Wie ist das, wenn sich die Wege eines eingefleischten Fans und des verehrten Idols im wahren Leben kreuzen? Dieser Frage geht der berühmte Bestseller-Autor Eric-Emanuel Schmitt ("Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran") in seinem Debütfilm nach, der von einer einsamen Verkäuferin erzählt, die einen Bestseller-Autor anhimmelt. Die Begegnung der beiden entwickelt sich zu einer teils rührenden, teils grotesken Annäherung zweier Menschen, die in getrennten Welten leben, aber voneinander lernen. Schmitts Film ist eine Hommage an die Macht der Literatur und eine Reflexion über das Glück und enthält kluge Beobachtungen über die Liebe und das Leben.
Drama;
Frankreich/Belgien 2007 - 100 Min.; ab 6;
Regie und Buch: Eric-Emmanuel Schmitt;
Darsteller:
Catherine Frot, Albert Dupontel, Jacques Weber, Fabrice Murgia, Nina Drecq, Camille Japy, Alain Doutey, Julien Frison, Laurence d'Amelio, Aïssatou Diop, Philippe Gouders.

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Nicht aus dem Leben, sondern aus der Fantasie ist dieses französische Feelgood-Movie gegriffen: Odette Toulemonde (der Name entspricht Frau Muster- oder Jedermann) gehört zu den Frauen, die sich durchbeißen und ihre gute Laune nicht verlieren, wohlig-warme Nestwärme ausstrahlen. In der Kosmetikabteilung verkauft sie Klimbim und rät Kundinnen mit blauen Flecken, weil sie „vor die Tür gelaufen sind„, nicht nur einen Abdeckstift, sondern die „Tür zu wechseln“ und ein Schnitzel auf die Schlagspuren zu legen. Ihr Gatte ist vor zehn Jahren gestorben, ihren Kindern – dem schwulen Sohn und der arbeitslosen Tochter samt ordinärem Freund – ist sie eine gute Mutter.
Sie hat nur einen Schwachpunkt, die seichten Romane des Balthazar Balsan, für den fährt die Mittvierzigerin im feinen Kostümchen schon mal in die nächst größere Stadt, steht stundenlang Schlange, um ein Buch von ihm signieren zu lassen und kriegt dann vor Aufregung kein Wort raus. Also schreibt sie ihrem Lieblingsautor einen bewegenden Brief auf buntem Papier und steckt auch noch ein Stoffherz in den Umschlag. Als ein Star-Kritiker Balsans neues Werk zerfetzt und der eitle Schriftsteller auch noch herausbekommt, dass seine Frau mit dem arroganten Typ schläft, löst das bei dem Mann eine Schreibblockade aus, er gerät in eine existenzielle Krise und nimmt eine Auszeit, steht plötzlich mit Sack und Pack vor Odettes kleiner Mietwohnung.
Der Intellektuelle und die bescheidene Schöne, gegensätzlicher könnten sie nicht sein. Odette erfüllt genau das Klischee der arglosen Verkäuferin mit Fototapete, Puppensammlung und Hang zum Kitsch wie Balsan das des egozentrischen Parisers, der sich über Leserinnen wie Friseusen und Kassiererinnen mokiert und dem schalen Schein in schicken Salons der Metropole frönt, statt dem erfüllenden Sein bei den Seinen. Sehr französisch wirken Catherine Frots Gesangs- und Tanzeinlagen und die eingestreuten Wunschträume.
Wenn sie am Ende dieses tragikomischen Liebesmärchens mit Albert Dupontel im wahrsten Sinne des Wortes abhebt und sicher auf die Mondsichel schwebt, weit weg von den Unbillen unten auf der Erde ist das Quantum an Romantik fern jeglicher Realität zu Genüge erfüllt. Eric-Emmanuel Schmitt, selbst Schriftsteller („Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“, „Oskar und die Dame in Rosa“), lässt Autobiografisches einfließen, das ambivalente Verhältnis zu weiblichen Fans, die Einsamkeit des Kreativen, die Glücks-Klischees von Aufstieg und Erfolg und die Paradoxien des Lebens. Selten wurde die Geschichte vom (bodenständigen) Aschenputtel und dem (intellektuellen) Prinzen so anrührend erzählt – eine humorvolle, kindlich-naive Sicht auf das Alltägliche. Auch eine Portion Schmalz kann gut schmecken. Es kommt eben auf die Dosis an. Und die ist hier genau richtig.