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Zehn Jahre nach einem gescheiterten Vorspiel trifft die ehemalige Klavierschülerin Mélanie erneut auf die Frau, die mit ihrer Taktlosigkeit Schuld am Ende ihrer Träume von der Laufbahn als Pianistin war. Mélanie sinnt auf Rache und beginnt ein subtiles Psychospiel. Denis Dercourts psychologischer Thriller ist exzellent gefilmt und wird von zwei ausgezeichneten Hauptdarstellerinnen getragen.
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| Ein auch musikalisch brillantes Werk. - Sehenswert! tip berlin Ein fabelhaft filigraner Psychothriller. Der sehr verhalten inszenierte Psychothriller lebt vom verschleppten Tempo ebenso wie vom virtuosen Zusammenspiel der beiden überzeugend interpretierten Protagonistinnen. Indem so der Zustand der gegenseitigen Belauerung erotisch aufgeladen wird, erhält der Film eine zusätzliche reizvolle Dimension. Die Geschichte einer konsequenten Rache, allerdings nicht auf plumpe Art, sondern mit Stil.... In ruhigen, eleganten Bildern zeigt der Regisseur, wie Melanie ihr Opfer langsam einkreist, er intensiviert die bedrohliche Atmosphäre allein durch verstohlene Blicke, eine Berührung, Schweigen. ...Die subtile Spannung dieses Psychoduells unter Frauen entsteht durch leise, präzise gespielte Töne. |
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(La tourneuse de pages)
Drama Frankreich 2006 - 85 Min.; ab 12; Regie: Denis Dercourt; Darsteller: Catherine Frot, Déborah François, Pascal Greggory, Xavier De Guillebon, Christine Citti, Clotilde Mollet, Jacques Bonnaffé. Homepage (incl. dt. Trailer) www.imdb.com |
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Er holt sie im ersten Bild vom Fleischerhaken, zieht ihnen die Haut ab, schneidet sie, liebevoll, in Stücke. Nein, Blut fliesst keines, wenn Mélanies Vater, ein Metzger, Tiere verarbeitet; diese sind ja bereits tot. Mélanie (Déborah François) ist ein begabtes Kind und die Tochter ihres Vaters. Also wird sie gut aufpassen und später genauso verfahren - mit auffallendem Geschmack und augenfälligem Geschick ihrem Opfer die Haut abziehen und es filetieren, mit Liebe zur feinen Klinge und zum zweischneidigen Messer. Blut, Ehrensache, fliesst auch bei ihr nicht, und Gewalt wird gleichfalls keine ausgeübt. Doch im Unterschied zum väterlichen Vorbild wird sich die junge Frau an die Zurichtung eines Menschen wagen - einer Pianistin, Ariane Fourchécourt (Catherine Frot), die durch ihr egozentrisches Verhalten an der Aufnahmeprüfung ins Konservatorium verhindert hatte, dass aus der Fleischerstochter eine erfolgreiche Klavierspielerin hatte werden können. Mit einem bildstarken, metaphernreichen Hieb eröffnet Denis Dercourt seinen Psychothriller «La tourneuse de pages», die Geschichte eines verhinderten Wunderkindes, das aus verletztem Stolz Rache übt. Oder spielt sich der Feldzug der Gekränkten nur im Kopf des Zuschauers ab? Ist die Wiederbegegnung des einstigen Opfers, Mélanies, mit der «Täterin», Ariane, ebenso wie die Umkehrung der Rollen das Ergebnis eines puren Zufalls - oder doch eines jahrelangen, perfiden Plans? Es ist eine der Stärken von Dercourts Film, auf solche Fragen keine eindeutigen Antworten zu liefern, sondern, im Gegenteil, mit Erfolg die Verunklärung der Charaktere und ihrer Handlungsmotive zu betreiben. Dabei interessiert ihn nicht die Psychologie, sondern die Physis; ein Talent des Regisseurs, Drehbuchautors und in Personalunion auch für die Dialoge Verantwortlichen ist es ebenfalls, einen durchaus an Chabrol gemahnenden Thriller in einer Schlichtheit zu erzählen, die nachgerade brutal wirkt. Anämisch, wenn nicht blutleer; berechnend, asketisch, farblich monochrom - ähnlich dem Charakter der jungen Mélanie. Überhaupt scheint der Film parteiisch und auch die Kamera (Jérôme Peyrebrune) ganz mit ihr verschwistert. Entlang einem chronologischen Faden protokolliert Dercourt den Aufstieg und den Fall zweier unterschiedlicher Frauen - den Fall der grossbürgerlichen Ariane, den Aufstieg der kleinbürgerlichen Mélanie - dramaturgisch präzis, schneidend, glasklar. Das auf wenige Figuren reduzierte, brillant besetzte Ensemble kommuniziert in stummen Gesten, ahnungsvollen Blicken, sprechenden Andeutungen, ein entschiedener Gegensatz zur transparenten Erzählstruktur. Das grosse Finale allerdings findet meuchlings statt, dann, wenn wir längst in Dur gestimmt sind und nur mehr Harmonie erwarten. Denn nicht an der Seite der Künstlerin am Klavier holt Mélanie zum elaborierten Vernichtungsschlag aus; diese «tourneuse de pages» schlägt im Leben der privaten Ariane ein verbotenes Kapitel auf und damit deren Zukunft in Scherben - wie es einstens auch die ihre war. |
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