Drama
D 2005 -
115 Min.; ab 18;
Regie: Roland Reber;
Darsteller:
Marina Anna Eich, Mira Gittner, Christoph Baumann, Michael Burkhardt, Reinhard Wendt, Sabine Krappweis, Zoltan Paul, Jan Lebr, Martin Bayer.

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Trailer (deutsch)
„Scham ist nur Angst vor dir selbst“, sagt die Domina Maria (Mira Gittner) zur jungen Eva (Marina Anna Eich), die sich auf einen sexuellen Erlösungstrip in die Tiefen der SM-Szene und Swinger-Clubs begibt. Aber mit seinen Geschichten von diesen viel frequentierten Tabu-Orten befreit 24/7 THE PASSION OF LIFE das Milieu von Schmutz, Schmuddel und dem Vorurteil düsterer Gewalt. Vielmehr versucht der Film, die Grenze zwischen Bürgerlichkeit und sogenannter Perversion aufzuheben: Beide sind nur zwei Seiten einer Medaille – und die sexuell ausschweifende ist dabei vielleicht die unneurotischere, gesündere.
PASSION OF LIFE von Roland Reber ist ein Spielfilm. Gedreht wurde an Originalschauplätzen, zum Teil mit Szene-Mitgliedern. Doch in seiner starken Stilisierung ist der Film alles andere als dokumentarisch. Denn mit Musik aus Mozarts Requiem und katholischem Messgesang unterlegt sowie Pietà und Religions-Assoziationen, gelingen poetische, geheimnisvolle Bilder, die Weihevolles haben. Dazu passen auch bizarre Szenen, wie die eines Theologiestudenten, der sich erst durch eine blasphemische Christus-Kreuzigungs-Performance mit Gott und seiner Triebhaftigkeit aussöhnt.
Gegen diese ästhetisch überhöhten Szenen ist krass realistisch die Rahmenhandlung gesetzt: Die Hotelerbin Eva in ihrem Vater-Tochterkonflikt, der Schock, als ihre Szene-Besuche publik werden, und der Swingerclub mit seinen Kleinbürgerscheußlichkeiten, biederen Rustikalmöbeln, Countrymusik und Schnurrbart-Merci-Dir-Typen.Hier hat der Film Schwächen, weil Dialoge und Spiel oft künstlich und unbeholfen wirken. Auch wird die liberal-aufklärereiche Botschaft plakativ verkündet: Die Domina – im Film Soziologiestudentin – gibt dazu dick aufgetragene, kathederhafte Sätze von sich.
Aber bei alledem hat 24/7 THE PASSION OF LIFE ein hohes Maß an Aufrichtigkeit. Und egal, ob man die Befreiungs-Philosophie teilt: Es ist ein Ausnahmefilm, ein ästhetisch und inhaltlich interessanter Independent Film. Und vielleicht steckt in jedem Dr. Jekyll von uns im Verborgenen auch ein sexueller Mr. Hyde.
Adrian Prechtel (AZ)