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Popmusik und der Prunk von Versailles, Torten und Shopping mit „Marie Antoinette“ verpasst Regisseurin Sofia Coppola dem Kostümfilm eine Frischzellenkur und zeigt die aus Österreich stammende Königin Frankreichs als einsamen Teenager im 18. Jahrhundert, der sich zwischen Langeweile und höfischen Zwängen ins verschwenderische Leben stürzt. Trotz des gelegentlichen inhaltlichen Leerlaufs ist dieses revisionistische Pop-Portrait mit der naiven, reizenden, verlorenen und verletzlichen Kirsten Dunst in der Titelrolle ein üppiges Vergnügen für Augen und Ohren, so luftig wie ein Soufflé.
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Historienfilm/Drama;
USA 2006 - 123 Min.; ab 6; Regie und Drehbuch: Sofia Coppola; Musik: Air, Phoenix, Aphex Twin, The Strokes, Siouxsie and the Banshees, The Cure, New Order. Darsteller: Kirsten Dunst (Marie-Antoinette), Jason Schwartzman (Ludwig XVI.), Rip Torn (König Ludwig XV.), Judy Davis (Comtesse de Noailles), Asia Argento (Madame du Barry), Marianne Faithfull (Kaiserin Maria Theresia), Danny Huston (Joseph), Molly Shannon (Tante Victoire), Steve Coogan (Graf Mercy-Argenteau), Rose Byrne (Herzogin von Polignac), Shirley Henderson (Tante Sophie), Jamie Dornan (Graf von Fersen). www.marieantoinette.de www.imdb.com Trailer (english) |
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Wieder steht eine junge Frau an der Schwelle zum Erwachsenwerden im Mittelpunkt. Wieder geht es um Isolation, Einsamkeit und das Gefühl des Verlorenseins. Nach „The Virgin Suicides“ und dem grandiosen Überraschungserfolg „Lost in Translation“ knüpft die äußerst talentierte Regisseurin Sofia Coppola auch mit „Marie Antoinette“ thematisch an ihre ersten beiden Filme an und vollendet damit ihre Trilogie. Die Variation der bekannten Gefühlslage findet diesmal jedoch in einer anderen Zeit und einem anderen Genre statt, das Budget war deutlich höher (ca. 40 Millionen Dollar) und im Mittelpunkt steht eine umstrittene historische Persönlichkeit: die aus Österreich stammende Königin Frankreichs, die 1797 während der französischen Revolution auf der Guillotine hingerichtet wurde. Aus deren Biografie hat Coppola ein revisionistisches Portrait gedreht, das sich ausschließlich auf deren abgeschiedenes Leben in Versailles konzentriert und die Revolution bis auf wenige Minuten ausspart. Dabei nähert sich die Regisseurin der oft verhassten Königin auf sehr individuelle Weise, indem sie dieses menschliche Sinnbild für Verschwendung und der Dekadenz sympathisch verloren und regelrecht verständnisvoll darstellt. Coppola nimmt sich künstlerische Freiheiten auf Kosten der historischen Genauigkeit und schiebt zu Pop und Punk-Rock von Bands wie Phoenix und The Strokes smart-stilvoll alle Kostümfilmklischees beiseite. Mit prachtvoll pastelligen Bildern und Kostümen zeigt sie die spätere Königin als Teenager, der zwischen Langeweile und höfischen Zwängen fernab der damaligen Realität auf dem königlichen Spielplatz Versailles herumtoben darf. Coppola zeigt sie als facettenreiche Persönlichkeit: Marie Antoinette ist verletzlich und einsam, weil sie sich plötzlich an das fremde Land gewöhnen muss und gleichzeitig unter dem Druck steht, einen Thronfolger zu produzieren. Das ist jedoch schwierig, weil ihr Mann Louis XVI (Jason Schwartzman) lieber jagen geht und sich für die Geschichte von Schlüsseln interessiert, als die Ehe zu vollziehen. Daher flüchtet sie sich immer wieder in den Hedonismus, kauft massenhaft Schuhe und Kleider, hat eine leidenschaftliche Affäre und vergnügt sich auf Partys mit Schampus und großen bunten Torten. Kirsten Dunst, die für Coppola schon eine der Selbstmordschwestern in „The Virgin Suicides“ spielte, ist die perfekte Verkörperung der Königin mit einer Mischung aus vornehm blasser Kostümfilmschönheit, Naivität, Frische und Unbedarftheit. Doch auch die anderen wichtigen Rollen hat Coppola reizvoll besetzt: Asia Argento, Steve Coogan, Marianne Faithfull und der komisch kauzige Jason Schwartzman („Rushmore“) als Louis XVI. Selbst wenn es der Regisseurin dabei nicht immer gelingt, die inhaltlichen Flauten am königlichen Hofe mit der melancholischen Atmosphäre ihrer anderen beiden ersten Werke zu füllen, ist der frisch verspielte „Marie Antoinette“ so luftig wie ein Soufflé und ein Vergnügen für die Augen und die Ohren. |
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