Drama;
D 2005 - 116 Min.; ab 12;
Regie: Marc Rothemund;
Darsteller:
Julia Jentsch (Sophie Scholl), Fabian Hinrichs (Hans Scholl), Alexander Held (Robert Mohr), Johanna Gastdorf (Else Gebel), André  Hennicke (Richter Dr.Roland Freisler), Florian Stetter (Christoph Probst).

www.sophiescholl-derfilm.de
Marc Rothemund inszenierte die letzten sechs Tage im Leben der Widerstandskampferin Sophie Scholl im Februar 1943 als strenges und bewusst schmuckloses Drama, beobachtet aus der Perspektive der Protagonistin, unbedingt an historischen Fakten und Original-Vernehmungsprotokollen orientiert und mit einem beeindruckend unverkrampft agierendem jungen Ensemble.
Mit Michael Verhoevens “Die weiße Rose” (mit Lena Stolze in der Rolle der Sophie Scholl) und Percy Adlons “Funf letzte Tage” (beide aus dem Jahr 1982) wurde die Geschichte einer der wenigen Heldinnen der deutschen Geschichte bereits zweimal verfilmt. Letzterer konzentrierte sich bereits ganz ahnlich Rothemunds Ansatz auf das kammerspielhafte Drama um Scholls letzte funf Tage vor ihrer Hinrichtung, allerdings aus der Sicht ihrer Zellengenossin. Verhoeven zeigte dagegen die Geschichte der Widerstandsgruppe bis zum Februar 1943. Rothemund beginnt nun dort, wo Verhoeven endet - mit der Verhaftung der Geschwister Scholl nach deren Flugblatt-Aktion im Lichthof der Münchner Uni - und endet (unter Voraussetzung der Kenntnisse der Zeitgeschichte) mit der Hinrichtung der Scholls. Dazwischen liegen Verhöre bei der Gestapo und ein Psycho-Duell zwischen Sophie und dem Vernehmungsbeamten Robert Mohr (gespielt von Alexander Held).
Die Rededuelle zwischen Scholl und Mohr wie auch jenes zwischen Scholl und Richter Roland Freisler (Andre Hennicke mit einer an Bruno Ganz in “Der Untergang” fast heranreichenden Performance) auf der Anklagebank basieren auf Vernehmungsprotokollen und Zeugenaussagen. Über weite Strecken ist “Sophie Scholl - Die letzten Tage” so mit kammerspielartiger Inszenierung zum Teil an Originalschauplätzen eine asketische Personenstudie, die zwangslaufig Vergleiche mit Romuald Karmakars “Der Totmacher” wachruft. War es dort die spannende Sezierung der Psyche eines Morders, macht das Duell zwischen Angeklagter und Klager hier deutlich, wie einer starken, jungen und lebenslustigen Studentin die Folgen ihres Handelns immer bewusster werden, wie sie erst zu diesem Zeitpunkt zu der Heldin wird, als der man sich heute ihrer erinnert. Wahrend am Ende zwar ihre Angst vor den Konsequenzen wächst, gewinnt damit gleichzeitig auch ihr Rechts- und Pflichtbewusstsein gegenüber ihrer Überzeugung an Bedeutung, sodass sie mit dem Wunsch, ein Zeichen zu setzen, in den Tod geht.
Ihrer Figur Menschlich- und Glaubwurdigkeit zu verleihen, gelingt Julia Jentsch (“Die fetten Jahre sind vorbei”) in jedem Moment ihrer beeindruckenden Darstellung -ganz besonders im letzten Drittel des Films, wenn Sophie aus dem Gerichtssaal in den Todestrakt gelangt und allein mit den Folgen ihres Handelns konfrontiert wird. Vor allem diese Momente tragen der emotionalen Intensitat und der Konzentration auf die inneren Konflikte der Protagonisten der Inszenierung Rechnung, wobei Rothemunds Umgang mit dem historischen Stoff bei aller Schwere und Prazision beeindruckend unverkrampft bleibt und dennoch einen angemessenen nachhaltigen Eindruck hinterlasst, als Film wider das Vergessen, der sich nur in wenigen Momenten ganz betont Licht gönnt und doch bei aller Beklemmung auch hoffnungsvoll ist.