Das Regiedebüt der Schauspielerin Maria Schrader erzählt von einer Frau namens Jara, deren Leben bislang in wohlgeordneten Bahnen verlief: Sie hat einen sympathischen Ehemann, blickt einer viel versprechenden Karriere and der Universität entgegen und muss sich auch keinerlei materielle Sorgen machen. Dann aber lernt sie eines Tages den viel älteren Arie kennen, einen Freund ihres Vaters. Sehr schnell verfällt Jara der erotischen Anziehungskraft des faszinierenden und geheimnisvollen Mannes. Sie lässt sich auf eine "amour fou" mit Arie ein, die ihre bisherige Existenz vollkommen aus der Bahn zu werfen droht. Zugleich realisiert Jara, dass ihre Eltern seit vielen Jahren ein Geheimnis hüten, zu dem Arie der Schlüssel zu sein scheint.
Drama
Israel/D 2007
114 Min.; ab 12;
Regie: Maria Schrader;
Darsteller:
Netta Garti, Rade Sherbedgia, Tovah Feldshuh, Stephen Singer, Ishai Golan, Arie Moskana, Caroline Silhol, Clara Khoury, Assi Dayan.

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Alles nahm seinen Anfang, als Maria Schrader vor rund sieben Jahren gefragt wurde, ob sie die israelische Autorin Zeruya Shalev auf Lesereise begleiten wolle, um deren Roman „Liebesleben“ vorzustellen. Sie lehnte zunächst ab, da sie das Buch nicht kannte, aber irgendwann griff sie doch danach, las einige Zeilen – und seitdem hat es sie nicht mehr losgelassen. Aus der Lesereise wurde doch noch etwas, und als die Autorin sie in deren Verlauf fragte, ob sie Lust habe, es zu verfilmen, fühlte sich Maria Schrader geehrt und griff zu.

Bei der Umsetzung ließ Shalev Maria Schrader von Beginn an alle Freiheiten, denn beide waren sich darin einig, dass ein Roman nie in allen Facetten auf der Leinwand erfasst werden kann. Und so konzentriert sich Schrader vor allem auf die erotische Obsession ihrer Hauptfigur, ohne jedoch die familiären Bezüge aus dem Auge zu verlieren. Denn diese sind es schließlich, die den Schlüssel zu diesem Film liefern und ihn aus der Darstellung einer reinen „amour fou“ herausheben.

Lara begegnet Arie zum ersten Mal im Haus ihrer Eltern, wo dessen Besuch nach drei Jahrzehnten Abwesenheit bei ihrer Mutter auf wenig Begeisterung stößt. Von Beginn an fühlt sich die junge Frau erotisch zu ihm hingezogen. Sie beginnt, sich ihm quasi aufzudrängen und der fast doppelt so alte Arie geht – eher gelangweilt – darauf ein. Obwohl Lara bewusst ist, damit ihre Ehe aufs Spiel zu setzen, versucht sie nicht, von dieser Obsession loszukommen – auch wenn sie durchaus wahrnimmt, dass Aries Interesse allenfalls sexueller Natur ist und dieser sie oft genug bewusst demütigt. „Du bist jung und hungrig, ich bin alt und satt“, stellt Arie nüchtern und zutreffend fest. Doch erst als Lara dahinter kommt, welche Rolle Arie im Leben ihrer Eltern spielt, erkennt sie, dass sie ihren eigenen Weg gehen und ihr Leben selbst in die Hand nehmen muss.

Die Herausforderung für Maria Schrader in dieser Literaturverfilmung lag vor allem darin, die im Roman durch die Ich-Perspektive vermittelte innere Welt der Protagonistin dem Zuschauer erfahrbar zu machen. Denn nur so kann dieser die emotionale Emanzipation nachvollziehen, die Lara durchmacht und letztlich die Essenz von Roman und Film ausmacht. Dies gelingt ihr durch eine einfühlsame Regie, die Gedanken in Handlung umsetzt, und nicht zuletzt mit Hilfe der jungen israelischen Theaterschauspielerin Neta Garty, die die in ihrer Figur steckende Kraft und gleichzeitige Verletzlichkeit adäquat umzusetzen vermag.