Felicity Huffman, die bereits den Golden Globe als Beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle der transsexuellen (Fast)-Frau Bree in TRANSAMERICA gewonnen hat, wurde für den Oscar in der Kategorie Beste Darstellerin nominiert. Außerdem erhielt Dolly Parton für das Lied „Travelin’ Thru“ eine Nominierung als Bester Filmsong.
Komödie/Roadmovie;
USA 2005 - 103 Min.; ab 12;
Regie und Buch: Duncan Tucker;
Darsteller:
Felicity Huffman (Bree Osbourne),
Kevin Zegers (Toby),
Fionnula Flanagan (Elizabeth),
Elizabeth Peña (Margaret),
Graham Greene (Calvin),
Burt Young (Murray),
Carrie Preston (Sydney),
Venida Evans (Arletty).

www.transamerica-movie.com

www.imdb.com

Trailer (english)
Ein transsexueller Vater, der jetzt Bree heißt, und dessen wenig zimperlicher Stricher-Sohn, der in dieser Frau alles andere als seinen Vater vermutet, fahren in Duncan Tuckers warmherzigem Roadmovie „Transamerica“ quer durch die USA und finden dabei zu sich und letztlich auch zueinander. Mit einer Mischung aus situationskomischen und anrührend-melancholischen Augenblicken erzählt der Debütregisseur eine bittersüße Odyssee. Dafür konnte er eine starke Darstellerriege gewinnen: Allen voran brilliert „Desperate Housewive“ Felicity Huffman in der Rolle der Bree mit tiefer gelegter Stimme im rosa Kostüm, wofür sie sich verdientermaßen eine Nominierung für den Golden Globe und den Oscar erspielte.
Schon der wortverspielte Titel fasst zusammen, worum es in Duncan Tuckers „Transamerica“ geht. Zum einen bezieht sich das „Trans“ auf die Hauptfigur, den transsexuellen Stanley, der sich seit einiger Zeit Bree nennt und auf den lang ersehnten Tag seiner Geschlechtsumwandlung wartet. Zum anderen spielt es darauf an, dass „Transamerica“ ein Roadmovie ist, bei dem ein ungewöhnliches Vater-Sohn-Gespann im Auto die USA durchquert und sich in rund 100 Minuten einander annähern und etwas über sich selber lernen – wie das in solchen Filmen eben üblich ist.
Ausgerechnet in der Woche vor ihrer finalen Operation erfährt Bree (Felicity Huffman), dass sie einen 17jährigen Sohn namens Toby (Kevin Zegers) hat, der gerade in New York im Knast sitzt. Auf Drängen ihrer Therapeutin fliegt sie daraufhin widerwillig von Los Angeles an die Ostküste, um das ihm fremde Produkt eines heterosexuellen Ausrutschers zur Highschoolzeit auszulösen. Dabei hält ihr Sohn die fremde Dame für so etwas wie eine Sozialarbeiterin der Kirche, die ihn wieder auf den rechten Weg zurückführen will. Dem Vater ist dieses Missverständnis ganz recht und klärt es erst am Ende ihres Roadtrips. Bis dahin haben die beiden eine Reihe höchst unterschiedlicher Begegnungen: Vom leichtlebigen Tramper, der ihnen das Auto klaut über die Party einer Transsexuellengruppe in der Provinz bis zu Brees Familie, die sie kurz vor Schluss aufsucht, weil sie Geld braucht.
Immer wieder gewinnt der Film aus der Kollision verschiedener Welten situationskomische Augenblicke: zunächst zwischen Bree und Toby und später vor allem mit Brees Mutter, die Fionnula Flanagan mit blassrosa Lippenstift hingebungsvoll komisch als materialistische, leicht überzeichnet hysterische Zumutung verkörpert. „Transamerica“ verliert trotz der vielen komischen Augenblicke aber nie den Ernst seiner Themen aus den Augen.
Die große Stärke von „Transamerica“ sind allerdings die Darsteller – allen voran Felicity Huffman: Wer sie vorher nicht als überforderte Hausfrau und Mutter aus der TV-Serie „Desperate Housewives“ kannte, wird kaum glauben, dass hier nicht ein männlicher Schauspieler in den zartrosa Blusen und Kostümchen steckt. Mit abgesenkter Stimme, kantig wirkenden Wangen und einem stets etwas überschminkten Gesicht versucht sie, mit Haltung und Anmut ihre männlichen Überreste zu überspielen und wird dabei nicht zur Karikatur, sondern zum Herz dieses Films. Kürzlich wurde sie dafür völlig zu Recht für einen Golden Globe und auch eine Oscar-Nominierung für dieses mutige, warmherzige Portrait eines Transsexuellen wäre alles andere als eine Überraschung. Auch die anderen Figuren haben genug Tiefe, um nicht zu langweilen.
Wie im Leben bleibt manches nur angerissen und wird nicht filmdramaturgisch zurecht gebogen. Die Begegnung mit einem indianischen Cowboy (Graham Greene) bleibt für Bree nur die Möglichkeit einer Liebesgeschichte und am Ende, nachdem Brees Geständnis zum Bruch mit Toby geführt hat, kommt es nicht zu großen, larmoyanten Versöhnungsszenen. Die beiden sitzen vielmehr zusammen auf der Couch, trinken ein Bier und werden dabei von außen durch das Fenster von der Kamera beobachtet. Fragil und rissig ist ihr Verhältnis und doch verliert dieses sensible wie wundervoll komische Roadmovie über einen Vater, der erst als Mutter zu seinem Sohn findet, dabei nie seine Leichtigkeit und seinen Optimismus.