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In Cannes 2005 außer Konkurrenz gelaufen, war Woody Allens eindrucksvolle moderne Tragödie um Liebe, Schuld und andere Vergehen der eigentliche Gewinner an der Croisette. Selbst "Variety", gewöhnlich Allen-kritisch, versagte dem Meisterwerk seinen Respekt nicht. Der Film, eine von Allens dunkelsten und sehr sexy angelegten Arbeiten, kreist als "Morality Tale" um Fragen von Zufall, Glückssuche, Karriere und Selbstaufgabe und ist ebenso aufregende Version von Dostojewskijs "Schuld und Sühne" und Theodore Dreisers "Eine amerikanische Tragödie" wie böser Kommentar um sozialen Aufstieg und den damit einher gehenden Verlust von Gewissen und Gefühl. Die thematischen Ebenen werden mit wunderbaren visuellen Einfällen angereichert, und Scarlett Johansson als Allens neue charismatische Muse wirkt sinnlicher als mit verlorenen Perlenohrringen.
Allens erster in London gedrehter Film (ein zweiter, wieder mit Scarlett, ist in Arbeit) führt den ehemaligen Tennisspieler Chris (Jonathan Rhys-Meyers, "Kick it Like Beckham") als Trainer in einen chicen englischen Club. Der junge Ire freundet sich mit Tom Ewett (Matthew Goode) an, der ihn mit seiner schwer reichen Upper-Class-Familie bekannt macht. Toms Schwester Chloe (Emily Mortimer, "Dear Frankie") verliebt sich in Chris, der sich seinerseits in Toms Verlobte Nola (Johansson), eine erfolglose amerikanische Schauspielerin, verliebt. Chris heiratet Chloe, die Ehe bleibt zunächst kinderlos. Chris, inzwischen in der Firma des generösen Schwiegervaters tätig, setzt nach Toms Entlobung die Beziehung mit Nola fort, bis Nola eröffnet, dass sie schwanger ist. Chris' Liebe auf den ersten Blick könnte fatale Folgen für den sozialen Erfolg haben, wird eine Angelegenheit auf Leben und Tod...
Mehr darf man keinesfalls verraten, denn was Allen zu Chris' glorreicher Zwickmühle und seinen Lösungs(un)möglichkeiten einfällt, zeugt von unglaublich inspirierter Beherrschung dramaturgischer Neugierfallen. Der alte Allen-Humor mit seinen makabren Humorpointen (und köstlichem Witz über Scarletts Lippen), eine sagenhafte Frische, die virtuos mit dem Konversationston von Tschechow bis Evelyn Waugh und dem Rollenreichtum von Robert Altmans "Gosford Park" wirbelt, und die Mord-Sucht aus Patricia Highsmith's Romanen gehen mit Schauspielerkino vom Allerfeinsten glaubhafte Verbindung ein. Rhys-Meyers Emporkömmling wird ein (großer) Rest Geheimnis belassen, Miss Johansson ist verführerischer denn je, Emily Mortimers gefällige Süße ist unterlegt mit Verzweiflung, und Matthew Goode ist ein Hugh Grant mit Stil. Leitmotiv ist der (Tennis-)Ball des Zufalls und ein Ring, der wie in Cannes für Spontanbeifall sorgen wird. Makelose Kameraarbeit, ausgesuchtes Dekor und Opern-Arien als angemessene Ton-Kommentar-Kulisse bereichern Allens vielschichtigen London-Trip in die gepflegten Abgründe tragikomischer Gefühlsverbrecher. Punkt, Satz und Sieg: ein Gewinner.
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