Ein Sommerurlaub in einem idyllischen Ferienhaus auf Sardinien stellt die noch junge Beziehung eines gegensätzlichen Paares schon bald auf eine harte Probe. Filmemacherin Maren Ade („Der Wald vor lauter Bäumen“) beleuchtet in ihrem preisgekrönten Berlinale-Beitrag das Gemeinsame und Trennende einer scheinbar modernen Beziehung, in der sich beide Partner einer trügerischen Illusion hingeben. In den Hauptrollen brillieren die mit einem „Silbernen Bären“ ausgezeichnete Birgit Minichmayr und ihr Kollege Lars Eidinger.

"Das geht nun also auch hierzulande, dass man von Beziehungen erzählt, ohne dass gleich alle den Kopf hängen lassen", staunt Michael Althen von der FAZ. Der Film lebe vor allem von der "Lust, dem Spiel der Liebe zuzusehen".

Für Daniel Kothenschulte von der Frankfurter Rundschau ist Alle anderen ein "großartiger und beglückender Film". So "feinsinnig", wie hier die "verletzliche Geschichte eines frisch verliebten Pärchens erzählt wird, das in einem geliehenen Ferienhaus eine Bühne für eine mögliche Zukunft findet", habe man das noch nicht gesehen.

 

Prädikat: besonders wertvoll;
Deutschland 2008 - 119 Min.; ab 12;
Regie: Maren Ade;
Darsteller: Birgit Minichmayr, Lars Eidinger, Hans-Jochen Wagner, Nicole Marischka, Mira Partecke, Atef Vogel, Paula Hartmann, Carina Wiese, Laura Zedda.

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Wenn man im Kino beginnt darüber nachzudenken, dass man genau solche Menschen in solchen Situationen auch kennt - ja, dass man vielleicht sogar selber mal ein ähnliches Drama durchlebt hat, dann hat der Film bereits gewonnen. Und genau diese Wirkung hat der Film ‚Alle Anderen‘ von Maren Ade, in dem von nichts anderem erzählt wird als von einem Paar, das bei einem gemeinsamen Urlaub eine Krise durchlebt.
Ein Kammerspiel auf Sardinien, bei dem die Kamera erstaunlich intim mit den beiden Protagonisten wird und das Spiel von Birgit Minichmayr (‚Der Knochenmann‘), in der Rolle der Gitti, sowie Lars Eidinger, in der Rolle des Chris, so spontan und glaubwürdig wirkt, dass es unmöglich ist, zu erkennen, wie viel da Improvisation und wie viel mit virtuoser Präzision umgesetzter geschriebener Dialog ist. Die beiden beginnen die Rollen, die sie im Verhältnis zueinander eingenommen haben zu hinterfragen, nachdem sie ein befreundetes Paar treffen, das im konventionellen Sinne die Erwartungen perfekt erfüllt. Er ist im Beruf erfolgreich, sie unterstützend und schwanger, während Chris selbst sowohl beruflich wie auch in der Beziehung zutiefst verunsichert ist und Gitti ihn mit ihrer spontanen, forschen Art eher fordert als umsorgt. Zwei Stunden lang sehen wir dem Paar dabei zu, wie es die komprimierten Phasen einer Beziehung durchläuft, und es ist eine große Qualität des Films, dass er dabei bis zum Schluss die Intensität und Spannung durchhält.
Maren Ade ist es gelungen, den für einen Urlaubsaufenthalt typischen Situationen (wie Grillabend mit Bekannten oder Wanderung in die Landschaft) jeweils einen dramaturgisch interessanten Dreh zu geben, und manchmal merkt man dann doch, wie pointiert und zutreffend die scheinbar dahingesagten Dialoge letztlich sind (‚Brunhilde‘). Doch am wirkungsvollsten wird in den Nuancen erzählt. Darin etwa, wie verletzt Gitti Chris ansieht, wenn dieser mit den anderen Partei gegen sie ergreift, oder was sich in seinem Gesicht abspielt, als sie ihn alleine im Cafe entdeckt. So etwas gelingt nur, wenn ein Film mit großem Einfühlungsvermögen und einer klugen Liebe zu den Charakteren gemacht wird. Dies ist Maren Ade hier sehr eindrucksvoll gelungen.