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Schon über den 2003 erschienenen Erzählband der in Berlin lebenden Judith Hermann war die Fachpresse voll des Lobes. In ihren Kurzgeschichten ging es Hermann um die Liebe und die mit ihr in Zusammenhang stehenden Themen Sehnsucht und Sprachlosigkeit. Manchem Kritiker galten diese jedoch als „unverfilmbar“. Martin Gypkens („Wir“) und sein aus großartigen deutschen Jungschauspielern bestehendes Ensemble widerlegen dieses Urteil jedoch mit einem atmosphärisch starken Film.
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Drama;
Prädikat: wertvoll; D 2007 - 119 Min.; o. A.; Regie: Martin Gypkens; Buchvorlage: Judith Hermann; Darsteller: August Diehl, Maria Simon, Fritzi Haberlandt, Brigitte Hobmeier, Jessica Schwarz, Jeanette Hain, Stipe Erceg, Wotan Wilke Möhring. www.nichtsalsgespenster.senator.de www.imdb.com |
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Der staubige Westen der USA, das einen Hurrikan erwartende Jamaika, die Lagunenstadt Venedig, Island im Winter und ein Besuch in der deutschen Provinz das sind die Spielorte der fünf Kurzgeschichten von „Nichts als Gespenster“. Jede steht dabei ganz allein für sich, als gemeinsamer Nenner eint sie das Motiv des Reisens und der Suche nach der Liebe. Oder ist es eher umgekehrt die Flucht der Figuren vor sich selbst? Eine gewisse Anspannung jedenfalls ist in jeder dieser einzelnen Geschichten zu spüren. Martin Gypkens entwickelt sie parallel zueinander, springt also von Ort zu Ort und von Kontinent zu Kontinent auch er im Schnitt getrieben wie seine Figuren. Jonas (Wotan Wilke Möhring) und seine beste Freundin Irene (Ina Weisse) teilen beide das Schicksal einer frisch gescheiterten Beziehung. Um Kraft zu tanken und Abstand zu gewinnen fliegen sie zu ihrem Studienfreund Magnus nach Island. In der winterlichen Umgebung klammern sich beide in überstürzter Weise aneinander ohne dabei ihre derzeitige Verletzlichkeit zu berücksichtigen. Dies ist umso schlimmer, als Magnus Lebensgefährtin Jonina sich von Jonas angezogen fühlt. Zwei Frauen, ein Herz, das sie lieben (oder zu lieben meinen), davon handelt auch die in Cottbus spielende Episode mit Caro (Karina Plachetka) und Ruth (Chiara Schoras). Beider Objekt der Begierde ist Raoul (Stipe Erceg), der sehr genau weiß, wie er auf Frauen wirkt. Die fünfte Geschichte ist schauspielerisch die sicherlich intensivste dieses Films, trägt hier die 30-jährige Marion (Fritzi Haberlandt) ihr Päckchen doch ganz alleine nach Venedig. Genervt von ihrer Einsamkeit ebenso wie der bevormundenden Art ihrer unverbesserlichen Eltern, die sie hier trifft, verkörpert sie die allen Geschichten innewohnende Melancholie und Sehnsucht geradezu idealtypisch ohne dabei wirklich etwa sagen zu müssen. Als formale Unterscheidung der einzelnen Episoden ist der jeweiligen Stimmung entsprechend eine unterschiedliche Farbgestaltung auszumachen. Und obwohl „Nichts als Gespenster“ vom Aufbau und den Kameraeinstellungen her oft konstruiert wirkt, bleibt die Neugierde, wie sich die jeweilige Geschichte weiter entwickelt, erhalten von Langeweile also keine Spur. Dies liegt sicherlich auch an der Montage des in sich geschlossenen Films. Mit dem Motiv des Reisens und dem Blick in wundervolle, zum Träumen anregende Landschaften bleibt auch die Dramaturgie des Films immer gut im Fluss. Letztendlich überzeugt „Nichts als Gespenster“ auch deshalb, weil Martin Gypkens seine Figuren so agieren lässt, wie sie mit ihren Besonderheiten und Macken einfach sind. |
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