie des Ateliers (mit nackten Models), in die Raum-Kunstwelten von Raoul Ruiz. Das ist symbolistisch durchwachsen, hat aber Stil und eine starke persönliche Handschrift aus. "Seine Seele ist von Figuren so belebt, wie andere mit blassen Wünschen oder dunklen Sorgen. Man nennt ihm ein Wort, und es schwebt eine Welt ihm vor." Das sagte der Dichter Hermann Bahr über seinen Freund Gustav Klimt. Raoul Ruiz hat das umgesetzt. Dass das nicht Mainstream-Kino ist und vom Zuschauer viel Bereitschaft fordert, sich einzulassen auf diese an Metaphern überreiche Umsetzung einer Künstler-Befindlichkeit, versteht sich von selbst.