...beschreibt einen Familienurlaub mit erotischen Wirrungen. Regisseur Stefan Krohmer schickt ein Paar um die 40 mit pubertierendem Sohn und dessen Freundin an die Ostsee. Doch die gelöste Stimmung weicht, als ein mysteriöser Amerikaner die beiden Frauen lässig-charmant umgarnt. Mit scharfem Blick beobachtet Krohnerr, wie sich die Spannungen zwischen den Figuren aufbauen und sie zunehmend die Kontrolle über ihre Gefühle verlieren. Und doch besitzt der Film bis zum Ende die Leichtigkeit einer unbeschwerten Sommerfrische.
Der Spiegel

Hervorragend gespielt und eindrucksvoll fotografiert, verbindet der anspielungs- und bedeutungsreiche Film die Nonchalance und Beiläufigkeit des französisches Kinos mit einer tiefgründigen Reflexion über das Sexuelle als treibende Kraft im menschlichen und sozialen Leben sowie das Schweigen und die Unaufrichtigkeit im Umgang der Generationen. - Sehenswert.
film-dienst

Stefan Krohmers subtiles Drama erinnert in seinen besten Momenten an die französischen Filme der "nouvelle vague".
Brigitte

Eric Rohmers südfranzösisches Laisser-faire erreicht die
norddeutsche Ostseeküste: Moderne Menschen verschiedener Generationen führen an einem unspektakulären Urlaubsort zeitgemäße Gespräche. Sie gehen segeln, verlieben und streiten sich. Auch ein tragischer Unfall ändert wenig an dem nonchalanten Umgang miteinander. Stefan Krohmers beschauliches und beklemmendes Drama zeigt Schuld ohne
Sühne, da die Schuldgefühle in einer Art Hyper-Toleranz
verdampfen. „Sommer ‘04“ mit Martina Gedeck in der Hauptrolle gehörte zu den wenigen deutschen Beiträgen beim diesjährigen Festival von Cannes.
Drama;
D 2006 - 97 Min.; ab 12;
Regie: Stefan Krohmer;
Darsteller:
Martina Gedeck (Miriam), Peter Davor (André),
Robert Seeliger (Bill), Svea Lohde (Livia),
Lucas Kotaranin (Nils), Nicole Marischka (Grietje),
Gábor Altorjay (Daniel), Michael Benthin (Arzt).


www.alamodefilm.de (incl. dt. Trailer)

www.imdb.com

Die genaue Jahresangabe im Titel trügt: Der Film ist im geschichtlichen Vakuum angesiedelt, in dem sich alle Zeichen der Zeit verwischen.

Während des Sommerurlaubs im eigenen Ferienhaus an der Ostseeküste hat es die Familie besonders leicht, sich von der Außenwelt abzuschirmen und nur auf die eigenen Bedürfnisse umzuschalten. Aber auch innerhalb des Familienkreises herrscht blanker Individualismus: Die Privatsphäre des anderen zu respektieren ist das höchste Gebot. Die Eltern – Miriam und André – sind entspannt genug, um sich in die Beziehung von Nils und seiner 12jährigen Freundin Livia, die ihre Ferien mit ihnen im Haus verbringt, so wenig wie möglich einzumischen. Aber auch Nils sieht anscheinend keinen Grund für Aufregung, als Livia beginnt, ganze Tage mit einem gutaussehenden Amerikaner beim Surfen zu verbringen. Miriams Entscheidung, in diesem Falle einzuschreiten, fällt ihr nicht leicht und stößt auf das völlige Unverständnis der Familie, in der der freie Wille weit mehr Gewicht hat als zu eng gefaßte Moralvorschriften.

"Sommer 04" spielt souverän mit mehreren filmischen Sprachen, indem er Elemente des französischen Liebesfilms in der Tradition eines Eric Rohmer mit dem "sadistischen Realismus" à la Haneke verbindet und auch mit dem klassischen Psychothriller kokettiert. Die Spannungskurve wird äußerst kunstvoll aufgebaut, so daß der Schock den Zuschauer nach mehreren scheinbar ins Leere gehenden Anläufen schließlich völlig unvorbereitet und auf einer ganz anderen Ebene erwischt. Dabei gelingt es Regisseur Stefan Krohmer, das Lebensgefühl einer Gesellschaft nachzuzeichnen, in der verdrängte Emotionen in den raffiniertesten und bisweilen abartigsten Formen wiederkehren.