Es ist alles vorhanden: das apokalyptische Pathos, die Melancholie des leeren Raums, der einsame Tod im Weltall.
Frankfurter Rundschau

Drehbuchautor Alex Garland und Regisseur Danny Boyle haben bei „Sunshine“ groß gedacht - und sie haben Großes geleistet.
Focus Online
In 50 Jahren beginnt die Sonne abzusterben - mit ihrem Ende ist auch das Schicksal der Menschheit besiegelt. Die letzte Hoffnung ist eine achtköpfige Weltallmission, die eine Vorrichtung an Bord ihres Raumschiffs haben, mit der die Sonne wieder belebt werden kann. Aber die Reise steht unter keinem guten Stern. Das Radio fällt aus, ein Unfall und ein folgenschwerer Fehler erschweren den Trip. Und schließlich erhalten die Astronauten einen Hilferuf einer sieben Jahre zuvor gestarteten Mission, die als verloren galt. Ein Kampf ums Überleben beginnt. Drei Jahre nach dem beeindruckenden Schocker "28 Days Later" setzen Danny Boyle und Schriftsteller Alex Garland ihre Zusammenarbeit fort - mit einer weiteren dystopischen Vision der Zukunft. Diesmal versuchen sich die beiden an Science-Fiction und können nicht nur auf eine brillante Ausgangsidee zurückgreifen, sondern auch auf ein ausgezeichnetes Ensemble, aus dem "28 Days Later"-Star Cillian Murphy, Rose Byrne und Michelle Yeoh herausragen.
Science Fiction;
GB 2006 - 107 Min.; ab 12;
Regie: Danny Boyle;
Darsteller: Rose Byrne, Cliff Curtis, Chris Evans, Troy Garity, Cillian Murphy, Hiroyuki Sanada, Benedict Wong, Michelle Yeoh, Mark Strong, Paloma Baeza, Archie Macdonald.

Homepage (incl. Trailer)

Trailer (english)

www.imdb.com

Kultregisseur Danny Boyle schert sich wenig um Konventionen und denkt gerne großzügig: In "Trainspotting" machte er aus Heroin-Junkies charismatische Filmhelden, nach "The Beach" mit Leonardo DiCaprio drehte er "28 Days Later", einen düsteren Zombie-Film, und nun wagt sich der Brite mit "Sunshine" an ein waschechtes Weltraumabenteuer von Hollywood-Dimensionen. Eine kosmische Katastrophe ist der Ausgangspunkt für die Mission des Raumschiffes "Ikarus II". Die Sonne verliert langsam an Kraft, und nun soll die siebenköpfige Besatzung in einer letzten verzweifelten Mission die Erde retten: Eine gigantische Bombe muss im Zentrum des Zentralgestirns platziert werden und soll den aus dem Takt geratenen Wasserstoffreaktor wieder in Gang zu bringen. Eine Mission, die Jahre dauern wird.

Dafür ist die "Ikarus II" mit allem Komfort ausgestattet. Die Astronauten und Wissenschaftler an Bord leben in einer Art gewaltiger Weltraum-Lounge: Aus bequemen Sesseln verfolgen sie das Fortschreiten ihrer Mission, und über ein gewaltiges Panorama-Fenster schauen sie in die Weiten des Alls. Und es geht auch ökologisch korrekt an Bord zu. Ein Sauerstoff-Garten liefert ungedüngte Mohrrüben, reines Wasser und genügend Lebensgas. Nur der gewaltige Parabolspiegel des Raumgleiters, der Mannschaft und Schiff vor dem Verglühen schützt, mutet noch ungemütlich futuristisch an.

Mit absoluter Besessenheit für Details und Eleganz hat Danny Boyle seinen Weltraum-Trip ausgestattet. "Sunshine" erinnert hier zuweilen an das NonplusUltra des Science-Fiction-Genres, an Stanley Kubricks "2001 - Odysee im Weltraum". Ähnlich mysteriös geht es dann auch an Bord der "Ikarus II" zu. Das Unternehmen ist nicht der erste Versuch, die Sonne zu erreichen. Bereits vor einigen Jahren hat man auf der Erde schon einmal versucht, sieben Mann mit einer Bombe loszuschicken. Das verschollene Schwesterschiff taucht auf einmal wie aus dem Nichts auf. Ein dunkles Geheimnis lauert an Bord.

Für sein britisches SciFi-Projekt hat Danny Boyle eine eindrucksvolle Besetzung gefunden: Michelle Yeoh ("Die Geisha"), Chris Evans ("Fantastic Four"), Troy Garity ("After the Sunset"), Hiroyuki Sanada ("Last Samurai"), Benedict Wong ("Spy Game") und Cilian Murphy ("28 Days Later", "Batman Begins") bevölkern den gigantischen Raumgleiter. Nicht lange allerdings. Denn einer nach dem anderen wird Opfer der größenwahnsinnigen Mission.

Alles in "Sunshine" ist schon einmal erzählt worden. Die Geschichte erinnert schwer an P.T. Andersons "Event Horizon", der Style an "2001 - Odyssee im Weltraum" und die Dramaturgie an "Alien", und doch ist Danny Boyles britischer Weltraumtrip ein ganz eignes Potpourri dieser Klassiker gelungen. Auch bei Danny Boyle wird der Weltraum zur dunklen Matrize, vor der einmal mehr die Unzulänglichkeit und den ganzen Kleinmut des Menschengeschlechtes deutlich wird. Die Weiten des All zeigen stets auch die Grenzen der menschlichen Fantasie auf. "Sunshine" ist kein Plagiat, sondern eine Hommage an das Genre, so gekonnt und wunderschön zelebriert, dass dieser Film ein absolutes Kino-Muss ist.