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Das Märchen „Rotkäppchen“ erzählt ja bekanntlich von dem versuchten Doppelmord an einer Minderjährigen und ihrer bettlägerigen Großmutter. Dieser Film untersucht nun den Fall, indem er ihn so lange mit kriminalistischem Eifer aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, bis sich daraus ein vollständiges Bild zusammenfügt eine Erzähltechnik wie in Akira Kurosawas Klassiker „Rashomon“. Und siehe da: Die Sache hat sich dann doch ein wenig anders zugetragen, als es uns die Gebrüder Grimm weismachen wollten. Man kann es den Machern dieses vergnüglichen Trickfilms gar nicht hoch genug anrechnen, dass sie es wagten, auf die übliche, auf Nummer sicher angelegte Familienunterhaltung zu verzichten. Statt noch mehr putzmunterer Tiere, die gar lustige Abenteuer erleben, bescheren sie uns lieber einen grenzdebilen Holzfäller, der gar keiner ist; eine Oma, bei der die gängigen Kategorien der Pflegeversicherung nicht greifen; einen Wolf mit ungewöhnlichem beruflichen Background und ein Girlie mit rotem Käppi, das ums Verrecken nicht ins Opferschema passen will. Okay, ein paar Viecher kommen auch vor: Der ermittelnde Kommissar ist ein Frosch, der Pressefotograf ein überdrehtes Eichhörnchen, als Streifenpolizisten treten Schweine auf. Doch anders als die jüngsten CGI-Filme wie „Jagdfieber“ richtet sich „Die Rotkäppchen-Verschwörung“ mit seiner schwarzhumorigen, anarchischen und anspielungsreichen Machart wirklich nur an ältere Kinder und mehr noch an Erwachsene. Der Mix aus surrealem Slapstick, bizarren Storywendungen und schrillem Geblödel unterhält dabei so fabelhaft, dass man sich nicht ernsthaft an der, nun ja, doch eher mittelmäßigen Animation stört.
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(Hoodwinked)
Animation; USA 2005 - 81 Min.; ab 0; Regie: Cory Edwards, Todd Edwards, Tony Leech; Darsteller: (deutsche Stimmen) Sarah Kuttner, Hans-Werner Olm, Axel Prahl, Max Raabe, Smudo, Jan Delay. (originale Stimmen) Glenn Close, Anne Hathaway, Jim Belushi, Patrick Warburton, Anthony Anderson, David Ogden Stiers, Xzibit, Chazz Palminteri, Andy Dick www.rotkaeppchen.kinowelt.de (incl. deutscher Trailer) www.hoodwinkedthemovie.com www.imdb.com Trailer (english) |
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Es war einmal ein Mädchen namens Rotkäppchen, das für seine Großmutter, eine erfolgreiche Leckereien-Fabrikantin, ihre Produkte auslieferte; die Großmutter, die ein heimliches Doppelleben als Extremsport-Meisterin führte; der Wolf, der als rasender Reporter auf der Fährte des gefürchteten Leckerli-Banditen war und aus reinen Gründen der Recherche dem kleinen Mädchen die Großmutter vorspielte; und ein tumber Holzfäller, der eigentlich in einem mobilen Schnitzel-Imbiss arbeitete, Schauspieler werden wollte und keine Ahnung von gar nichts hatte. "Die Rotkäppchen-Verschwörung" treibt diesen Trend nun auf die Spitze, bewegt sich in Sachen Witz und Einfallsreichtum locker auf gleicher Höhe mit "Shrek", verzichtet aber fast völlig auf ein Moral-übersüßtes Ende und liefert stattdessen lieber nonstop Nonsens, und zwar von aller feinster Sorte. Die Geschichte beginnt im Stile eines Film-Noir-Krimis, als der Detektiv Nicky Flippers (ein Frosch) im Haus der Großmutter auftaucht, um zu klären, wie es zu der recht bizarren Szene kam, welche die Polizei dort vorfand: Rotkäppchen mit einem Kaminspieß bedroht vom großen bösen Wolf, die Großmutter gefesselt umher hüpfend, und mittendrin ein schreiender und die Axt schwingender Holzfäller. Nacheinander erzählen alle vier dem Ermittler ihre Geschichte des Tages, und langsam stellt sich heraus, dass anscheinend hinter allem der lange gesuchte Goodie-Bandit steckt, der nach und nach alle Leckereien-Geschäfte des Waldes ausraubt und in den Ruin treibt. Unglaublich rasant, unglaublich komisch und unglaublich einfallsreich überholt "Die Rotkäppchen-Verschwörung" mit seinem späten Starttermin die gesamte Konkurrenz auf der Zielgerade und mausert sich zum unterhaltsamsten Animationsfilm des Jahres. Schöner anzusehen waren allerdings andere, denn dass dieser Film für magere 15 Millionen Dollar produziert wurde, sieht man ihm auch jede Sekunde an. Die Qualität der Animationen ist im Vergleich mit den Kino-Konkurrenten weit unter Durchschnitt, was sich sowohl in den recht statisch animierten Hintergründen als auch den Figurendetails zeigt (Rotkäppchen hat nicht einmal Fingernägel). Womit auch auf dem Animationsmarkt bewiesen wäre: Man kann sich mit Innovation und Mut zur Lücke eine Scheibe vom Kuchen abschneiden, und "Die Rotkäppchen-Verschwörung" hat beides. Humor, Kreativität und Tempo lassen schon nach wenigen Minuten vergessen, dass die Animationen nicht so dolle sind, und der Film ist so schnell, wild und ironisch-witzig, dass sich Erwachsene garantiert (noch) besser amüsieren als ihre Kinder; auf die Genre-typische Familienfreundlichkeit legt man hier ohnehin nur wenig Wert. |
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