Am Freitag (19.1.2007) wurden im Münchner Prinzregententheater die 28. Bayerischen Filmpreise vergeben. Die bundesweit begehrte Auszeichnung würdigt bedeutende kreative Leistungen im Kinobereich. Gleich vier Preise gingen an das Drama "Vier Minuten": Monica Bleibtreu wurde als Beste Schauspielerin ausgezeichnet, Hannah Herzsprung als Beste Nachwuchsschauspielerin, Autor und Regisseur Chris Kraus für das Drehbuch sowie die Produzentinnen Alexandra und Meike Kordes.

"Eine Sternstunde der Schauspielkunst." programmkino.de

Wenn Hannah Herzsprung neben Monica Bleibtreu am Klavier sitzt, in Chris Kraus' Film „4 Minuten“; wenn sie, mal widerspenstig, mal zärtlich und immer in stiller Gewaltbereitschaft, die Anweisungen der alten Klavierlehrerin befolgt - dann hat man tatsächlich das Gefühl, schon lange kein so schönes Liebespaar gesehen zu haben im deutschen Kino. FAZ
Gefühle in Großbuchstaben. Das Melodram „Vier Minuten“ von Chris Kraus ist bigger than life – großes Theater auf der Leinwand, das alle Publikumssehnsüchte covert und deshalb auf den Festivals in Shanghai und Hof euphorisch gefeiert wurde. Eine Klavierlehrerin lockt eine junge Mörderin ans Piano und damit aus der inneren Emigration: Kino voller Pathos, auf das die Zuschauer offenbar sehnlichst gewartet haben. Für Hannah Herzsprung wird dieser Film zum Durchbruch: eine Entdeckung wie zuletzt Johanna Wokalek.
Drama;
D 2006 - 112 Min.; ab 12;
Regie: Chris Kraus;
Darsteller:
Monica Bleibtreu, Hannah Herzsprung, Sven Pippig, Richy Müller, Jasmin Tabatabai, Stefan Kurt, Vadim Glowna, Nadja Uhl, Peter Davor, Edita Malovcic.


www.vierminuten.de (incl. dt. Trailer)

www.imdb.com

Monica Bleibtreu als Klavierlehrerin und Hannah Herzsprung als widerborstige Schülerin – zwei grandiose Schauspielerinnen in einem ungewöhnlichen Gefängnisfilm. "Vier Minuten" von Chris Kraus ist leidenschaftliches Kino.
Zornig und wild schlägt sich Jenny durchs Leben. Gerade im Frauenknast gelandet, kann sie ihre Power gut gebrauchen. Dass Jenny auch Talent hat, kräftig in die Tasten zu schlagen, entdeckt die Klavierlehrerin Traude Krüger, eindrucksvoll gespielt von Monica Bleibtreu, im Gefängnis sofort. Bei Jenny findet sie die Begabung, die sie bei sich nicht zum Klingen gebracht hat. Und deshalb will sie Jenny bis zur Konzertreife fördern. Die inhaftierte junge Frau soll an einem Klavierwettbewerb teilnehmen. Doch Jenny verweigert sich der Schönheit von Robert Schumanns Kompositionen. Noch rockt es in ihr mehr, als dass ihr Herz für romantische Takte schlägt.
Chris Kraus hatte schon in "Scherbentanz" viel zu erzählen. Auch "Vier Minuten" kommt schicksalsschwer daher. Die talentierte Jenny wurde als Mörderin verurteilt, Klavierlehrerin Traude ist lesbisch und leidet unter dem Trauma einer gescheiterten Liebe während des Nationalsozialismus. Das Frauengefängnis schließlich zeigt sich als Vorhölle und alle Figuren können ihrer Vergangenheit nicht entrinnen. Chris Kraus findet dafür kraftvolle Szenen. So schlägt Jenny sich die Finger auf dem Gefängnisklavier blutig oder prügelt sich heftig mit einer Zellennachbarin. Glanzlicht des Films ist eindeutig Hannah Herzsprung, die Jenny mit Mut und umwerfender Energie enorm viel Leben einhaucht. Die bislang unbekannte Hannah Herzsprung – eine Neuentdeckung für die Kinoleinwand.
Die Kamera von Judith Kaufmann führt in blau-braunen Bildern durch eine Welt voller Hoffnungslosigkeit. Allein die Leidenschaft, mit der Jenny sich nach langem Widerstand zur Klavierkunst durchringt, lohnt den Gang ins Kino. Vier musikalisch aufreibende und perfekt von Annette Focks komponierte Minuten bilden den Höhepunkt und das Finale dieses Melodrams. Kaum zu glauben, dass Hannah Herzsprung vor den Dreharbeiten nur rudimentär Klavier spielen konnte, denn ganz organisch verschmilzt sie mit dem Instrument, legt alle Gefühle von Liebe bis Hass in ihr Spiel. An "Vier Minuten" wird sich der deutsche Film in diesem Jahr messen müssen. Im Wettbewerb des Shanghai International Film Festivals gewann "Vier Minuten" schon im vergangenen Sommer den Hauptpreis als bester Film. Auch wenn der Film ein bisschen überladen wirkt, für packende Unterhaltung ist zwei Stunden lang gesorgt.