Neil Youngs Musik bietet einen emotionsreichen Einblick in das Verhältnis dieses einzigartigen Künstlers zu Familie, Freunden, der Sterblichkeit und der Vergänglichkeit der Zeit. Young wird auf der Bühne begleitet von vielen langjährigen Weggenossen, unter ihnen Country-Star Emmylou Harris, Neils Frau Pegi Young und dem Bandleader und Steel-Gitarristen Ben Keith.

"Neil Young: Heart of Gold" ist das intime musikalische Portrait von Regisseur Jonathan Demme (“Philadelphia”, “Das Schweigen der Lämmer”, “Stop Making Sense”) des legendären Sängers und Songwriters Neil Young, entstanden im Sommer 2005 bei der Weltpremiere von Youngs “Prairie Wind”-Konzert im berühmten Ryman Auditorium in Nashville.

Dokumentation;
USA 2006 - 103
Min.; o. A.;
Regie: Jonathan Demme;
Darsteller:
Neil Young, Emmylou Harris, Pegi Young, Ben Keith, Wayne Jackson, Clinton Gregory, Grant Boatwright, Tom McGinley, Gary W. Pigg.

www.heartofgoldmovie.com

www.imdb.com

Trailer

Jonathan Demme hat durchaus etwas aus seiner Karriere gemacht. Einen Oscar als Bester Regisseur hat er für "Das Schweigen der Lämmer" selber eingesteckt, und mit Jodie Foster, Anthony Hopkins (ebenfalls "Das Schweigen der Lämmer") und Tom Hanks (für "Philadelphia") wurden drei seiner Schauspieler mit der Goldstatue bedacht. Erfolge, die Souveränität und Selbstsicherheit bringen, sollte man meinen. Mit "Stop Making Sense" hat Demme in den 80er Jahren auch schon einen gefeierten Konzertfilm über die "Talking Heads" gemacht. Und doch hat es ein Darsteller geschafft, den 62-jährigen Regisseur auf Schuljungen-Niveau zurückzustufen: Neil Young, die aus Kanada stammende Sänger- und Songwriter-Legende. "Er ist für mich die Verkörperung der Coolness", sagt Demme im Rückblick auf die gemeinsamen Dreharbeiten im letzten Jahr. "Und ich bin ein eher prüder Typ. Ich hatte dauernd Angst, dass er das merkt und mich rauswirft."
"Neil Young: Heart of Gold" heißt das gemeinsame Projekt der beiden, ein Konzertfilm mit einer dramatischen Vorgeschichte. Im Frühjahr 2005 diagnostizierten Ärzte ein Aneurysma in Neil Youngs Gehirn, eine Erweiterung von Blutgefäßen, lebensbedrohlich. Die Zeit bis zur Operation nutzte Young, um rekordverdächtig schnell noch ein neues Album einzuspielen, "Prairie Wind". Ein musikalischer Abschiedsbrief, nur zur Sicherheit. Der medizinische Eingriff gelang, und Demme und Young – die bereits für den Soundtrack von "Philadelphia" und die Doku "Neil Young and Crazy Horse - The Complex Sessions" zusammengearbeitet hatten – überlegten sich einen Plan, "Prairie Wind" eine besondere Live-Premiere zukommen zu lassen: Mit zwei Konzerten im geschichtsträchtigen Ryman-Auditorium in Nashville, in dem die Country-Radiosendung "Grand Ole Opry" über Jahrzehnte ihr Zuhause hatte. Jonathan Demme kam dabei die Rolle des Haus-und-Hof-Chronisten zu.
Mit acht Kameras an zwei Abenden im August 2005 gefilmt zeigt "Heart of Gold" einen gelösten, versöhnlichen Neil Young, der zusammen mit Ehefrau Pegi und befreundeten Musikern wie Emmylou Harris in der ersten Hälfte des Konzerts sein neues Album präsentiert, in der zweiten Klassiker wie "Old Man", "Heart of Gold" oder "The Needle and the Damage done" spielt. Eine nostalgische, zärtliche und berührende Veranstaltung, die nicht nur musikalisch begeistert, sondern dank goldenem, herbstigem Bühnenlicht, altersweisen Ansagen und retrospektiven Songtexten fast schon eine Art Vermächtnis ist, so wie Martin Scorseses "The Last Waltz" es für "The Band" war.
Jonathan Demme hat in "Heart of Gold" nicht nur auf abgefilmte Publikumsreaktionen verzichtet, sondern auch auf sämtlichen modern-hektischen Optik-Schnickschnack, mit dem Musik gerne in Szene gesetzt wird. Ruhig und genau beobachtet ist dieser Konzertfilm. Er fängt die Dynamik zwischen den Musikern ein, zeigt lieber den kleinen Blick nach hinten, den Neil Young bei der Zeile "I want to see you dance again" seiner lächelnden Ehefrau zuwirft, als die Band kraftmeierisch und abgehoben als Stars zu inszenieren. Ein Film über einen Künstler, der froh ist, noch am Leben zu sein, gedreht von einem Fan, der aus zwei Konzerten einen musikalischen und visuellen Genuss gemacht hat. "Heart of Gold" fühlt sich an, als wäre man dabei im Ryman Auditorium, nur viel näher dran als die Zuschauer dort. Jonathan Demmes Nervosität hat sich mehr als gelohnt. Auch wenn sie völlig unberechtigt war.