Wie schon sein exzellenter Vorgängerfilm „Young Adam“ handelt David MacKenzies 2005 auf der Berlinale mit dem Preis der Gilde deutscher Filmkunsttheater ausgezeichneter „Stellas Versuchung“ von einer fatalen erotischen Beziehung einer verheirateten Frau mit einem unberechenbaren Mann. Angesiedelt im depressiven Umfeld einer Irrenanstalt verweigern sich die Geschehnisse rationalen Erklärungsmustern und münden in ein unausweichliches Ende. Mit einer starken schauspielerischen Leistung macht Natasha Richardson den seelischen Verfall ihrer Figur sichtbar.
(Asylum)
Drama;
Großbritannien / Irland 2005 - 100 Min.; ab 16;
Regie: David Mackenzie;
Darsteller:
Natasha Richardson, Ian McKellen, Marton Csokas, Hugh Bonneville, Judy Parfitt, Sean Harris, Gus Lewis.


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Trailer (english)

„Asylum“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des Briten Patrick McGrath, aus dessen Feder auch der Kriminalroman „Spider“ stammt. „Asylum“ ist ein Film über Sex, Leidenschaft und Wahnsinn. Das Thema ist nicht ungewöhnlich, die Perspektive schon. Auch wenn David MacKenzies Film weniger abstrakt und faszinierend ist als die „Spider“-Verfilmung von David Cronenberg, so gelingt es dem Regisseur doch, vor allem am Anfang des Films, die trostlos-bedrückende und geheimnisvolle Atmosphäre einer „Irrenanstalt“ (Asylum) wieder zu geben. Der Zuschauer sieht die Patienten nur von weitem, als Außenstehender, mit den Augen Stellas, die von Natasha Richardson perfekt dargestellt wird. Wie Stella fühlt auch er sich unwiderstehlich angezogen von diesen in den Mauern der Anstalt und ihren Neurosen gleichermaßen gefangenen Wesen.

David MacKenzie offenbarte bereits in „Young Adam“ seine Neigung für das Zwielichtige, Dunkle, aber auch sein großes Talent und viel Fantasie bei der Inszenierung heißer Liebesszenen. Das Risiko des Herabgleitens auf das Niveau von „Lady Chatterley“ ist stets vorhanden, doch MacKenzie gelingt der Balanceakt, die Leidenschaft zwischen Stella und Edgar glaubhaft zu vermitteln. Das Fieber, das die beiden verzehrt, wird greifbar. Die anfangs etwas aufgesetzt wirkende Story nimmt eine erstaunliche Wendung und lässt den Zuschauer schließlich nicht mehr los. Stella ignoriert Max, ihren Ehemann. Max kann Stella kaum noch ertragen. Max spricht fast nicht mehr mit Stella und wenn doch, dann nur, um sie mit seinem Sarkasmus zu verletzen. Max ist nicht unbedingt ein Mann, der Frauen zum Träumen bringt: etwas füllig, farblos, bieder, kleinlich und pedantisch. Dagegen ist Edgar der Bildhauer bedeutend anziehender: rätselhaft, charismatisch, sinnlich-animalisch. Wenn Stella ihn beim Spielen mit ihrem Sohn im Garten beobachtet, geht ihr das Herz auf. Doch jenseits aller Klischees bleibt diese obsessive Amour-fou bis zum Ende glaubwürdig.

Die Story verweilt lange Zeit bei Edgar und Stella und dem Entstehen ihrer Leidenschaft. Gegen Ende des Films kommt es schließlich zu einigen überraschenden Wendungen: Edgar gelingt die Flucht aus der Anstalt. Stella verlässt ihren Mann und dann Edgar, wird von Edgar zurück geholt und beginnt sich vor ihrem Geliebten zu fürchten. Die Geschichte entwickelt sich zum Thriller und verwandelt sich dann plötzlich unvermutet in eine Tragödie. In diesem Teil erinnert „Asylum“ sehr an John M. Stahls Film „Todsünde“ aus dem Jahr 1945, in dem die Hauptfigur wegen ihrer krankhaften Eifersucht langsam dem Wahnsinn verfällt, ihre Schwangerschaft abbricht und den kleinen Bruder ihres Geliebten ertrinken lässt. Nur um den Mann, den sie liebt, mit niemandem teilen zu müssen. In „Asylum“ beherrscht am Ende Dr. Cleaver das Geschehen. Wie ein Untoter wandelt er durch die Zellen der Anstalt, die sein Lebensinhalt ist.
Ian McKellen beweist einmal mehr, dass er zu Recht als einer der besten Schauspieler unserer Zeit gilt. Mit jedem Blick, jeder noch so kleinen Geste wird die Obsession des Dr. Cleaver deutlich, seine gefährliche Neigung, in die Tiefen des Unterbewusstseins zu blicken, ganz nah am Entstehen der Leidenschaft, ohne sie je selbst empfinden zu können.