Kathy (Carey Mulligan), Tommy
(Andrew Garfield) und Ruth (Keira Knightley) verbringen ihre Kindheit
in Hailsham, einem scheinbar idyllischen englischen Internat. Doch
der Ort birgt ein dunkles und verstörendes Geheimnis, das die Zukunft
der jungen Leute betrifft und worüber niemals gesprochen wird. Nachdem
sie den Schutz der Schule hinter sich gelassen haben, kommen die
drei Freunde dem grausamen Schicksal, das sie als Erwachsene erwartet,
unaufhaltsam näher. Dabei wird ihre enge Freundschaft durch die tiefen
Gefühle der Liebe, der Eifersucht und des Verrats auf eine harte
Bewährungsprobe gestellt. ALLES, WAS WIR GEBEN MUSSTEN ist eine bewegende
Geschichte über Liebe, Verlust und geheime Wahrheiten. Der Film basiert
auf dem gleichnamigen, vielgepriesenen Bestseller von Kazuo Ishiguro.
Regisseur Mark Romanek und die Produzenten Andrew Mac Donald und
Allon Reich konnten für die berührende Literaturverfilmung ein hochkarätiges
Ensemble gewinnen: Keira Knightley ("Stolz und Vorurteil", "Abbitte"),
Carey Mulligan ("An Education", "Wall Street: Geld
schläft nicht") und Nachwuchsdarsteller Andrew Garfield ("Boy
A", "Red Riding"). |
Romanek verfilmt Ishiguro: Was "Alles, was wir
geben mussten" hinter den Mauern eines britischen Schulheim
entdeckt, lässt das Blut in den Adern gefrieren. Was die Helden von "Alles,
was wir geben mussten" erleben, was sie fühlen, was sie spüren,
das ist vertraut: Freundschaft, erste Liebe, Zukunftssorgen, Aufbruchsstimmung,
das Bemühen, die Welt, in der man lebt, zu durchdringen - das kennt
jeder aus der eigenen Jugend. Und doch sind Kathy H., die einfühlsame,
zurückhaltende Erzählerin, ihre resolute, manipulative beste Freundin
Ruth und der linkische Außenseiter Tommy, in den sich die beiden
Mädchen verlieben, ja, überhaupt alle Kinder, die in dem auf den
ersten Blick so idyllischen Schulheim Hailsham mitten auf dem Land
aufwachsen, irgendwie... anders. Etwas stimmt nicht mit ihrer Welt,
die so aussieht wie unsere, aber irgendwie heruntergekommen ist,
marode, grau, baufällig, ungepflegt. So wie sich abblätternde Tapeten
und löchrige Klamotten in die perfekten Bildkompositionen drängen,
mischen sich zunächst schwer zu deutende Begriffe wie "Spender" oder "Betreuer" wie
Fremdkörper in den Dialog. Man nimmt wahr, dass die Welt der Schüler
an den Mauern und Zäunen rund um Hailsham endet, dass die Kinder
isoliert von der Außenwelt sind, von ihren Erzieherinnen um die gestrenge
Miss Emily stets angehalten, auf ihre Gesundheit besonders acht zu
geben. Als Zuschauer ist man noch zunächst desorientiert, weil Mark
Romanek all das so beiläufig erzählt und nicht weiter vertieft, was
er eigentlich schon in der allerersten Szene des Films klar ausspricht:
Die Kinder von Hailsham sind geklont, einzig und allein als Ersatzteillager
für kranke Menschen gedacht, wenn sie erwachsen sind - unausweichlich.
Die Schule ist ein Menschenpark für Kinder, die nicht mehr sind als
Material. Weil der Film über die Gefühls- und Erlebniswelt seiner
Protagonisten erzählt wird, bleibt der Schrecken zunächst nebulös,
zwischen den Zeilen entdeckbar - und er ist dann umso erschütternder,
wenn den Figuren bewusst wird, dass ihre Zeit nun bald ausläuft.
Widerstand gegen das Unausweichliche regt sich erst, als sie erfahren,
dass es angeblich eine Möglichkeit geben soll, einen Aufschub zu
erlangen. Romanek bebildert seine Verfilmung des meisterhaften Romans
von "Was vom Tage übrig blieb"-Autor Kazuo Ishiguro aus
dem Jahr 1985 exquisit, etabliert sein Universum als eine Welt im
fortgeschrittenen Zustand des Zerfalls. "An Education"-Entdeckung
Carey Mulligan und Keira Knightley spielen die ungleichen besten
Freundinnen, die um die Avancen des von Andrew Garfield, in Kürze
auch in "The Social Network", gespielten Tommy buhlen.
Erst zu spät erkennen sie, dass über ihre Existenz längst entschieden
ist, ihr Leben bereits gelebt ist. Das ist harter Tobak. Romanek
buhlt nicht um die Sympathien des Publikums, er nimmt den Zuschauer
nicht an der Hand: Man muss die Welt dieses Horrorfilms ohne Monster,
dieses Science-Fiction-Films ohne Fiktion selbst erkunden. Unterstützt
von einem ökonomischen Drehbuch von Alex Garland, selbst ein angesehener
Schriftsteller, füttert er die nötigen Informationen sorgfältig und
bedächtig, bis sich die behutsam erzählte und beeindruckend visualisierte
Geschichte schließlich in einem erschütternden Höhepunkt entlädt,
in dem Fragen über die Seele und den freien Willen des Menschen angerissen
werden. Was dieser eigenwilligen und brillant konzipierten Geschichte,
die immer auf ihre Hautfiguren fokussiert bleibt und Hintergründe
zum eigentlichen Klonvorgang komplett ausklammert, ein bisschen die
Intensität raubt, ist der etwas aufdringliche Score: Die unentwegt
anschwellenden Streicherklänge drohen bisweilen, den ohnehin finsteren
Film unnötig zu überladen. Dass "Alles, was wir geben mussten" trotzdem
beklemmend nachwirkt, ist Zeugnis der Durchschlagskraft seiner allgemeingültigen
Thematik: Kathy H. und ihre Freunde, sie haben ihren Platz sicher
im Pantheon der großen tragischen Helden. Weil sie alles geben mussten.
Was wörtlich zu nehmen ist. |