Das italienische Kino der 60er Jahre ist auch international
gefragt. Das ist nicht zuletzt einem Mann zu verdanken - Regisseur
Guido Conti (Daniel Day-Lewis). Und selbst wenn seine vergangenen
zwei Filme ausgemachte Flops waren, lassen ihn seine älteren Meisterwerke
noch immer im hellsten Licht erstrahlen. Entsprechend groß ist der
Wirbel, als er auf einer Pressekonferenz seinen neuen Film ankündigt.
Ein Werk mit dem nicht gerade bescheidenen Titel „Italia“. Die Kulisse
wird in den Cinecittà-Studios bereits gebaut, die Kostüme geschneidert
und der Star des Films ist auch schon gefunden. Die Dreharbeiten
könnten eigentlich beginnen, doch zu diesem denkbar ungünstigsten
Zeitpunkt steckt der Maestro in seiner größten Schaffenskrise fest.
Ein Drehbuch hat Guido Conti noch nicht einmal begonnen zu schreiben
und seine Muse und regelmäßige Hauptdarstellerin Claudia Jenssen
(Nicole Kidman) hat aus eben diesem Grunde für das neue Projekt auch
noch nicht zugesagt. Das einzige was jetzt noch helfen kann ist vollkommene
Ruhe. Und so lässt der Meisterregisseur das hektische Rom hinter
sich und taucht in einer kleinen Stadt an der Küste unter. Auf der
Suche nach Inspiration umgibt er sich mit den Menschen, die ihm womöglich
helfen könnten. Doch weder seine Geliebte (Penélope Cruz) oder seine
Frau (Marion Cotillard), noch seine verstorbene Mutter (Sophia Loren)
und der im selben Hotel weilende Kardinal, vermögen seine Dämonen
zu vertreiben. Und so schwelgt Guido Conti in seinen Erinnerungen
und durchlebt die wildesten Fantasien, um sein Gesamtkunstwerk zu
formen.
Regisseur Rob Marshall hat sich mit seiner neuen Musical-Verfilmung
endgültig zum Experten des Genres gemacht. Das lag nahe, hat Marshall
doch seine Wurzeln selbst am Broadway. Dort begann er in den frühen
70er Jahren als Sänger und Tänzer und setzte seine Karriere nach
einem Bandscheibenvorfall als Choreograf fort. Als solcher machte
er sich einen guten Namen und als solcher arbeitet er unterdessen
auch beim Film. Seine erste Musicalverfilmung „Chicago“ wurde dann
auch gleich mit sechs Oscars prämiert. „Die Geisha“ heimste immerhin
noch drei Trophäen ein. Inwieweit sein neues Werk - „Nine“ - mit
Erfolg gekrönt wird, bleibt abzuwarten. Und inwiefern die Rechnung
aufgeht, Rob Marshall mit der Kinofortsetzung der „Fluch der Karibik“
-Reihe zu betrauen, werden wir erst in 2011 sehen.
Eines steht auf jeden Fall fest, Rob Marshall gelingt es in seinen
Filmen stets, den Zauber des Kinos zu entfesseln. Wie auf der Theaterbühne
choreographiert er die einzelnen Bilder zu einer stimmigen Gesamtkomposition.
Dabei sind nicht allein die Musicalauftritte der Akteure sehr gelungen
sondern insbesondere auch die filmische Umsetzung einer Erzählung,
die sich im ständigen Wechsel zwischen Fiktion und Realität bewegt.
Hier schafft Marshall wahrlich schöne Übergänge, die in einem großartigen
Schlussbild münden.
Ein weitgehend glückliches Händchen bewies Marshall auch mit seinem
Schauspielerensemble. Dabei glänzen insbesondere all die Akteure,
die sich hier auf eher ungewohntem Terrain bewegen und ihren Spaß
an der Rolle auch zu vermitteln verstehen. Allen voran Daniel Day-Lewis
als italienischer Regisseur in der Sinnkrise. Einer der wenigen Schauspieler,
die womöglich auch das Telefonbuch fesselnd vortragen könnten. Weniger
fesselnd hingegen bleibt die gesamte Story des Films, die sich allzu
sehr um seine Hauptfigur rankt. Die Nebenfiguren verkommen dabei
teilweise zu Stichwortgebern und können so nur durch ihre Musicaleinlagen
glänzen. Für Fans eben solcher ist dieser Film jedoch ein Muss. |