Drama/Satire;
USA 2005 - 123
Min.; ab 16;
Regie und Drehbuch: Andrew Niccol;
Darsteller:
Nicolas Cage (Yuri Orlov), Ethan Hawke (Valentine),
Jared Leto (Vitali Orlov), Bridget Moynahan (Ava Fontaine),
Eamonn Walker (Baptiste Senior), Sammi Rotibi (Baptiste Junior),
Sir Ian Holm (Simeon Weisz), Jean-Pierre Nshanian (Anatoly Orlov),
Shake Tukhmanyan (Irina Orlov), Jasper Lenz (Gregor).

www.lordofwar-derfilm.de

www.lordofwarthemovie.com

www.imdb.com

Trailer (english)

Mit Waffen zu handeln, ist wahrscheinlich leichter, als einen Film wie diesen auf die Beine zu stellen, der vom Waffenhandel erzählt. Es fing schon damit an, dass die Produzenten das Drehbuch genau eine Woche vor Beginn des Irak-Krieges einreichten. Falsches Timing. In der Situation hatte niemand Lust, ein so heißes Projekt zu finanzieren, es dauerte anderthalb Jahre bis das nötige Geld zusammenkam - wohlgemerkt ohne Amerikaner. Im Gegensatz zu den Finanziers waren die Schauspieler von Anfang an Feuer und Flamme, allen voran Nicolas Cage, der sich in der Produktion engagierte und den Waffenhändler Yuri Orlov spielt.
Orlov stammt aus dem Einwanderer-Viertel Little Odessa. Die Eltern aus der Ukraine betreiben in dieser unwirtlichen Ecke New Yorks ein Restaurant, aber der Junge will nicht sein Leben lang in der Küche stehen, sondern hoch hinaus. Das geht nach dem Fall des Eisernen Vorhangs am schnellsten und lukrativsten als Waffenschieber. Erst einmal blitzt er beim berüchtigten Waffenhändler Simeon Weisz ab, der braucht keinen Lehrling. Doch ein Jahr später gelingt Yuri ein geschickter Deal, er verscherbelt Waffen und Munition der US-Armee, für die es billiger ist, das gefährliche Zeug im Libanon abzuschreiben, statt gen Heimat zu verschiffen. Mit seinem jüngeren Bruder Vitali verkauft er die Ware per Kilo. Auftakt zu einer Karriere auf tödlichem Terrain.
Bald stehen die Käufer bei ihm Schlange, vor allem blutrünstige Despoten und menschenverachtende Diktatoren. Das Geschäft mit dem Tod floriert, auch wenn sich ein Interpol-Agent hartnäckig an seine Fersen heftet. Während Yuri mit seiner nichtsahnenden Frau im Reichtum schwelgt, driftet der Bruder in Drogenkonsum ab. Das Rad dreht sich immer schneller. Als der Mann im feinen Tuch sich in die Dienste eines liberianischen Tyrannen stellt, der Kindersoldaten für sich kämpfen und krepieren lässt, ist das der Anfang vom Ende. Er kann der Gewaltspirale nicht mehr entkommen.
Aus mehreren real existierenden Waffendealern schuf Andrew Niccol ("Gattaca", "Terminal") diese schillernde Figur, einen skrupellosen Menschen, für den die grüne Dollarnote alles bedeutet, der nur in seltenen Momenten so etwas wie Moralbewusstsein spürt. Die Vorgänge sollen auf wahren Begebenheiten beruhen: da werden Militärhubschrauber als Rettungshelikopter verkauft, die Namen und Frachtpapiere von Waffen transportierenden Schiffen auf hoher See gefälscht, weltweit bekannte Waffenhändler von US-Behörden plötzlich freigelassen oder sowjetische Miliärdepots unter den Augen der Verantwortlichen geplündert.
Nicolas Cage glänzt als widersprüchlicher Charakter, der eine Spielzeugpistole seines Sohnes angewidert in den Müll wirft, aber die wahren Waffen ungerührt Mördern verkauft, die ihr Volk ausrotten. Er verliert alles, was für ihn zählt. Ein scharfzüngiger Politkrimi, der ohne pädagogischen Zeigefinger aber mit einer Portion Zynismus Politik als das entlarvt, was sie meistens ist: Machterhalt mit allen Mitteln.