Jedes Jahr schenkt uns das französische Kino einen dieser unbeschwerten Wohlfühlfilme, die auf leichte, aber dennoch intelligente Weise die unerhörte These vertreten, dass das Leben doch bereits auf Erden ein Paradies sein kann. Und wie immer liegt dabei das Glück nicht im Stress der Städte, sondern auf der Wiese. Mit viel Sinn für Humor und Poesie präsentieren die Brüder Larrieu diese charmante Provokation, bei der sich sogar der Charme der Bourgeoisie als echt entpuppt.
William (Daniel Auteuil) sitzt im Dunkeln und kann sein Glück, das doch so greifbar nahe ist, (noch) nicht fassen. Der frühpensionierte Metereologe traut dem neuen Lebensabschnitt und seinen Möglichkeiten nicht. Seine Frau Madleine (Sabine Azéma) ist da aus ganz anderem Holz geschnitzt. Als die Besitzerin einer kleinen Fabrik beim Ausflug auf dem Land ein leer stehendes Bauernhaus entdeckt, ist sie gleich begeistert. Die Aura des Anwesens hat auf die eingeschlafene Libido des Pärchens so belebende Wirkung, dass sich auch William spontan zum Kauf entscheidet.
Der Eindruck, mit dem berauschendem Naturerlebnis am Fuß der Alpen in einem amourösen Jungbrunnen gestiegen zu sein, verstärkt sich noch, als die beiden ihre neuen Nachbarn kennen lernen. Der blinde Bürgermeister Adam und seine aufreizend schöne junge Frau Eva verwickeln die beiden Neuankömmlinge schon bald in eine Menage a Quatre. Doch am nächsten Morgen löst der spontane Partnertausch bei William und Madleine Panik aus. Der Flirt mit der sexuellen Freizügigkeit endet zuerst einmal in der Flucht. Nach dem ersten Schock macht sich aber bei den beiden eine klammheimliche Lust am Begehren breit.
Sympathische, kultivierte Menschen, die in der traumhaft schönen Kulisse des französischen Voralpenlandes ein zauberhaftes Anwesen bewohnen; bei soviel bürgerlichen Glück wartet man unweigerlich auf den Moment, wo der Schleier fällt und das schöne Sein als Schein entlarvt. Die Brüder Arnaud und Jean-Marc und Larrieu gönnen sich die verschmitzte Provokation, dieses eine Mal den Charme der Bourgeoisie sich gänzlich ohne doppelten Boden entfalten zu lassen.
Das Resultat ist dennoch weit entfernt von den gängigen Traumschiff-Szenarien, oder ähnlichen faden Fluchthelfern aus der Realität. Die Brüder Larrieu wirken da eher wie eine französische Variante des deutschen Filmutopisten Rudolph Thome. Nur das bei ihnen statt zelebrierter verquast, teutonischer Seelenlandschaft, ein frivol, fröhlicher Blick auf einen Himmel voller Sinnesfreuden ohne Reue und moralischer Bedenken geworfen wird.
Soviel Zuckerwatte aus Zelluloid könnte einem auf Dauer ziemlich aufstoßen, hätte der Film nicht jene spielerische Ebene, die die Erwartungen und Skepsis des Zuschauers aufgreift. So gehören die Szenen, in denen das Paar, angst vor den eigenen Wünschen bekommt, zu den komischen Höhepunkten der Komödie.
Für die passende stimmungsvolle Atmosphäre in diesem amourösen Reigen sorgt die Kamera von Christopher Beaucarne, der virtuos die Möglichkeiten des Lichtes durchdekliniert. Ein reiner Genuss ist auch das feinsinnige Zusammenspiel der beiden darstellerischen Schwergewichte Sabine Azéma und Daniel Auteuil, die hier erstmals gemeinsam vor der Kamera agieren.