Französisch-Kanadischer Dokumentarfilm, der die Arktis in atemberaubenden Bildern als ungezähmte und bedrohte Welt mit faszinierender Fauna und Flora zeigt.
(La Planète Blanche)
Dokumentation;
F/Kanada 2006 - 81 Min.; ab 0;
Regie: Stéphane Millière, Thierry Ragobert, Thierry Piantanida.


Deutscher Trailer


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Noch lebt sie, die Eiswüste: Zwischen, Schnee, Schneestürmen und einem kurzen Sommer präsentiert sich die Polarregion in diesem Porträt der noch unentdeckten Wildnis fast wie ein Traum, für die Vielzahl von Spezies oft ein harter Traum. Die verbindende Klammer der "Handlung" sind eine Bärin und ihre Jungen. Die Kamera begleitet das Muttertier, das in einem Erdloch wirft und den Nachwuchs später spielerisch an das Leben "draußen" und das Jagen gewöhnt, folgt den beiden Jungbären bis zur Trennung, wenn sie auf eigenen Tatzen überleben können. Es ist wie im Märchen: da hoppeln die Schneehasen, legt sich der Wolf einen Fressvorrat für den Winter an, kämpfen Moschusochsen um ihr Revier, funkelt Unterwassergetier geheimnisvoll wie Christbäume, üben sich Seehunde in einer Art Wasserballett.

Einzigartige und spektakuläre Aufnahmen wie die Geburt des Eisbären oder ein Babywalross unter Wasser, das von seiner Mutter geschützt wird, bieten ein wundervolles Schauspiel. Glück hatten die Regisseure Thierry Piantanida und Thierry Ragobert mit ihrer Suche nach einer Karibu-Herde. Sie waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort und filmten die Wanderung von 500.000 Tieren gen Norden. Aus hunderten von Stunden Material gedreht über einen Zeitraum von drei Jahren in der Eiswüste Grönlands, dem Norden Kanadas, der Tundra Sibiriens sowie des Packeises im Polarmeer entstand eine hochwertige Dokumentation.

Glitzernde Gletscher, tiefblaues Meer, bizarre Eisformationen aus jeder Perspektive bieten Kinoerlebnis. Die Großzahl der Tiere lässt jedoch keine so emotionale Zuschauerbindung zu wie bei "Die Reise der Pinguine", aber selten wurde die Verwundbarkeit der Arktis und ihre majestätische Schönheit so eindrucksvoll eingefangen - auch wenn die nervtötende Musik von Bruno Coulais mit den Originalstimmen einiger Inuit die Naturgeräusche übertönt. Wenn riesige Eisblöcke wie Kartenhäuser zusammenbrechen und donnernd ins Wasser rutschen, der Unterschied zwischen den Jahreszeiten sich verwischt, wecken die Macher auch Aufmerksamkeit für die "unbequeme Wahrheit" der globalen Klimaerwärmung. Und wenn der Polarbär am Ende über das tauende Eis rutscht und vergeblich einen Halt sucht, ahnt man den nahen Kollaps des Ökosystems.

Schon jetzt streiten Anrainerstaaten um mögliche Bodenschätze wie Gas und Öl, aber auch um Fischreichtum, geht es um finanzielle Interessen auf Kosten von Flora und Fauna. So melden Russland, Dänemark und Kanada Ansprache auf den Nordpol an, Experten rechnen mit einer Verschärfung des Streits in den nächsten Jahren. Die Klimaveränderung begünstigt das Geschachere, durch den Rückzug des Polareises ist der Zugang zu den Ressourcen frei, entstehen neue Schiffsrouten zur Ausbeutung der Meere. So könnte "Der weiße Planet" bald so etwas sein wie eine ferne Erinnerung an eine von Menschenhand bewusst zerstörte Region.