Therapeutin Gerri und Geologe Tom sind seit Jahrzehnten glücklich verheiratet und stehen kurz vor dem Rentanalter. Sie bilden die zentrale Anlaufstelle für ihre weniger glücklichen Freunde und Verwandte: Gerris Arbeitskollegin Mary ertränkt ihren Frust über das defizitäre Liebesleben im Suff. Gerris und Toms Sohn klagt über sein Single-Dasein, findet dann doch die Richtige in Gestalt von Katie. Ken, Toms Freund seit Kindertagen, folgt der Maxime "No thinking, but drinking". Toms Bruder Carl trauert über den Tod seiner Frau. Altmeister Mike Leigh begleitet in dieser gefühlvollen Dramödie ein harmonisches Mittelschichtsehepaar und ihre Freunde und Verwandten durch die Jahreszeiten. Jim Broadbent und Ruth Sheen sind als "happy couple" das emotionale Zentrum des Films, die beste, preiswürdige Performance liefert Lesley Manville. Es passiert wenig und doch viel bei dieser tour d'horizon durch einen unaufgeregten Alltag. Präzise Dialoge, stimmige Atmosphäre und die von Dick Pope perfekt eingefangene Mimik und Gestik der Ensemblemitglieder reichen, um den Zuschauer mit dieser "comédie humaine" rundum glücklich zu machen.

Großbritannien 2010 - 129 Min.; ab 12;
Regie: Mike Leigh;
Darsteller: Jim Broadbent, Ruth Sheen, Lesley Manville, Oliver Maltman, David Bradley, Karina Fernandez, Martin Savage, Peter Wight, Imelda Staunton, Phil Davis, Michele Austin.

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Altmeister Mike Leigh begleitet ein harmonisches Mittelschichts-Ehepaar, ihre Freunde und Verwandten durch die Jahreszeiten und macht mit dieser perfekten "comédie humaine" rundum glücklich. Er war der haushohe Kritikerfavorit und ging bei der Palmenverleihung in Cannes unverständlicherweise leer aus. An der Kinokasse könnte Mike Leigh, der in leisen Tönen vom wahren Leben erzählt, die Preisträger dagegen souverän toppen mit einem Stoff, der Herz und Verstand gleichermaßen erobert. Frühling, Sommer, Herbst und Winter, Familie und Freundschaft, Liebe und Trost, Freude und Leid, Hoffnung und Enttäuschung im Rhythmus der vier Jahreszeiten, Geburt und Tod. Um die Londoner Therapeutin Gerri und den Geologe Tom, seit Jahrzehnten glücklich verheiratet und fast im Rentenalter, scharen sich die unterschiedlichsten Leutchen. Allen voran Gerris Arbeitskollegin Mary, die ihren Frust über das defizitäre Liebesleben im Suff ertränkt und mit ihrer ständigen Plapperei allen gehörig auf den Nerv geht. Der Sohn des Paares, der über sein Single-Dasein klagt und dann doch die Richtige in Gestalt von Katie, einer Ergotherapeutin, findet, der übergewichtige Ken, Toms Freund seit Kindertagen, dessen Maxime "No thinking, but drinking" sein T-Shirt ziert und Toms Bruder Carl, der im Winter seine Frau verliert und für einige Tage mit nach London kommt. Jim Broadbent und Ruth Sheen sind als "happy couple" das emotionale Zentrum des Films, die beste Performance liefert Lesley Manville als Mary mit ihrer fiebrigen Energie und Herz zerreißenden Traurigkeit in endloser Einsamkeit. Es passiert wenig und doch viel bei dieser tour d'horizon durch einen unaufgeregten Alltag mit seinen Kümmernissen, Veränderungen und Herausforderungen, man trifft sich, plaudert, trinkt (nicht zu wenig) und speist, ackert im Garten - das Leben ist ein ruhiger Fluss, es sind die einfachen Dinge, die zählen. Leigh macht mit leichter Hand das Normale zum Außergewöhnlichen, lässt auch in desolaten Situationen ermutigenden Humor durchscheinen. Um Aufmerksamkeit für seine manchmal sehr gutmenschigen, manchmal verzweifelten und an der Wirklichkeit wund gescheuerten Helden zu wecken, braucht er keine technischen Mätzchen. Da reichen präzise Dialoge, stimmige Atmosphäre, seine schon legendäre Fähigkeit, einem brillanten Ensemble Höchstleistungen abzuverlangen und sein langjähriger DOP Dick Pope, ein Magier der Kamera, der immer genau den richtigen Moment einfängt und dem nicht eine einzige Regung in Mimik oder Gestik entgeht. Man möchte gerne noch "Another Year" mit allen erleben und gucken, was aus ihnen wird. Packendes, weil ehrliches Kino.