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Energiegeladenes Biopic über das Musiker- und Privatleben des blinden Soulgenies Ray Charles.
Drei Hürden musste Ray Charles, geboren 1930 in Albany, Georgia, gleich zu Beginn seiner Karriere (und danach immer wieder nehmen), als er 1947 auf eigene Faust von Florida nach Seattle reiste, um als professioneller Musiker arbeiten zu können: Er war blind (seit seinem sechsten Lebensjahr), er war arm, er war schwarz. Mit den mahnenden Worten seiner Mutter, er solle sich niemals im Leben wie ein Krüppel behandeln lassen, setzt der Film an dieser Stelle ein. Ray befolgt ihn. Während seiner Zeit als Begleitmusiker im Chitterlings-Circuit (das Tingeln durch schwarze Clubs), als Leader einer kleinen Band, die sich schnell eine Fangemeinde erspielt, als Entdeckung von Atlantic Records, deren Chefs ihn ermutigen, einen eigenen, unverkennbaren Stil zu entwickeln, schließlich als Chart-Sensation, der es sogar gelingt, das weiße Publikum zu begeistern. Mit viel Flair und Gespür erweckt Hackford nicht nur die Zeit mit eindringlichen Bildern zum Leben, sondern bannt auch die elektrisierende Musik und entsprechenden Auftritte von Charles auf die Leinwand. Die Hits geben den Rahmen vor, werden aber auch so clever eingesetzt, dass sie stets einen narrativen Zweck erfüllen: In einer herrlichen Passage hilft ihm "I Got a Woman", buchstäblich eine eigene Stimme zu finden. "What'd I Say" mit seinem unwiderstehlichen Ruf-Antwort-Schema entsteht rein zufällig bei einem Auftritt, als seiner Band die Lieder ausgehen. "Hit the Road Jack", "Unchain My Heart" und "I Can't Stop Loving You" sind weitere Meilensteine in Karriere und Leben Charles' - entsprechend endet "Ray" auch in den 70er Jahren, als er den Zenit seines Schaffens gerade überschritten hat.
Die Musik ist der Motor. Sie speist den Film, wie sie auch das Leben von Ray Charles gespeist hat: Wenn Hackford, der bereits 1987 in der Chuck-Berry-Doku "Hail! Hail! Rock'n'Roll" bewiesen hatte, wie perfekt er Bilder mit dem Rhythmus von Popmusik synchronisieren kann, auf das Privatleben von Charles blickt, ist das stets untrennbar mit seinem Schaffensdrang und der dazugehörigen Lust auf Leben und Erfahrung verbunden. Wenn er sich anderen Frauen hingibt oder bereitwillig Drogen nimmt, dann entspringt das der gleichen Quelle, die ihn auch Musik fühlen lässt. Und es ist ein Verdrängungsmechanismus, wie zahlreiche, farblich leicht übersteuerte Rückblenden deutlich zeigen: Mit Musik, Sex und Rausch kann Ray Charles vergessen, dass er aus armen Verhältnissen stammt, ein Schwarzer ist und sein Augenlicht verloren hat. Und er lässt die Stimmen in seinem Kopf verstummen, die ihm einreden, er trage schuld am Unfalltod seines Bruders.
So entsteht eine dramatische Dynamik, die dem Film eine eigentümliche Spannung verleiht: Tatsächlich bleibt Ray Charles ein Enigma - ein Mann buchstäblich ohne Augen, dessen omnipräsente Sonnenbrille den Blick in seine Seele verweigert, obwohl man hautnah an seinen Triumphen, seinem Glück, seinem Schmerz teilhat. Nie ist Charles so richtig greifbar, weil er stets auf einem anderen Planeten zu leben scheint als alle anderen. Jamie Foxx, nach "Collateral" mit seiner zweiten starken Leistung in diesem Jahr, bringt das perfekt rüber, speziell wenn seine Figur mit unausweichlichen Realitäten, etwa dem Gesetz, seinen Mitmusikern oder seiner Ehefrau, konfrontiert wird. Da fliegen Funken, wie sie in Biopics ganz selten fliegen. So mag "Ray" die politische Dimension eines "Ali" weitgehend vermissen, und doch lässt er keine Wünsche offen. Nicht nur für Musikfans (die sich freuen werden, dass man auch Black-Music-Größen wie Quincy Jones, Ahmet Ertegun, Jerry Wexler oder David Newman als Figuren antrifft) rockt er wie kaum ein Film zuvor. Ray Charles kann stolz sein.
Der Film entstand mit der vollen Unterstützung von Ray Charles, der ihn in einer vollständigen Schnittfassung vor seinem Tod am 10. Juni 2004 sah und ihm seinen Segen gab.
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