Mitte der Sechzigerjahre kamen
Hüseyin Yilmaz und seine Familie aus der Türkei nach Deutschland.
Inzwischen ist das fremde Land jedenfalls für die Kinder und Enkel
zur Heimat geworden. Nachdem der Patriarch bei einem Essen seine
Lieben mit der Nachricht überrascht, ein Haus in der Türkei gekauft
zu haben, muss die Sippe mit zum Umbau in die Pampa fahren. Die Reise
voller Streitereien und Versöhnung nimmt eine tragische Wendung.
Die fröhlich-herzliche Multikultikomödie und das lockere Spiel mit
bekannten Klischees beruht teilweise auf eigenen Erfahrungen der
Schwestern Yasemin und Nesrin Samdereli, die in dieser Generationen
übergreifenden Familiengeschichte sämtliche Vorurteile durch den
Kakao ziehen. Während die erste Hälfte die Zuschauer zum Lachen bringt,
dürfen in der zweiten die Tränen fließen. |
D 2010
- 97 Min.; ab 6;
Regie: Yasemin Samdereli ;
Darsteller: Vedat Erincin, Fahri Yardim, Lilay Huser, Demet Gül, Rafael
Koussouris, Aylin Tezel, Denis Moschitto, Petra Schmidt-Schaller .
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Heitere kultur- und generationenübergreifende
Familiengeschichte, die lustvoll mit Klischees spielt und Türken
und Deutschen den Spiegel vorhält. Wenn's um Multi-Kulti geht, verstehen
die Deutschen selten Spaß, fuchteln lieber mit dem pädagogischen
Zeigefinger herum und bei Filmen um Türken mit Migrationshintergrund
darf sich zwar Fatih Akin Humor erlauben, aber seine Dramen wie "Kurz
und schmerzlos" und "Gegen die Wand" wie auch Feo
Aladags "Die Fremde" sind dem Feuilleton in ihrer Drastik
lieber. Weit weg von gewalttätigen Männern und geknechteten Frauen
bewegt sich Yasemin Samderelis manchmal erfrischend politisch unkorrekte
Komödie, die sie gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Nesrin schrieb.
Beide sind in Dortmund geboren und aufgewachsen und erzählen subjektiv
und ohne Larmoyanz vom Migrantendasein und sagen: Wir sind hier und
das ist auch gut so! Dabei spielen sie mit Klischees, Sitten und
Gebräuchen, wobei Türken wie Deutsche ihr Fett abkriegen, vor allem
die Alemannen, die mit hängenden Mundwinkeln durchs Leben schleichen,
in der U-Bahn über Migranten mosern und mit großem Genuss Stempel
auf Formulare knallen, während der Südländer meistens variantenreich
speist, sich augenzwinkernd selbst auf die Schippe nimmt und fröhlich
tanzt. Nicht immer, aber sehr oft sind die Überspitzungen einfach
witzig, wenn die Kids Weihnachten feiern wollen und die Mama von
Tannenbaum und Bescherung Null Ahnung hat oder die fruchtbare Beziehung
der Enkelin mit einem Engländer den trockenen Kommentar hervorruft, "hätte
es nicht wenigstens ein Deutscher sein können?". Am Anfang der
Geschichte von Hüseyin Yilmaz, der Ende der 1960er Jahre als 1.000.001
Gastarbeiter nach Deutschland kam, die Familie nachholte und nach
über vierzig Jahren mit seiner Frau einen deutschen Pass erhält,
steht die Frage des sechsjährigen Enkels, "Wer oder was bin
ich eigentlich - Deutscher oder Türke?", weil den Sohn eines
Türken und einer Deutschen weder die türkischen noch die deutschen
Mitschüler in ihre Fußballmannschaft wählen. Eine Identitätsfrage,
um die sich die Kinder des Patriarchen aufgrund ihrer gelungenen
Integration keine großen Gedanken machen. Als der beim üppigen Mahl
den Seinen eröffnet, er habe ein Haus in Anatolien gekauft und die
widerstrebende Sippe auffordert, gemeinsam dorthin zu fahren, beginnt
eine Reise voller Streitereien und Versöhnung, die mit einer tragischen
Wendung endet. Während die erste Hälfte vor Frohsinn strotzt, gibt
es in der Mitte einen etwas plötzlichen Bruch zu ungewohnter Ernsthaftigkeit,
die sich nach einem kurzen Holpern in das Ganze einfügt. Und wenn
der Enkel in einer bewegenden Rede den toten Großvater bei einem
politischen Festakt vertritt, darf ein Tränchen kullern. |