Fünf Mal Berlin von seiner anarchischen Seite: Ein Fake-Porschefahrer reißt eine Vogue-Redakteurin auf, zwei arbeitslose Künstler wollen sich mit einem Trick ihre Wohnung „für umme“ renovieren lassen, zwei Satanisten in Aktion helfen ungewollt der Oma aus dem Koma, drei türkische Jungs wollen dringend Mädels flach legen und entdecken den Exzess und eine Touristenführerin spielt einer reichen Ex-Studienkollegin eine falsche Identität vor – bis diese hochkant auffliegt.
Episodenfilm;
Schweiz / Deutschland 2006 - 94 Min.; keine Jugendfreigabe;
Regie: Oliver Rihs;
Darsteller: Robert Stadlober, Tom Schilling, Oktay Özdemir, Jule Böwe, Milan Peschl, Marc Hosemann, Bruno Cathomas, Frank Giering, Rudolph Rüdiger.

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Der Wahlberliner geborene Schweizer Oliver Rihs lässt es in seiner bösartigen Anarchokomödie so richtig krachen. Er dreht einen punkigen Film für die Hauptstadt, der sich ausnahmslos seinen Schmuddelkinder und deren dazugehörige – Ecken widmet. SCHWARZE SCHAFE ist ein Werk, das die Abgründe nicht scheut, sondern mit ihnen grade mal anfängt. Das kann nicht jedem gefallen und soll es auch gar nicht.

Vorsätzlich hat Rihs überhaupt gar nicht erst bei Förderungen oder Fernsehsendern angefragt, um der potentiellen Glättung durch Finanzgeber vorzusorgen, und hat sich an seinen eigenen Ersparnissen bedient. Unzensiert, frech, dreckig, finster aber auch sehr witzig und schräg kommt SCHWARZE SCHAFE daher. Rihs hat fünf befreundete Drehbuchautoren (Thomas Hess, Michael Sauter, David Keller, Daniel Young und Olivier Kolb – alle fünf sind in Berlin wohnende Schweizer) beauftragt, ihm jeweils eine kurze Episode zu schreiben. Die Bedingung: Die Geschichte soll in Berlin spielen und die Protagonisten darin verfügen über wenig Geld.

Rihs selbst wohnt seit sieben Jahren in der Hauptstadt und seine Faszination ist mit den Jahren nicht geringer geworden: „Mich faszinieren Menschen auf sehr undogmatische Weise und ich bewege mich gerne in den unterschiedlichsten Szenen. Von Altersheimen bis S/M Clubs ist mir alles willkommen, was mir mehr vom Menschsein verraten kann,“ verrät er, und fügt hinzu: „Die Abgründe inspirieren mich dabei oft am intensivsten, da sie nicht selten die größten Ehrlichkeiten bergen.“

Das Ende jeder Episode artet allerdings jeweils in Exzessen aus, die leider allzu pubertär wirken. Da hackt sich Bruno Cathomas den Arm ab, oder Tom Schilling kackt in eine nicht angeschlossene Kloschlüssel. Und das ist noch lange nicht alles. Dies mag so manchem böse aufstoßen und einige Kritiker werden sich darauf stürzen als sei es gefundenes Fressen, um diesen ansonsten sehr witzigen, in schwarz/weiß gedrehten kleinen Film als geschmackloses, gar widerliches Werk zu verreißen. Aber: Man sehe sich diese erfrischend bösartige Komik mal genauer an. SCHWARZE SCHAFE mutet seinen Protagonisten und seinem guten Schauspielerensemble einiges zu. Es ist diese Hassliebe, die den Film so lebendig macht, dem nichts zu peinlich ist. SCHWARZE SCHAFE ist ein schöner kleiner schmutziger Film, mit einem wunderbaren Satz der sitzt und den man allen ungeliebten „Wessis“ und „Touris“ als arroganter (Wahl)Berliner an den Kopf knallen kann: „Dit is Berlin, dit is Feindesland.“