Park Chan-wooks Werke kennen keine Kompromisse. Gegossen in eine atemberaubende Form voller zerbrechlicher Schönheit erzählt Asiens vielleicht zurzeit komplettester Filmemacher Geschichten, die Vergleiche mit antiken Tragödien nicht zu scheuen brauchen. Lady Vengeance schildert das Schicksal von Lee Geum-ja, einer jungen Frau, die zu Unrecht für die Ermordung eines Kindes verantwortlich gemacht wurde. Nach ihrer Haftentlassung macht sie sich auf die Suche nach dem wahren Täter. Parks Lady Vengeance bildet den Abschluss seiner mit Sympathy for Mr. Vengeance begonnenen und dann mit Oldboy fortgeführten Rache-Trilogie. Das Ergebnis berauscht, unterhält, schockiert und macht letztlich wieder einmal sprachlos.
...mit perfidem Erfindungsreichtum und schwarzem Humor zieht er den zuschauer immer tiefer in seine Welt der Gewalt hinein.
Der Spiegel

Der poetische Abschluss der Rache-Trilogie von Regisseur Park Chan-Wook als visuell vielfach gebrochene ethische Meditation über das Wesen der Rache. Ein überwältigender Film, dessen Stilwille und Schönheit in Bann schlagen. - Sehenswert ab 16.
film-dienst

(Chinjeolhan geumjassi)
Thriller;
Südkorea 2005 - 112 Min.; ab 16;
Regie: Park Chan-woo;
Darsteller:
Lee Young-ae, Choi Min-sik, Kwon Yea-young, Kim Si-hu, Oh Dal-su, Nam Il-woo, Tony Barry, Anne Cordiner, Oh Kwang-rok.


www.lady-vengeance.de (incl. dt. Trailer)

www.imdb.com

Rache ist ein Gericht, das man am besten kalt genießen sollte. Eiskalt, wenn es nach dem Willen des südkoreanischen Regisseurs Park Chan-wook geht. Drei grandiose Filme zum Thema Rache hat er gedreht, die zum kontroversesten und interessantesten - sowohl inhaltlich wie auch visuell - gehören, was das asiatische Kino derzeit zu bieten hat. Drei völlig unabhängige, wuchtige Dramen über die Grausamkeit der Menschen, über Leid, Einsamkeit, und den Teufelskreis der Gewalt, den Rache nach sich zieht. Mit "Lady Vengeance" kommt nun der abschließende Teil der Trilogie in die deutschen Kinos.

Nur auf DVD erschien bei uns der erste Film, "Sympathy for Mr. Vengeance" (2002). Es ist die Geschichte eines Taubstummen, der die Tochter seines Chefs entführt. Mit dem Lösegeld will er seiner Schwester endlich eine Nierentransplantation ermöglichen, doch der Plan gerät auf jede erdenkliche, schreckliche Weise zum Desaster. "Oldboy", Gewinner des Grand Prix in Cannes, erzählt von einem Geschäftsmann, der von einem Unbekannten 15 Jahre in eine Zelle gesperrt wird. Als er freikommt, macht er sich voller Hass auf die Suche nach seinem Seelenpeiniger. Und nun darf "Lady Vengeance" ihrer Rache frönen: 13 Jahre saß Lee Geum-Ja (Lee Yeong-ae) hinter Gittern. Einen kleinen Jungen soll sie entführt und ermordet haben, kaltblütig, damals als 19jährige. Wieder in Freiheit, kann sie endlich ihren Plan umsetzen, an dem sie über ein Jahrzehnt gefeilt hat. Sie will Rache nehmen an dem pädophilen Kindsmörder, der sie damals zur Falschaussage gezwungen hat.

"Das gutherzige Fräulein Geum-ja" lautet der koreanische Originaltitel, ein hinterhältiges Spiel mit den Emotionen, die der Film hervorruft. Denn Außenstehende halten die junge Frau mit dem Engelsgesicht für eine Bekehrte, eine moderne Mutter Theresa, die sich von ihren Sünden abgewendet hat. Sie wirkt zerbrechlich, ist in ihrem Inneren jedoch knallhart. Ein bizarrer Prediger, die Zellengenossinnen, die Eltern anderer getöteter Kinder, sie alle werden in dem alptraumhaften Plan von Fräulein Geum-ja eine gewichtige Rolle spielen, bis hin zum haarsträubenden Finale.

Park Chan-wook ist ein barocker Filmemacher, der üppige Symbolik liebt, Verzierungen und Ausschweifungen. Gleich im Vorspann mit verschnörkelten Credits lässt er Blut über engelsweißen Alabaster fließen. "Alles muss schön sein", sagt Lee Geum-ja, als sie emotionslos auf eine verzierte Pistole blickt, die sich extra bauen lässt. Die wilde, männliche Rache der beiden ersten Filme bekommt einen komplexen, weiblichen Gegenpart. "Lady Vengeance" ist in weiten Strecken ein stiller, zurückhaltender Film, brillant komponiert und von grausamer Eleganz, aber bei weitem nicht so wild und blutig wie sein Vorgänger "Oldboy". Dafür stellt er dem Zuschauer unangenehme Fragen, über das Recht auf Selbstjustiz, über die Mechanismen von Gewalt, von Hass und Vergebung. Über Täter und Opfer, die selber zu Tätern werden. "Lady Vengeance" glüht mit einer extremen psychologischen Intensität, die einen auch nach Tagen noch in ihren Bann zieht.