Robert Redfords siebte Regiearbeit übt Kritik an der US-Militärpolitik nach 9/11. Hochintelligente Analyse einer Nation unter Schock mit Meryl Streep, Tom Cruise und Redford selbst.
(Lions for Lambs);
Drama/Thriller;
USA 2007
92 Min.; ab 12;
Regie: Robert Redford;
Darsteller:
Robert Redford, Meryl Streep, Tom Cruise, Michael Peña, Peter Berg, Tracy Dali, Andrew Garfield, Derek Luke, Louise Linton, John Brently Reynolds.

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Die Schonfrist ist vorbei. Sechs Jahre nach den Anschlägen vom 11. September besinnt sich Hollywood auf eine Tugend, die es seit den siebziger Jahren zunehmend aus den Augen verloren hatte, weil sich immer weniger Filmemacher als kulturelle Kommentatoren des Zeitgeschehens verstanden. Jetzt thematisieren Hollywood-Filme immer öfter die Folgen von George W. Bushs kopfloser Außenpolitik nach dem 11. September. Über ein Dutzend Produktionen kommen in den nächsten Monaten in die Kinos, die alle vom Irak-Krieg und dessen Folgen handeln: brachiale Actiondramen, wütende Anklagen, menschliche Tragödien – und wie in "Von Löwen und Lämmern" hochintelligente Analysen einer Nation im chronischen Schockzustand.

Drei Schauplätze und sechs Protagonisten – und drei Episoden, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben und sich dennoch zu einem geschlossenen Ganzen zusammenfügen. In Afghanistan kämpfen die beiden jungen Soldaten Arian und Ernest (Derek Luke, Michael Peña) verzweifelt um ihr Leben. In Kalifornien führt Professor Malley (Robert Redford), der Lehrer der beiden, ein Gespräch mit einem Studenten (Andrew Garfield) über Engagement, Verantwortung und deren Grenzen. Und in Washington will der republikanische Senator Irving (Tom Cruise) eine Journalistin (Meryl Streep) durch geschicktes Manipulieren vor den Propaganda-Karren einer neuen Militärpolitik im Mittleren Osten spannen.

Alle Figuren beschäftigen sich mehr oder minder mit der titelgebenden Metapher: Wer sind die Löwen und wer die Lämmer in diesem Krieg? Sind die Soldaten, die in Afghanistan für ihr Land und ihre Werte kämpfen, die Löwen? Oder sind sie die Lämmer, die von den blutrünstigen Löwen daheim in Washington zum Sterben in die Fremde geschickt werden? Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Wofür lohnt es sich zu sterben? All diese Fragen wird jeder nur für sich selbst beantworten können.

Ebenso wie für seine Figuren hat Redford auch für seine Zuschauer keine Antwort bereit. Genau das macht "Von Löwen und Lämmern" zu einem großartigen Stück Kopfkino jenseits von Antikriegs-Propaganda. Redfords siebte Regie-Arbeit ist ebenso smart geschrieben wie inszeniert und atmet den Geist von brillanten Polit-Thrillern wie "Die Unbestechlichen". Geschickt spielt Redford mit der Rolle der Medien, der Bildung und der Politik in diesem Krieg und schafft dadurch eine vielschichtige und messerscharfe Betrachtung der politischen Befindlichkeit Amerikas. Und ganz abgesehen davon ist "Von Löwen und Lämmern" Schauspielerkino vom Feinsten. Denn vor allem Meryl Streep, Redford selbst und sogar Tom Cruise liefern in ihren Rollen absolute Glanzvorstellungen ab.

Die folgenden Filme – unter anderem Brian de Palmas "Redacted" und Paul Haggis' "In the Valley of Elah" dürften es im Schatten von Redfords Drama schwer haben: "Von Löwen und Lämmern" legt die Messlatte hoch. Aber noch ist längst nicht alles gesagt zu diesem Krieg, in dem es keinen Gewinner geben kann.