Elegant und leicht entwickelte Satire auf Lobbyismus, Politik, Hollywood und die Boulevardpresse, die die unterschiedlichen Zynismen genüsslich vorführt und hintergründige Unterhaltung auf gutem Niveau liefert.
film-dienst
Satire; USA 2006 - 92 Min.; ab 12;
Regie und Drehbuch: Jason Reitman;
Darsteller:
Aaron Eckhart (Nick Naylor),
Maria Bello (Polly Bailey),
Cameron Bright (Joey Naylor),
Adam Brody (Jack Bein),
Sam Elliott (Lorne Lutch),
Katie Holmes (Heather Holloway),
David Koechner (Bobby Jay Bliss),
Rob Lowe (Jeff Megall),
William H. Macy (Senator Finistirre),
J.K. Simmons (BR),
Robert Duvall (The Captain),
Kim Dickens (Jill Naylor).
Eins gleich zu Beginn: In diesem Film, in dem es die ganze Zeit ums Rauchen geht, wird keine einzige Zigarette geraucht. "Wir sind in Amerika, und da rauchen ohnehin nur noch Ausländer und Asoziale", so sagt es Nick Naylor (Aaron Eckhart), der so unangreifbar daher kommt wie eine Slim-Light-Zigarette. Aber solche statistisch erwiesenen Wahrheiten posaunt er natürlich nicht öffentlich aus, sondern sagt sie nur abends, beim Stammtisch mit Vertretern der Waffen- und der Spirituosenlobby. Und flüstert sie leider auch im Bett seiner Geliebten ins Ohr – Katie Holmes als ehrgeizige Jungjournalistin – aber dieses Bettgeflüster wird ihm später noch zum Verhängnis: Beim Showdown der Verwicklungen um Liebe, Lust und Nikotin.
Blond, hoch gewachsen, gut frisiert im Designeranzug vertritt Nick
Naylor einen der großen amerikanischen Tabakkonzerne. In Fernsehshows ist er derjenige, der die schönen, sinnlichen Seiten des Rauchens verteidigt und allen mit einem Lächeln im Gesicht sagt, dass Rauchen nun alles andere als schädlich sei. Ihm selbst retten dann auch wirklich die Zigaretten das Leben, als er von Nikotingegnern gekidnappt und mit
Nikotinpflastern voll geklebt als Exempel statuiert wird. "Dass Sie
selbst rauchen, hat Ihnen das Leben gerettet, sonst hätten sie diese Überdosis Nikotin nie überlebt". Mit diesen Worten holt ihn ein Arzt aus dem Koma. Nicks Kommentar: "Darf ich Sie zitieren?"
"Thank You for Smoking" ist schwärzester Humor, ein geschicktes Jonglieren mit Klischees und eine Attacke auf die verlogene political correctness Amerikas. Ein schneller, ein wortgewaltiger Film – als ob ein Heer von Imageberatern und Werbetextern das Drehbuch geschrieben hätte. Und dann hat dieser Film grandiose stille Momente, zum Beispiel als Nick den echten Marlboro-Mann trifft, den Cowboy, der Generationen zum Rauchen verführt hat als Symbolfigur von Freiheit von Abenteuer. Nick besucht den Mann, der einsam auf seiner Ranch sitzt mit der Diagnose Lungenkrebs. Der heutige Marlboro-Mann ist schlecht fürs Image, also muss Nick ran und mit ein wenig Geld den kranken Mann zum Schweigen bringen.

Hier steigt die Satire in die Wirklichkeit herab, und wie immer, gelingt es Regisseur Jason Reitman auch hier, den richtigen Ton zu treffen. "Thank you for smoking" funktioniert letztlich deshalb so gut, weil in allen Übertreibungen stets ein Funken Wahrheit steckt und weil alles, was hier auf die Spitze getrieben wird, in Wirklichkeit so stattfinden könnte beziehungsweise längst schon so stattfindet. Dass Nick, der nebenbei noch ein ziemlich kompliziertes Privatleben als geschiedener Vater führt, einem als Lobbyist und als Mensch irrsinnig sympathisch wird, ist Regie und Schauspieler gleichermaßen zu verdanken. Dieser Film hat die Leichtigkeit einer guten Komödie und die Schärfe einer bösen Satire. Diese Kombination ist so selten und umso mehr ist "Thank You for Smoking" einer der unterhaltsamsten Filme dieses Sommers.